kurz und knapp 3

UNBROKEN
Alexandre Desplat, Universal
Mit Unbroken (2014) hat Alexandre Desplat sein äusserst gelungenes Schaffen für das Jahr 2014 abgeschlossen (zumindest für uns Hörer aus Sicht der CD-Veröffentlichungen). So war es denn auch schwierig, uns verwöhnte Hörer nach den fantastischen Arbeiten für The Grand Budapest HotelThe Monuments MenGodzilla und The Imitation Game erneut zu begeistern. Verglichen mit diesen Arbeiten fällt Unbroken dahingehend ab, als dass nach den 60 Hörminuten die Musik nicht nachhallen will. Kein Alan Turing-Thema, kein Godzilla-Violinen-Moment, kein Golden-Age-Pomp à la Monuments Men. Klar, es hätte hier auch nicht gepasst, doch vermisst man letztlich ein Killer-Thema für den leidenschaftlich porträtierten Olimpia-Sportler und Kriegsgefangenen Louis Zamperini. Sein Thema erhält im finalen Unbroken zwar einen kräftigen Abgang, doch bleibt es letztlich zu blass. Dies ist enttäuschend, denn ansonsten ist auch Unbrokenhandwerklich einwandfrei gelungen, wartet mit verschiedenen Stilismen auf, wobei die Spannungsmusik mit klickender Perkussion besonders hellhörig macht. Daher „nur“ 3 Smileys für Unbroken; sicherlich, dies ist Wehklagen eines Filmmusik-Fans auf äusserst hohem Niveau, aber bei Desplat sind die Erwartungen nach seinen letzten Arbeiten einfach sehr hoch. 
3, bb

BREAKING AWAY
Patrick Williams, Kritzerland
Nach Butch and Sundance: The Early YearsCuba und Used Cars ist Breaking Away der vierte Score von Patrick Williams, der in den Jahren aufgelegt wurde, fast ein wenig Williams Renaissance – jetzt fehlen vor allem Streets of San Francisco und Columbo. Die Musik zum Rennradsportfilm von Peter Yates (Bullitt) mit Dennis Quaid erfuhr einige Turbulenzen, denn obwohl Williams klar gemacht wurde, dass er sich über den temp track keine Gedanken machen müsse, blieb vieles davon schliesslich im Film (siehe auch Interview mit Patrick Williams). Und so sind die Tracks 1 – 20 , die bereits einige nicht verwendeten Williams Tracks enthalten, eine ziemlich kunterbunte Durchmischung aus Stilen. Von italienischen Arien über bestbekannte Orchesterwerke, 70er Jazzsounds und wenig Williams Score. Die nicht gebrauchten Stücke 21 bis 28 schliesslich lassen erahnen, wie sich Williams hat von den klassischen Stücken inspirieren lassen – und das funktioniert wunderbar. Wirklich schade fand davon wie so gut wie nichts seinen Weg in den Film. Umso schöner gibt uns Kritzerland hier die Gelegenheit Patrick Williams‘ Kompositionen hören zu können. Dirigiert wurde die Musik von Lionel Newman, Williams erhielt für seine Adaptionen eine Oscarnomination.
3.5, phb

PREDATOR 2
Alan Silvestri, Varèse Club
Für Predator 2 kehrte man in den Dschungel zurück, allerdings in den Dschungel eines Molochs wie Los Angeles, 7 Jahre in die Zukunft transportiert. Als Gegenspieler des fast unbezwingbaren ausserirdischen Trophäenjägers steht diesem allerdings kein Muskel bepackter Söldner (Schwarzenegger mochte weder Script noch Drehort) gegenüber sondern ein Cop (Danny Glover). 
Nach seinem tollen Score zum ersten Film durfte Alan Silvestri wieder ran – neben Stan Winston (Make Up), den Drehbuchautoren und Produzent Joel Silver. Sein Score ist wahrlich nichts für schwache Nerven oder anfällige Ohren, denn was wir hier auf 2 CDs zu hören kriegen, ist filmmusikalische Action pur. Obwohl Silvestri fast gänzlich auf sein Hauptmotiv aus dem ersten Film verzichtet, ist das Setting unverkennbar Predator, alles aber noch einen Schlag (wortwörtlich) gewaltiger, heftiger und rabiater. Dem ausserdirdischen Jäger, aber auch den Jamaicanern und Kolumbianern (etwas gar überzeichnete Bösewichte, die auf blutig brutalste Weise augelöscht werden) verleiht er mit einer mächtigen Palette an Perkussion ihren Stempel, das passt schlussendlich auch zum Grossstadtdschungel. Gegenüber dem Original verwendet Silvestri hier vordergründig weniger an Elektronik, der Umgang mit dem Orchester ist gewagter und teilweise experimenteller. Immerhin hat Silvestri mit The Abyss und Who Framed Roger Rabbit zwischendruch zwei eindrückliche Blockbuster sinfonischer Natur hinter sich. 
Wenn das Sequel auch weniger erfolgreich war und der Film zugegebenermassen einiges zu wünschen übrig lässt, so ist es Silvestris Musik, die mit dieser Veröffentlichung einiges gewinnt. Zwar enthielt die Varese Scheibe zu Zeiten des Films immerhin 45 Minuten Musik, doch die 80 Minuten (nebst einiger Bonustracks) machen Predators 2 zu einem Fest für Genrefans.
4, phb

ENTERPRISE: Collection
Dennis McCarthy, Jay Chattaway, Brian Tyler u.a., La-La Land Records
4 Seasons währte die Zeit, die Enterprise von 2001 an produziert und ausgestrahlt wurde. Konzipiert als pre-Star Trek Serie, also ehe Kirk und Spock durchs Weltall düsten, schafften es Scott Bakula als Captain Jonathan Archer und seine Crew in die unendlichen Weiten, immerhin eine Saison länger als das Original. Wieder mit von der Partie ist Dennis McCarthy, verdienter Star Trek: Next Generation und Star Trek: Deep Space Nine Veteran. Anstatt ein pfundiges Titelthema wurde ihm allerdings ein von Dianne Warren komponierter Song vor die Nase gestellt („Where My Heart Will Take Me“), zum ersten Mal in der Star Trek Geschichte, dass kein markantes Titelthema verwendet wurde. Vielen Fans stiess das ein wenig auf den Magen. 
Die 4 CDs geben einen musikalischen Querschnitt durch 4 Seasons. CD 1 widmet sich den Scores von Dennis McCarthy, Disc 2 Jay Chattaway, Disc 3 erhält den Titel „Veterans and New Recruits“ mit Mark McKenzie, David Bell, Paul Baillargeon, John Frizzell, Velton Ray Bunch (Quantum Leap), ausserdem kriegen wir hier McCarthys nicht verwendete Titelmusik zu hören. CD 4 präsentiert sogenannte „Fan Favorites“ mit Scores von Dennis McCarthy & Kevin Kiner, die sich bei einigen Episoden die Arbeit teilten, und Brian Tyler.
Anders als noch bei (den späteren Episoden von) TNGDS9 und Voyager waren die Macher, allen voran Rick Berman, offener für musikalische Experimente (wobei Aussagen einiger der Komponisten darauf zurückschliessen lassen, dass sich doch nicht so viel geändert hat), allerdings mussten die Komponisten einige Male auch ungewollt auf Elektronik zurückgreifen, wenn das Budget nur einen gewissen Teil Orchesterscore erlaubte.
Für Fans der Serie ist die mit einem hervorragenden Booklet ausgestattete 4 CD Box sicher ein Muss, wer eher weniger mit Trek zu tun hat, kann sich die Anschaffung wohl sparen.
3, phb

16.3.2015