The Karate Kid (2010)

Seit nunmehr über 30 Jahren schreibt James Horner Filmmusik für Hollywood. Seine Musik bezaubert, sein Musikstil und seine musikalische Sprache ist geläufig. Nach dem großen Erfolg von Titanicist diese auch außerhalb der Filmmusikszene bekannt und mit Avatarkomponierte James Horner die Filmmusik für die beiden kommerziell erfolgreichsten Filme. Dieser Erfolg ist Fluch und Segen zugleich. Für folgende Projekte wird eine ähnliche erfolgreiche Musik gefordert. Kreativität und Weiterentwicklung bleibt auf der Strecke.

Als die ersten Gerüchte über einen neuen Horner Score nach Avataraufkamen, war die Überraschung groß. Ungläubiges Staunen wo man nur hinhörte und vielerorts wurde die Frage gestellt; „Was mag James Horner nur bewogen haben, dem Remake zu Karate Kid beizutreten?“

Im Laufe seiner musikalischen Karriere hat Horner immer wieder betont, dass er „kleinere“ Filme bevorzugt und diese auch braucht um neue musikalische Gedanken und Ideen auszuprobieren. So lässt sich vielleicht erklären, warum die Wahl auf Harald Zwarts Karate Kid mit Jackie Chan in der Hauptrolle fiel. Eine (im Vergleich mt Avatar & Co.) kleine Filmproduktion, die ihm den Druck nimmt. Gleichzeitig überrascht er und entzieht sich dem „Schubladendenken“. Respekt, da ich solche Vorgehensweise von Horner nicht mehr erwartet hätte!

Anders als im Erfolgsfilm aus dem Jahr 1984 behandelt das Remake Kung Fu (und nicht wie der Titel erwarten liesse Karate) als Kampfsportart. Die Mutter von Dre Parker nimmt einen Job in China an und zieht mit ihrem Sohn von Detroit nach Peking. Der 12 jährige Junge bleibt Außenseiter, kann sich nicht an die neue Umgebung gewöhnen und findet keinen Anschluss. Als er dann auch noch von anderen Jungen verprügelt wird, nimmt sich Mr. Han seiner an. Mit zunächst albern wirkenden Übungen lehrt er ihm die kunstvollen Bewegungen des Kung Fu.

Gleich mit den ersten Tönen zur neuen Filmmusik vermag Horner zu überraschen. Kein deutliches Zitat aus Avatar erklingt, sondern eine erstaunlich frische und unverkrampfte Musik, die in eine exotische Welt begleitet. Mit sehr einfühlsamen Klängen untermalt er musikalisch Dre’s Umzug und Aufenthalt in Peking. Anfangs verzichtet Horner komplett auf ethnische Musik, zeichnet mit Streichern und Soloeinlagen Dre’s Schwierigkeiten wieder. Erst mit dem Kung Fu findet der Junge in die ihm fremde Welt. Mit sakralem Klang hebt Horner den Wunschtraum des Jungen in den Fokus.

Für die Unterweisungen und die Ausbildung durch Meister Han setzt Horner erstmals ethnische, asiatische Musik ein. Verbunden mit elektronischen Sounds ergibt sich eine hörenswerte Musik, die nur entfernt Avatar Klangmuster annimmt. Auch der Einsatz der japanischen Bambusflöte (Shakuhachi) reduziert Horner auf ein Minimum. Im Track 12  Journey to the Spiritual Mountain verbindet Horner chinesische Klangstrukturen mit modernem Synthieklang und fügt ein bezauberndes Thema hinzu. Hier, wie auch im übrigen Score, fällt auf, dass Horner einen sehr melodischen Score komponiert und stets bemüht ist, ihn im aktuellem Soundgewand klingen zu lassen.

In den Actionmomenten übernimmt Horner Elemente aus seinen Scores der 80er Jahre. Besonders im Track 6 Backstreet Beating vermag man eine Variation aus Gorky Park zu hören. Trotzdem bleibt die Actionmusik hörenswert und fügt sich angenehm in den Score. Der Score selber ist schlicht gehalten, doch auffallend melodiös und unterhaltsam. Eine Musik die man in einem Rutsch genießen kann. Auch die heroische Untermalung bleibt wohltuend und angemessen. Keine aufdringliche und verkitschte Fanfare untermalt den Werdegang des Schülers auf dem Weg zum Kung Fu Meister.

Horner findet nach Jahren zurück zu seinen Stärken und komponiert einen beachtlichen Score. Hörenswerte Themen, ein aktuelles Soundgewand und behutsame Sentimentalität zeichnen die Komposition aus. Zwar ist nicht alles neu und vieles auch in einfache Strickmuster verpackt, doch für Horners Verhältnisse ungewöhnlich. Nach so langer Zeit im Showbusiness vermag er doch noch zu überraschen.

Bernd, 3.6.2010

 

KARATE KID (2010)

James Horner

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64:21 Min. / 18 Tracks

 

 

 

 

 

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