Knowing

Wenn Nicolas Cage als Hauptdarsteller gelistet ist, ist das heutzutage leider in der Regel ein Garant für schlechte Unterhaltung. Dann noch in einem weiteren Hollywoodstreifen, der die Apokalypse aufgrund eines einfachen Blatt Papiers mit Zahlen drauf nachstellen will… tja, das klingt nach einem grausigen Film und grausig ist er auch. Für das Filmmusikfanherz blieb da noch zu hoffen, dass wenigstens Marco Beltami, welcher mit Scores zu 3:10 to Yuma und Max Payne (Co-komponiert mit Buck Sanders, welcher auch an Knowing als electronic sound designer arbeitete) doch relativ gute Arbeiten vorlegte, etwas bieten kann. Sein Score zu Knowing ist dann auch nicht schlecht geraten und hat ein paar knackige Stücke zu bieten, doch krankt er massiv an Überlänge.

Das Album eröffnet mit den Main Titles, welche somit auch gleich den Ton angeben. Dunkle, atmosphärische Musik mit leichten Reminiszenzen zu Jerry Goldsmith und Bernard Hermann eröffnen die folgenden apokalyptischen Musikmomente. Überhaupt ist der Hörer während dem gesamten Album immer mal wieder an Arbeiten aus den Federn der Herren Goldsmith und Hermann erinnert, doch lässt Beltrami auch genügend eigene Handschrift einfliessen. Das Problem mit dem Album liegt darin, dass die ersten zweidrittel überwiegend mit atmosphärischer Musik belegt sind, welche besonders bei einmaligem Hören wenig beeindrucken. Nach den Main Titles sorgt dann vor allem noch das tolle und sehr krachende Stück New York (bitte laut hören) für ein Aufhorchen. Auch Stücke wie Numerology, 33 und vor allem Door Jam lassen es stellenweise ordentlich krachen, doch ist das Album zwischen diesen Actionmomenten häufig mit wenig interessantem Underscore ‚aufgefüllt’, welche das Hörerlebnis etwas in die Länge ziehen und anstrengend machen. Wenn dann Beltram mit Stücken wie Moose on the Loose den Hörer jagt, dürfte für viele der Hörgenuss vorüber sein. Um dies zu geniessen braucht es Fans des dissonanten Scorings. Etwas leisere und melancholischere Töne sind in John and Caleb zu hören. Diese musikalische Idee wird in anderen Stücken auch wieder aufgegriffen und ist willkommen. Interessanter wird es dann wieder mit dem Stücke „Shock and Aww“ und „Caleb Leaves“. Hier kann das Sydney Scoring Orchestra alle Register ziehen und der Chor liefert dann noch das i-Tüpfelchen dazu. Hier legt Beltrami richtig los.

Fazit: Die neue Musik von Marco Beltrami ist sicherlich nicht für jedermann, doch liefert sie genau das, was man von einer Filmmusik zu einem Apokalypse-Film wie Knowing erwartet. Grosses Drama und unendlich dunkle Klänge. Die vielen Dissonanzen und die Abwesenheit eines wirklich eingängigen Themes werden manchen Hörer überfordert und/oder enttäuscht zurücklassen. Wem jedoch überwiegend dunkle und dissonante Musik nichts ausmacht, der dürfte an Knowing durchaus Freude haben. Wenn die folgenden Stücke programmiert werden, rockt der Socre ordentlich: 1-4-5-18-19-20-21-22.

Basil, 28.4.2009

 

KNOWING

Marco Beltrami

Colosseum/Varèse CVS 6956.2

65:43 Min. / 22 Tracks

 

 

 

 

 

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