kurz und knapp 19

 

ON GOLDEN POND
Dave Grusin (Varèse Sarabande)

Varèse legt weiterhin Scores auf, die in gleicher Form zuvor bei anderen Labels erschienen sind. In diesem Fall ist es ON GOLDEN POND in der Version wie sie 1982 bei MCA erschien, also inklusive Dialogen. Dass gerade diese Scheibe auch so funktioniert, liegt daran, dass der Film brillant gespielt und vor allen Dingen über ein herrliches Drehbuch mit spitzen Dialogen verfügt. Davon sind einige Müsterchen auf der CD und obwohl man sich schon endlich eine richtige Dave Grusin ON GOLDEN POND gewünscht hätte (ach, sie wird kommen, irgendwann…), so ist diese Disc, sollte man sie noch nicht besitzen aber den liebevollen Film kennen, doch ein feines Souvenir – oder sie führt dazu, sich den Film von Regisseur Marky Rydell (THE REIVERS, THE COWBOYS) anzusehen. Liebhaber des Films werden sich über den herrlichen Dialog zwischen Norman (gespielt von Henry Fonda) und Billy Ray (Dabney Coleman) über das Sexleben, das Billy Ray gerne mit Normans Tochter (Jane Fonda) führen würde, erinnern; prächtig und für einige Schmunzler gut.

Das „Main Theme“ wird auch in „Norman & Ethel“ gespielt, es entspricht also den beiden Senioren, die sich, es geht meist von Norman aus, der mehr und mehr mit seinem Gedächtnis zu kämpfen hat, mit sarkastischen aber eigentlich nicht böse gemeinten Neckereien auf die Nerven gehen. Ein Highlight ist das rassige „New Hampshire Hornpipe“ (man achte auf die Triangel!). Ein weiteres Thema ist dem See gewidmet an dem das Ferienhaus steht, zu hören in „Lake-Song“, es ist, ein für den Komponisten typisches, unverwechselbares Popjazz-Vehikel, auf Grusins CINEMAGIC nicht enthalten, ist aber wichtiger Bestandteil dees Scores. „Purgatory Cove“ gibt den Charakter der Szenen wieder, in denen sich Norman aber auch Ethel (Katherine Hepburn) mit ihren Altersbeschwerden herumschlagen. Grusin erfasst dies mit dramatischen Klänge für Kontrabässe, Celli und Klavier.

Also, nichts Neues auf der CD, wer aber weder Film noch Musik kennt, sollte reinhören!
Phil, 4

 

THE CHAMBER
James Dean Bradfiel (Sony)

Im Thriller THE CHAMBER (2016) gerät ein Aufklärungstrupp in seinem U-Boot im Gelben Meer vor der Küste Nordkoreas in Not. Eingeschlossen in der stählernen Kammer, müssen sie mit steigendem Wasserspiegel und dünn werdender Luft sowie Gruppenrivalitäten kämpfen. Die Musik hierzu stammt von James Dean Bradfield, dem Gitarrist und Sänger der britischen Rock-Band Manic Street Preachers, welcher hiermit sein Filmmusik-Debut abliefert. Er selbst spielt die Gitarren-, Bass- und Keyboard-Parts, während noch ein Perkussionist, ein weiterer Keyboarder und eine Handvoll Streicher im Booklet gelistet sind. Dort schreibt der Regisseur, dass sie von Krystof Pendereckis Musik, den metallischen Effekten aus Goldenthals ALIEN 3 (1992) und den luftentweichenden Effekten aus Prices GRAVITY (2013) inspiriert gewesen seien. Das Ergebnis kann am besten mit atmosphärischem Minimalismus umschrieben werden. Bezogen auf die Filmsynopsis scheint diese Klangcollage bestens geeignet, als Hörerlebnis losgelöst von den Bildern ist sie indes höchstens begleitend zu spannender Lektüre interessant.
Basil, 1

 

THRILLER
Jerry Goldsmith (Tadlow)

Ein ganz besonderes Projekt haben James Fitzpatrick und Arrangeur Leigh Phillips (zuletzt beim feinen THIEF OF BAGDAD tätig) mit dieser CD verfolgt, TV-Musiken als Neueinspielung. Nicht etwa die populären TWILIGHT ZONE oder das ohnehin viel beachtete und oft veröffentlichte STAR TREK, nein, die bei uns weniger bekannte Serie THRILLER – und dabei die Scores von Jerry Goldsmith – war es, derer sich Nic Raine und die Prager Musiker hier annahmen. Jerry Goldsmiths Vertrag mit der CBS, wo er zuvor für CLIMAX! und PLAYHOUSE 90 komponierte, lief aus und so war er mehr als glücklich, dass er für Universal Televison eine Episode von THRILLER musikalisch untermalen durfte. Die Macher waren damit derart glücklich und heuerten Goldsmith in der Folge für weitere 15 Episoden an – die Serie selber lief nur 2 Seasons (1960-1962), dafür wurden immerhin 67 Episoden produziert, sie kam aber nie an den Erfolg der nicht unähnlichen THE TWILIGHT ZONE heran.

Sechs Episoden, an denen Goldsmith in der ersten Season arbeitete, sind auf der Tadlow-CD in Suiten von je rund 10 Minuten Länge zu hören. Ähnlich wie bei TWILIGHT ZONE verfügte Goldsmith über ein kleines Ensemble (12-14 Musiker), was der Originalität der Musiken jedoch keinen Abbruch tat. Man kann sie auch in musikalischer Sicht durchaus mit seinen Arbeiten an der erwähnten anderen Anthologyseries vergleichen – wie einst bei dieser Serie war übrigens auch hier ein anderer Komponist für den Main Title zuständig: Peter Rugolo.

Leider war es mir bisher nicht vergönnt THRILLER zu sehen, aber was nicht ist, kann ja noch werden, ist doch unter den Schauspielern und Machern (u.a. eine der wenigen Frauen, die damals für Regiearbeiten im TV tätig war, Ida Lupino) durchaus Talent vertreten. Und wer weiss, vielleicht wird es auch einmal eine THRILLER Nr. 2 mit den restlichen Musiken Goldsmiths geben?
Phil, 4

 

GET EVEN
Olivier Deriviere (Ameo Publishing)

GET EVEN (2017) ist ein First-Person-Shooter. Um was es genau geht, gibt die Website zum Videogame nicht preis bzw. ich habe es nicht verstanden. Anyway. Der Teaser verspricht Erkundungstouren durch dunkle Gemäuer und Zimmer, in denen Überraschungen aller Art lauern. Die Musik hat Olivier Deriviere komponiert. Nach seinen genialen, sehr rasanten Game-Soundtracks zu REMEMBER ME (2013) und ASSASINS’S CREED 4: BLACK FLAG – FREEDMOM CRY (2014) lässt er hier andere Töne anklingen. Zwar kombinierte er erneut Orchester mit Synthesizer, doch dominieren hier Melancholie mit dem sehr schönen Family-Thema, meist von Violine angeführt, und Nervenkitzel anhand teils verstörenden Sound-Collagen (bspw. im Stück Trauma). Was bei GET EVEN stört, sind die harschen stilistischen Wechsel und die eingeflochtenen Sound-Effekte (bspw. Sirenen), weshalb diese Arbeit von Deriviere nicht an die anderen herankommt. DasFamily-Thema ist jedoch sehr gelungen und berührend. Allenfalls will man hiervon ein/zwei Versionen (bspw. die Stücke „Consequences“, „We’re Family“ und „Fragile Family“) in eine Deriviere-Playlist übernehmen. Die anderen eher exzentrischen Elemente dieses Soundtracks dürften kaum zum wiederholten Hören bewegen.
Basil, 3

 

NOCTURNAL ANIMALS
Abel Korzeniowski (Silva Screen)

Fast wäre mir diese Musik durch die Lappen gegangen. Das lag einerseits daran, dass der Film bei uns einen schweren Stand in den Kinos hatte und zum anderen die DVD länger zunächst im Stapel verschwand. Die Musik zu diesem verstörenden, auf mehreren Ebenen funktionierenden Thriller hat der Pole Abel Korzeniowski, der 2013 den Score zu ROMEO & JULIET von James Horner ersetzte und 2009 bereits mit Tom Ford zusammen gearbeitet (A SINGLE MAN). Korzeniowskis für Streicher und Klavier geschriebene Musik ist eine gesunde Mischung aus Spannung und Romantik. Er untermalt die Liebesgeschichte des Films und die Thrillerelemente mit einem Hauch Herrmann (im Hauptthema hörbar) aber auch deutlichem Minimalismus à la Glass. Das funktioniert durchaus gut, der Pole hat hier eine der besseren Filmmusiken des vergangenen Jahres abgeliefert. Anspieltipps zum Reinhören sind die Titelmusik „Wayward Sisters“ (zum wirklich gewöhnungsbedürftigen Beginn des Films) und das schöne „Table for Two“. Auf Grund der nur mässigen Resonanz des Films, mit Amy Adams und Jake Gyllenhaal in starken Rollen, bleibt nur zu hoffen, dass man vom polnischen Komponisten weiters auf solche musikalischen Qualitäten hoffen kann.
Phil, 4

 

THE SMURFS: THE LOST VILLAGE
Christopher Lennertz (Sony)

Nachdem Heitor Pereira für THE SMRUFS (2013) eine zwar niedliche, wenn auch austauschbare Musik komponiert hat, tritt nun Christopher Lennertz für THE SMURFS: THE LOST VILLAGEe (2017) an. Auch seine Musik erfüllt die Erwartungen für einen solchen Animations-Film absolut – niedlich, verspielt, „süss“ und ein bisschen rasante Action. Doch eine eigenständige, musikalische Identität vermisst man auch bei dieser Musik von Lennertz. Was er präsentiert, bewegt sich zwischen Arbeiten von James Newton Howard (bspw. DINOSAUR (2000)) und James Horners Musik für Animationsfilme – jedoch ohne prägnante Themen. Das ist nicht verkehrt, klingt aber halt alles sehr bekannt. Dazu noch zwei Versionen der Ballade „You Will Always Find Me in Your Heart“, gesungen von Shaley Scott und komponiert von Lennertz, und fertig ist das zweckdienliche Produkt. Lennertz hat für solche und ähnliche Kinderfilme stets adäquate, jedoch nie überraschende Arbeiten geschrieben (vgl. HOP (2010), MARMADUKE (2008), CATS & DOGS: THE REVENGE OF KITTY GALORE (2010)). Dass er letzteres kann, bewies er mit MEET THE SPARTANS (2008) und VAMPIRES SUCK (2010). SMURFS indes ist Einheitskost von der Stange.
Basil, 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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