I.Q./Seconds

Eine der unmöglichsten Kombinationen hat Lalaland Records mit I.Q./Seconds herausgebracht. Der eine eine 1994er Komödienromanze mit Tim Robbins, Meg Ryan und Walter Matthau (als Albert Einstein), der andere ein mysteriöser Thriller mit Science Fiction Elementen mit Rock Hudson in der Hauptrolle. Weniger als die Kombination der Filme verwundert die Kombination der Scores, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber eines gemeinsam haben: Originialität.

Weiss man, dass Fred Schepisi der Regisseur von I.Q. ist, so kann man sich gut vorstellen, in welche verquere Richtung die Musik gehen dürfte. Goldsmith hat neben dem hier vorliegenden mit Schepisi bei fünf Filmen, The Russia House, Mr. Baseball, Six Degrees of Separation und Fierce Creatures, zusammengearbeitet – und keiner davon hat einen „normalen“ Score erhalten, vielleicht mit Ausnahme von Russia House.

Für I.Q. setzt Goldsmith auf Wolfgang Amadeus Mozarts „Ah! vous dirai-je, Maman”, der in den USA unter “Twinkle, Twinkle Little Star” als Kinderlied populär ist. Für Synthesizer, und mit Instrumentationen, die am besten als an Dennis the Menace erinnernd zu beschreiben sind, taucht dieses Mozart Stück immer und immer wieder auf. Mal ganz klar und deutlich, mal subtiler und versteckt verspielt, mal mit einer Prise Rock’n’Roll gewürzt.

Für die von den Mannen um Einstein “forcierte” Liebesbeziehung zwischen Tim Robbins und Meg Ryan hat Goldsmith ein nettes, kleines 6-Noten Thema geschrieben, das in Ausführung und Orchestration an Scores aus der gleichen Ära wie etwa Rudy erinnert (Wahoo).

I.Q gefällt einem oder man kann nichts damit anfangen (der Mr. Baseball und Dennis the Menace Effekt). Alles ganz nett verpackt, für mich aber ein Goldsmith der Marke “ab ins Regal”, wäre da nicht der zweite Score:

Die Musik zu Seconds (Regie: John Frankenheimer) ist ein ganz anderes Kaliber. Mysteriös und verstörend bahnt sie sich ihren Weg durch die 22 Minuten und kriecht dabei in die Hörgänge, einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassend. Der Film beschreibt eine Firma, die unzufriedenen Mitmenschen anbietet, durch äusserliche Veränderung und Neuplazierung in der Gesellschaft ein neues Leben zu beginnen. Rock Hudson spielt einen dieser “Seconds”, der zunehmend Schwierigkeiten mit seiner neuen Identität bekommt.

Eröffnet wird Seconds mit schweren, ungemein ernsthaft wirkenden und gleichzeitig Ungutes verbreitenden Klängen einer Orgel, die schliesslich in das Hauptthema münden. Main Title ist ein mit seiner ansteigenden Dramaturgie schicksalsschwangeres Stück, das den Ton angibt für das Nachfolgende. Hauptsächlich bedient Goldsmith neben der Orgel, Streicher, Harfe und Klavier. Letzteres gibt in Quiet Isolationein einsames Thema wieder, das die leidenschaftslose Beziehung des Ruck Hudson Charakters zu seiner Frau treffend beschreibt. In Restless Hours nimmt er dieses Thema wieder auf um Hudsons Einsamkeit nach seiner “Transformation” zu beschreiben.

Ein unverkennbares Stilmittel sind die hohen Triller der Violinen, die wir in 39 Lafayette Street erstmals vernehmen. Er verwendet sie in Seconds auch als weiteres Ausdrucksmittel für sein Hauptthema (Rehabilitation/Strange Arivals). Wohl am populärsten hat Goldsmith diese im selben Jahr entstandenen The Blue Max eingesetzt.
Still bringt Goldsmith den Score in End Title zu einem hoffnungslos pessimistischen Ende eines Scores, den man als einen ausgewachsenen The Twilight Zone (die TV Serie) Score bezeichnen könnte. Die Freude am Experimentieren und am Individuellen, die Goldsmith fast seine ganze Karriere begleitete, ist hier bestens zu hören und zu spüren, aber auch die intelligente und sparsame Art was Einsatz im Film (22 Minuten Musik), Temperierung und Instrumentation anbelangt.

Beide Scores wurden mit zwei respektive vier Bonustracks ergänzt, die noch ein paar Sekunden mehr Musik bringen. Ein gutes Booklet mit informativen Liner Notes von Jeff Bond runder die Sache ab.
Ohne Zweifel, danke Seconds, ein weiteres Highlight in Sachen Goldsmith-Veröffentlichungen dieses bemerkenswerten Jahres 2009 für Fans des Komponisten.

Phil, 23.11.2009

I.Q.:

 

Seconds

 

I.Q. / SECONDS

Jerry Goldsmith

Lalaland Records LLLCD 1109

69:13 Min. / 33 Tracks

Limitiert auf 3000 Stk.

 

 

 

 

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