John Carter

Michael Giacchino hatte ein sehr geschäftiges Jahr 2011. Er vertonte die Spielfilme 50/50, Monte Carlo, Super 8, Cars 2 und Mission: Impossible – Ghost Protocol. Dazwischen schrieb er noch Musik für drei Kurzfeature-Filme, einen TV-Spot und betreute zusammen mit Chris Tilton die dritte Staffel der Fringe-Serie. Ende 2011 begann er dann auch noch mit der Arbeit am neuesten Science-Fiction-Blockbuster John Carter aus dem Hause Disney. Erfreulicherweise hat sich dieses gedrängte Programm nicht negativ auf die Musik ausgewirkt. Mit diesem Potpourri erhielten Filmmusik-Enthusiasten von ihm sehr ruhige, dramatische Klänge, leichte Comedy-Musik und knallharte, epische Action. Seine Musik zu John Carter fällt in letzte Kategorie und ist wirklich eine ganz gelungene Sache geworden. Prägnante, eingängige und sehr schöne Themen ziehen sich durch die gesamte Filmmusik hindurch, für deren Aufnahme er sich einem grossen Sinfonieorchester, Chor und dem Sologesang von Azam Ali (welche bereits an den Soundtracks zu Fight Club (1999), Lara Croft: Tomb Raider (2001) und Prince of Persia: Sands of Time (2011) beteiligt war) bediente.

Der Film basiert auf der äusserst populären Romanvorlage „The Princess of Mars“ (1912) von Edgar Rice Burroughs. Nicht die Geschichte an sich ist wirklich originell, sondern die ganze Welt und Mythologie, die sich Burroughs ausgedacht hat. Diese bringt Regisseur Andrew Stanton denn auch visuell absolut beeindruckend auf die Kinoleinwand. Doch erinnert John Carter inhaltlich und auch vom Setting her an etliche andere Filme wie beispielsweise die Star Wars-Reihe (besonders an die Manegen-Sequenz in Episode 2: Attack of the Clones), Prince of Persia: Sands of Time und Avatar (2009).

In Bezug auf die Filmmusik von Michael Giacchino kann ähnliches gesagt werden. Seine Filmmusik reiht sich irgendwo zwischen der epischen Romantik von Prince of Persia und dem choralen Bombast aus Star Wars und Jerry Goldsmith-Kompositionen ein. Von plagiatischer Annäherung kann jedoch nicht die Rede sein.

Schon im ersten Stück, „A Thern for the Worse“, erklingt ganz zu Beginn ein noch zurückhaltendes Statement des Liebesthemas, bevor die Komposition in eine mysteriöse Atmosphäre einlenkt. Die Action baut auf viel kraftvollen Brasseinsatz und schnelle Streicher-ostinati. Besonders das Liebesthema erhält in den weiteren Minuten etliche Anspielungen, wobei gerade die eher verspielten Variationen zu Beginn in „Get Carter“ und die sehr süss-locker-flockige Klavier- und Walzerversion in „Gravity of the Situation“ sehr schön anzuhören sind.

In „Thark Side of Barsoom“ erhält das Thema des Marsplaneten Barsoom die erste volle Darbietung. Hier übernimmt der Frauenchor eine führende Funktion (später auch wieder unter anderem in „Carter the Come, Carter they Fall“ zu hören).

Stücke wie „The Temple of Issus“ ziehen das Album etwas in die Länge, doch geben sie dem Hörer mit ruhigeren Minuten auch eine Verschnaufpause, was bei diesem Album so manchem wohl auch mal ganz willkommen sein dürfte.

In „Zodanga Happened“ erhält die Sängerin Azam Ali ihren ersten markanten Einsatz, wobei ihre Stimme der Musik einen antiken Einschlag gibt. In „Carter they Come, Carter they Fall“ erklingt auch das Thema für die Prinzessin Dejah in ausgeprägter Form. Dieses und das Liebesthema/Hauptthema der Komposition erklingen in der zweiten Albumhälfte noch einige Male, wobei der sehr gelungene abschliessende 8-minütige Track „John Carter of Mars“ als Konzertsuite sämtliches Themenmaterial nochmals sehr schön zusammenfasst und kraftvoll darbietet.

Das Soundrack-Album bietet mit über 70 Minuten Filmmusik (ohne Songs, nix – was sehr erfreulich ist) sehr viel Musik, die nach erstmaligem Hören wohl etwas erschöpfend sein dürfte. Doch hat Giacchino ein paar wirklich schöne und sehr eingängige Themen für John Carter komponiert, welche einem bereits nach einmaligem Hören kaum mehr aus dem Kopf gehen. Aufgrund des sehr exotisch-fremdländischen Settings hätten eventuell noch ein paar experimentellere Klangkreationen Platz finden können, doch ist das Gesamtpaket, wenn auch eher konventionell in der Ausgestaltung, auch so sehr unterhaltsam, eingängig und relativ schnell zugänglich geworden. Toll!

Basil, 9.3.2012

 

JOHN CARTER

Michael Giacchino

Walt Disney Records

74:14 Min./19 Tracks

 

 

 

 

 

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