La grande olimpiade

Nur das Beste war gut genug, um die im Jahre 1960 in Rom ausgetragenen, XVII. Olympischen Sommerspiele filmisch für die Nachwelt festzuhalten. Weder wurde bei den akribischen, technischen Vorbereitungen gespart, noch beim Personal. Als Regisseur verpflichtete man den renommierten Dokumentarfilmer Romolo Marcellini, als Komponisten den in dieser Gattung ebenfalls bestens ausgewiesenen Angelo Francesco Lavagnino.

Da die Musik eine wichtige Rolle spielen sollte, war es Lavagnino möglich, einen verschwenderischen, sinfonischen Score zu erstellen, der ‒ besonders wenn sich zum Orchester noch ein Frauenchor gesellt ‒ auch einem Sandalenfilm sehr gut angestanden hätte. Was nicht weiter verwundert, wenn man die Olympioniken als Gladiatoren der Neuzeit betrachtet.

Dies offenbart sich zunächst in den ersten fünf Tracks, die sich mit der Eröffnung der Spiele befassen. Main Title ‒ The Olympic Athletes Arrive fängt im weit ausladenden Hauptthema den würdevollen und epischen Charakter der Veranstaltung grandios ein, Streicher und Chor verleihen ihm eine verklärende und hymnische Note. Und natürlich dürfen auch Fanfaren nicht fehlen. Der Stimmungsaufbau in Torch Reley lässt erahnen, dass etwas Grosses seinen Schatten vorauswirft; Kirchenglocken, ein leidenschaftliches Streicherthema und eine Tarantella tun ihr Übriges, diesen Track zu einem frühen Höhepunkt zu formen.

Ab Track 6 befasst sich Lavagnino mit den zahlreichen Sportarten, nun zeigt sich die Musik gerne verspielt und tänzerisch. Bunte Perkussion für die Hürdenläufer, ein schwungvoller Walzer für die Gymnastiker, Jagdhörner für die Gelände-Reiter sowie mit Sunday in Rome ein entspanntes Intermezzo, wo es sich Lavagnino nicht nehmen lässt, dessen reizendes Thema pfeifenderweise vorzutragen.

Ab Track 16 kommt vermehrt das Hauptthema in vorzüglichen Bearbeitungen wieder mit ins Spiel, etwa in High Diving, den Decathlon-Tracks (Decathlon Awards Ceremony überrascht mit einem feierlichen Trompeten-Solo) und Rowing. Ein Highlight nicht nur der Spiele, sondern auch dieses Scores bildet Marathon Run, der in seinen dramatisch durchkomponierten acht Minuten die Leiden und den Triumph des Siegläufers mitempfindet. Danach folgen die unverwendeten Marathon Awards Ceremony und Finale, die dem glorreichen olympischen Geist nochmals hingebungsvoll huldigen.

Da Lavagnino die erforderliche Menge Musik nicht allein stemmen konnte, rief er seinen Freund Armando Trovajoli zu Hilfe, der ihn schon früher gelegentlich unterstützt hatte, und dessen Beitrag zum Film ist im Bonus-Teil zu hören. Trovajolis Musik unterscheidet sich mit ihrem unterhaltsamen Charakter markant von Lavagnino. Er arbeitet zwar mit einem einzigen (äusserst einschmeichelnden) Thema und verwendet offenbar nur ein kleines Tanz-Ensemble (Klavier, Gitarre, Flöte, Trompete, Orgel, Perkussion), aber seine Musik ist so sympathisch und charmant, dass man sie einfach in sein Herz schliessen muss.

Mit dem komplett und in Stereo präsentierten La Grande Olimpiade liegt von Alhambra der nunmehr sechste Lavagnino vor, und einmal mehr hat das Label mit einem Score des Italieners voll ins Schwarze getroffen. Sieht man mal davon ab, dass ein Teil dieser Musik 1963 für den Dokumentarfilm Concilio Ecumenico Vaticano ll wiederverwendet und unter diesem Titel eine halbe Stunde davon auf LP veröffentlicht wurde, kann man hier also von einer Weltpremiere sprechen. Und die ist höchst willkommen, handelt es sich doch um Lavagnino vom Allerfeinsten.

Andi, 16.2.2016

 

LA GRANDE OLIMPIADE

Angelo Francesco Lavagnino / Armando Trovajoli

Alhambra A 9027

79:49 Min. / 33 Tracks

Limitiert auf 500 Stk.

 

 

 

 

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