Jurassic World

Auf Jupiter Ascending (2014) und Tomorrowland (2015) folgt nun Jurassic World (2015), womit Komponist Michael Giacchino seinen beachtlichen Filmmusik-Spurt fürs Jahr 2015 gekonnt fortsetzt. Wie der Film so bietet die Musik neben viel Abenteuer und Action auch Spass- und Augenzwinkern-Momente sowie melancholische Zwischentöne. Dabei ist es Michael Giacchino gelungen, Statements der Kult-Themen von John Williams in seine Musik einzubinden und diese mit seinen eigenen Ideen und Stilismen schön in Einklang zu bringen. Damit bietet Jurassic World neben einem „Wiederhören“ mit Williams‘ weltbekannten Melodien auch tolle neue Themen und Motive, woraus ein sehr kurzweiliges Album resultiert.

Es wurde schon früh kommuniziert, dass die Themen von John Williams Teil der Filmmusik für Jurassic World sein werden. Deren Präsenz hier ist gelungen und adäquat (nicht à la 2-Sekunden-Statements vom Hedwig’s Themen in den Harry Potter-Fortsetzungen). Giacchino lässt Williams‘ Musik schöne Auftritte in Welcome to Jurassic World, As the Jurassic World Turns und The Park Is Closedzukommen, sprenkelt kurze Anspielungen jedoch auch in zahlreichen anderen Stücken immer mal wieder ein (obwohl auf der CD so nicht deklariert), wobei es faszinierend ist, mit wie wenig Spielzeit diese weltbekannten Melodien bereits einen „verankernden“ Effekt auf die Musik haben können. Ein erster Augenzwinkern-Moment in diesem Kontext bietet Giacchinos Zitat vom Hauptthema von The Lost World: Jurassic Park (1997) in Our Rex Is Bigger Than Yours. Bzgl. des Sinns dieses Themenstatements an dieser Stelle des Films kann gerätselt werden, doch witzig ist es allemal und die Melodie ist und bleibt grossartig.

Doch neben diesen Williams-Zitaten gelang es Giacchino auch, eigene, neue Themen zu komponieren, die nicht nur grossen Ohrwurmcharakter haben, sondern mit Williams‘ Musik eine schöne Einheit bilden – oftmals führt Giacchino von seinen Themen zu Williams‘ Themen direkt über (und vice versa) und das klingt schön „organisch“, ohne dass es Holpern würde. Ein Highlight des Albums – und des Filmmusikjahres 2015 – ist das mitreissende Stück As the Jurassic World Turns. Nach einem ominösen Anfang holt Giacchino zu einem ersten vollorchestralen Statement seines neuen Hauptthemas aus: Blech-Fanfare à la Ottorino Respighi’s letztem Satz aus Pini di Roma (1924), begleitet von toller Perkussion und Chor; einfach mitreissend. Am Ende des Stücks leitet er zu Williams‘ Thema über und sorgt für Gänsehaut. Solch unverschämt optimistische, verspielte und abenteuerlustige Musik ist selten geworden, passt jedoch ausgezeichnet zum Jurassic World-Feeling und wurde in Don Davis‘ Effort für Jurassic Park III (2001) schmerzlich vermisst. Nach diesem Stück folgen Clearly His First Rodeo und Owen you Nothing, wobei Giacchino sogleich mit einer zweiten eingängigen Melodie, vorgetragen auf der Oboe, für den schlitzohrigen Charakter Owen aufwartet. Ein tolles Thema, das man in einer Dinosaurier-Filmmusik nicht erwartet hätte und dem man gerne noch mehr Platz hätte einräumen können.

Nach diesem farbenfrohen Albumauftakt folgt mit Indominus Wrecks das musikalische Porträt des gigantischen Widersachers. Diesen porträtiert Giacchino anfangs eher verhalten, mystisch und gespenstisch, zumal man diesen während längerer Zeit nicht zu Gesicht bekommt, doch sobald das Monster die Kinoleinwand ausfüllt, wird die Musik brachial und tosend. Zu den späteren Action-Highlights zählen Chasing the Dragons, Raptor Your Heart Out und Our Rex Is Bigger Than Yours. Nach dem dissonanten Zwischenspiel Indominus Wrecks klingen mit Gyrosphere of Influence wieder sehr unternehmenslustige und magische Töne für flatternde Flöten an (mit starker Williams-Reminiszenz) und in Pavane for a Dead Apatosaurus übernimmt Melancholie das Zepter.

Weiter erwähnenswert ist der Schluss des Albums: Das Trio Nine to Survival Job, The Park Is Closed und die 12-minütige Jurassic World Suite fassen alle Musikideen nochmals gekonnt zusammen; ein episches Statement von Giacchinos Hauptthema, eine nostalgisch-bittersüsse Klavierversion von Willimas‘ Hauptthema und viel Suspens- und Actionmusik. Dass nach der Suite noch vier weitere Stücke folgen, die in Ton und Stil etwas aus der Reihe tanzen (jedoch nicht schlecht sind), ist merkwürdig. Diese Sequenzierung macht wenig Sinn, doch vermag sie den überaus positiven Gesamteindruck von Jurassic Worldnicht zu trüben. Die dritte fantastische Filmmusik von Michael Giacchino im Jahr 2015!

Basil, 2.7.2015

 

JURASSIC WORLD

Michael Giacchino

Back Lot Music

76:50 / 24 Tracks

 

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*