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CD Booklets: The Good, the Bad and the Ugly Print
Das Kreuz mit den CD-Booklets!
 


Kaum eine andere Musikecke als die der Filmmusiksammler wünscht sich ein Booklet, das mehr bietet als nur ein paar Bilder und Namen.
Während Varèse Sarabande über Jahre immer wieder dafür gescholten wurde, die wohl lieblosesten aller CD-„Büchleins“ zu produzieren, gehören mehrseitige, manchmal richtig dicke Begleitbüchlein inzwischen zum guten Ton. Immer? Nicht immer.

Es gibt bessere und schlechtere Textbibeln im CD-Format. Schauen wir uns mal ein paar aktuelle Beispiele an:
 
So soll es sein: FSM und Tribute Film Classics

Ein schönes und beispielhaftes Booklet ist das zur Film Score Monthly CD Time after Time. Als Einleitung bekommen wir hier einen ausführlichen Text von Regisseur Nicholas Meyer über 6 Seiten verteilt geboten. Inhaltlich zum Glück fernab von den immer gleichen, lobgehudelten Dankessagungen von Regisseuren bei einigen aktuellen Filmmusik-Auskopplungen. Meister Spielberg ist dafür eines der wohl bekanntesten Negativ-Beispiele. Meyer lässt es nicht aus sich im Text für seinen Regieerstling selber und auch die Studiopolitik an sich zu kritisieren. Freilich lobt er die Zusammenarbeit, die er mit Rozsa bei Time after Time erfuhr, insbesondere wenn man mit einer eigentlichen Legende zusammenarbeiten darf ist das sicher verständlich.

Infos wie, dass das Studio den Score eigentlich zu altmodisch fand und den damals viel angesagteren Bill Conti als Ersatzmann verpflichten wollte, sind natürlich prächtige Anekdoten, die in solchen Texten nicht fehlen dürfen.

Danach gehen Jeff Bond und Frank K. DeWald auf den Film ein, geben einen kurzen Inhaltsabriss und einige zusätzliche Filminfos. Schliesslich führen sie in die Musik von Rozsa ein und es folgt eine Track-by-Track Abhandlung mit Hinweisen zu den Filmstellen, in denen die Musik eingesetzt wird und kürzere oder längere Ausführungen zur Komposition ohne dem Hörer tief musikwissenschaftliche oder musiktheoretische Texte um die Ohren zu schlagen.

So sollte es eigentlich immer sein. Ein gut geschriebener, gut recherchierter Text, der auch Filmfreaks und Sammlern noch was bieten kann.

Von der gleichen Art sind die fast schon wuchtigen Büchlein von Stromberg/Morgans Tribute Film Classics daher, wo man mitunter Mühe bekundet das einmal herausgenommene Booklet schadfrei wieder in die CD-Hülle zu führen. 32 Seiten dick (und immer noch verfixt klein geschrieben) fallen beispielsweise diejenigen zu Charge of the Light Brigade und The Kentuckian/Williamsburg aus. Man erfährt so einiges über Film, den Komponisten, die Umstände der Komposition und der Neuaufnahme und Ausführungen zu den einzelnen Tracks. Ich liebe diese Booklets und verschlinge sie geradezu.


Besser als nichts? Varèse und Prometheus

Weitaus schlechter machen es zurzeit Varèse oder Prometheus, wobei gerade letzteres Label mit wirklich kurzen, teilweise auch unzulänglich allgemeinen Texten daherkommt und sehr wenig informatives rund um Film und Filmmusik bietet. 6 Textseiten mit grossen Fotos links und rechts, oben/unten, so dass man das Booklet in kaum 2-3 Minuten durch hat. Irgendwie lieblos. Varèse setzt bei seinen Club Editionen ebenfalls eher auf Kürze als auf gut recherchierte und wirklich interessante Informationen. Hier fällt zurzeit insbesondere Julie Krigo auf, deren Liner Notes zwischen schlicht lapidar und ganz okay pendeln. Demgegenüber wird bei scheinbaren Lieblinsprojekten wie der Elmer Bernstein Box (Gangs of New York, Journey of Natty Gann, The Scarlett Letter) auch bei Varèse ein bisschen mehr geboten.


Das Mittelding:

Neu eingeführt hat FSM vor 1-2 Jahren die Möglichkeit Track-by-Track Texte als Textdokument (pdf) herunterzuladen und so an Kosten bei den Booklets zu sparen. The Naked Spur: Classic Western Scores from MGM ist so ein Beispiel, das neue Johnny Mandel Set ein anderes. Das beiliegende Büchlein ist aber im Fall von Naked Spur immer noch 12 Seiten stark und hält immer noch ein paar schöne Texte bereit. Ein Kompromis also, auch wenn ich diese Downloadart von Texten nicht wirklich mag.

Zwischen den wie eingangs beschriebenen, gut ausgeführten FSM Booklets und den schlechteren Beispielen wie von Varèse kommt Intrada zu liegen. Hier erhält man einen Mittelweg und je nach Projekt gibt es auch ein bisschen mehr Text. Insgesamt weniger Infos als bei FSM aber doch noch genügend um ein wenig Lesespass (beim Hören oder auch danach) zu bieten.



Und so ist es nur noch peinlich:


Absolut zum Vergessen sind Beispiele wie die Indiana Jones Soundtrack Collection Box mit massig Bildern und den immer gleichen (kurzen) Texten. Hopps, hopps, schnell gemacht – und man hat dann freilich auch noch einen Grund mehr in 5 Jahren eine neue Edition mit nicht nur more music sondern auch „now with comprehensive liner notes by“ auf den Markt zu schmeissen. Und dann gibt es noch die ganz Schlauen, die zwar Text schreiben, aber es schaffen so zu layouten, dass dunkle Schrift auf dunklen Hintergrund fällt und man zum Lesen nicht nur Sonderlicht sondern auch noch Lupe benötigt. Das geschieht allerdings vermehrt bei der Auflistung der Tracks auf dem Backcover, aber ich glaube wir alle hatten schon kaum leserliche Booklettexte in Händen.


Zu guter Letzt

Übertrieben sind mir persönlich Track-by-Track Analysen in denen Musiktheorie vor allem anderen steht und sich der nicht ganz so gewandte Leser Ostinati, Fugen, Kadenzen, Quinten und anderen Intervallen und ausführlichen Studiengängen ausgesetzt sieht. Das ist aber Geschmackssache und sieht jeder sicher ein bisschen anders.

Es gab vor Jahren ab und an diese grossen Boxen mit überdimensionierten, wunderschön gestalteten Büchlein wie jenes zur Rhino Edition von Ben Hur oder die gleich gross dimensionierte Star Wars Box mit den Filmen 4 bis 6. Solche teuren Editionen sind heute wohl kaum mehr in der Art herzustellen – ausserdem sind sie für uns Sammler immer ein leises Ärgernis weil die Dinger einfach nirgends so richtig Platz haben.

Schlussendlich: Ich erwarte keine top Liner Notes bei aktuellen Filmen, wo alles immer schnell gehen muss um den Kinostart begleiten zu können, bekannterweise die Zeit in der die meisten „normalen“ Filmmusiken abgesetzt werden. Aber bei teureren und limitierten Ausgaben von spezialisierten Labels wie Intrada, Lalaland, Prometheus, FSM etc. darf und sollte man auch einiges erwarten dürfen was die kleinen, schicken Büchlein angeht, in denen wir doch so gerne lesen.


phb
, 20.2.2009

 
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