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Start DVDs 2015: DVD/bluray komprimiert 22 (Spielberg im Viererpack)
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DVD Rezensionen

 

 

 

DVD/bluray komprimiert 22/2015 Spielberg im Viererpack



Gleich mit vier Filmen von Steven Spielberg auf blu-ray ging der Mai zu Ende, für jeden eine Premiere auf dem hochauflösenden Medium und den Rezensenten ein kleines Fest, nicht weil er die Filme noch nie gesehen hätte sondern weil er, ich gestehe es, ein Fan der Spielberg Filme aus den 70ern und anfangs 80er ist und es ein Wiedersehen mit einigen guten, alten Bekannten werden sollte. Der Reihe nach:



Mit Duel gelang Steven Spielberg etwas, was wenige Jungregisseuren vor und nach ihm geschafft haben: Mit gerade mal einigen TV-Episoden in der Tasche (Night Gallery, Marcus Welby M.D., The Psychatrist und einer mit Recht hochgelobten Folge von Columbo) bei denen er sich nach eigenen Angaben ziemlich abgeqäult hat, schaffte er es mit diesem Film über einen unbescholtenen Handlungsreisenden, der mit seinem feuerroten Plymouth Valiant im kalifornischen Hinterland gemütlich unterwegs ist und von einem fiesen Trucker in seinem rostschmutzigen Gefährt drangsaliert wird, ein kleines Meisterwerk hinzulegen. Spannungsaufbau, Spannung halten, gewagte Kameraeinstellungen und Fahrten um die Fahrzeuge, die Toneffekte und nicht zuletzt die Musik von Billy Goldenberg (erst vor kurzem bei Intrada erschienen und hier besprochen) machen aus dem „TV-Movie of the week“ noch heute ein Ereignis und einen der besten Autothriller. Die nachfolgenden TV-Arbeiten Something Evil und Savage kamen an Duel nicht heran und es dauerte noch 3 Jahre, ehe mit Sugarland Express (1974) Spielbergs erster Kinofilm zu Stande kam.
Nach den phänomenalen Ratings und Kritiken wollte Universal Duel in Übersee unbedingt in den Kinos zeigen, dazu musste aber die 70 Minuten Laufzeit gestreckt werden und so wurden einige Szenen wie z.B. jene am Bahnübergang oder das Telefongespräch von David Mann mit seiner Frau nachgedreht. Dem Film tun diese Ergänzungen keinen Abbruch, es wäre aber durchaus spannend gewesen beide Versionen auf der blu-ray zu haben.
Recht ausführlich wird Duel im Bonusteil von Steven Spielberg besprochen, ausserdem ist der 2013 verstorbene Richard Matheson zu sehen.




Der erste fürs Kino inszenierte Film von Steven Spielberg war The Sugarland Express nach einer Story von Spielberg selbst, Matthew Robbins und Hal Barwood, lose basierend auf tatsächlichen Ereignissen eines Ehepaars auf der Flucht. Lou Jean flüchtet mit ihrem Ehemann Clovis aus dem Gefängnis um ihr Kind zurückzuholen, das von der Vormundschaftsbehörde bei Pflegeeltern plaziert wurde. Mit ihrer Geisel, einem Polilzisten und in dessen Streifenwagen, und geschätzten 120 Polizeifahrzeugen im Schlepptau, fahren sie quer durch Texas nach Sugarland.
Diese Mischung aus Road Movie und Drama mit einer Vielzahl an komödiantischen Elementen war für Spielberg eher eine Erweiterung der Fingerübungen, die er mit Duel erproben konnte. Neu für Spielberg war zweifellos mit Stars wie Goldie Hawn umzugehen und dem Studio einen Film abzuliefern, der Geld anstatt Ratings reinholen würde. Optisch sind denn auch einige Parallelen zu Duel zu sehen, während nebst Hawn, die man zuvor eher aus dem seichten Fach kannte (Cactus Flower), ist Ben Johnson als Polizeichef zu sehen, im grossen Reigen der Uniformträger scheinbar der einzig vernünftige Mensch. Sugarland Express ist kein Meisterwerk, das lieferte der junge Filmemacher allerdings nur ein Jahr später mit Jaws ab, aber immerhin ein bemerkenswerter Ertsling.
Neu zum Spielberg Team stiess John Williams, eine Zusammenkunft die seither Filmgeschichte geschrieben hat und zum dauerhaftesten Komponisten/Regisseur Teamwork führen sollte. Leider ist Sugarland Express bisher als Filmmusik unveröffentlicht geblieben, abgesehen von der ein oder anderen Neueinspielung. Es gibt sie also noch, die holy grails.

1/2



Von keinem Speilbergfilm gibt es zwei so unterschiedliche Versionen wie von 1941. Leider kann man das auf dieser blu-ray nur erahnen, die lediglich deleted scenes der Langversion anstatt beide Fassungen zu präsentieren. Nein, nicht dass es wirklich nötig ist von 1941 noch mehr sehen zu müssen, aber wenn schon eine blu-ray Premiere stattfindet, denn schon...!
1941 war als völlig spinnetes Spektakel geplant und wurde von Spielberg auch so ausgeführt, allerdings vollgespickt mit Gags, die nicht wirklich lustig sind, vollgepropft mit Charakteren (gespielt von so manchen, die nicht sonderlich begabt sind) und das visuell und akustisch unheimlich anstrengend ist. Die besten Szenen hat der Film auf dem japanischen U-Boot mit dem Slim Pickens Charakter (der ursprünglich einen wesentlich kleineren Part übernehmen sollte) - die „Where Hollywood?“-Szene mit Toshiro Mifuno ist köstlich. Spielberg fand es allerdings „witziger“ einen Panzer durch eine Farbenfabrik donnern zu lassen oder einen Soldaten mit Gelballergie auszustatten. ha... ha... Ha!
Selten hat sich Spielberg so blatant unerwachsen gezeigt wie hier im Team mit John Milius, Bob Gale und Bob Zemeckis und sieht man sich das sehr ausführliche Making Of an, ist zu erahnen was geschieht wenn ein verwöhntes Kind im Kindergarten tun und lassen kann was es will – „Spielberg 1979“ war nach zwei grossen Hits durchaus in dieser komfortablen Lage. Und so summiert das Ende mit dem Haus, das den Abhang runterkracht den ganzen Film in einer Szene: big, bigger, nicht lustig. Bei all der Abweisung: Nicht auszudenken, wenn aus der während des Drehs mal kurzzeitig angedachten Schnapsidee aus 1941 eine Art Musical zu machen, Realität geworden wäre. Wortwörtlich hat Spielberg hier schon genug Glas zerschlagen, als dass wir auch noch ein Swingmusical hätten ertragen können, oder?
Das mit Abstand beste an 1941 ist die Musik und Freude herrschte, als La-La Land 2011 den Filmscore inklusive dem alten Album herausbrachte.





Der letzte im Reigen der Neuveröffentlichungen ist Always, Spielbergs Hommage an den Spencer Tracy Film A Guy Named Joe (1943). Richad Dreyfuss spielt allerdings keinen Militärpiloten sondern einen „Waldbrandflieger“, der bei einem halsbrecherischen Einsatz ums Leben kommt und als Engel zurückkehrt um seiner grossen Liebe bei der Trauer beistehen zu können. Holly Hunter und Dreyfuss (in einer kleinen Rolle ist Audrey Hepburn zu sehen) sind nebst den tollen Flugsequenzen und Mikael Salomons Kamerarbeit die Höhepunkte eines zuckersüssen Films, der mit Sentimentalitäten und Tränen nicht spart, mir aber immer besser gefallen hat als zum Beispiel Ghost mit Patrick Swayze. Unterhaltsam ist Always allemal.
Eine Seltenheit ist die CD, auf der nicht weniger als sechs Songs und zwei Versionen von „Smoke Gets in Your Eyes“ enthalten sind. Die restlichen 46 Minuten sind für John Williams und einen seiner unbeachtetsten Scores für Spielberg Filme reserviert, was sich auch in der wenig vorhandenen Nachfrage nach einer „expanded“ CD niederschlägt.
1/2

 
phb
, 30.5.2015

 


 
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