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Start DVDs 2015: DVD/bluray komprimiert 21
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DVD Rezensionen

 

 

 

DVD/bluray komprimiert 21 / 2015


Ende Feuer, alles aus. Mit THE HOBBIT: THE BATTLE OF THE FIVE ARMIES ist nun auch das abgeschlossen, was von J.R.R. Tolkien als nicht sonderlich lange Kinderbuchgeschichte geschrieben wurde. Peter Jackson hat dieses auf volle drei Teile gestreckt. Andernorts hier wurde bereits angesprochen, dass es des Guten einfach zuviel ist. Das zeigt sich nun insbesondere in Teil 3, wo man von einem Kampf zum anderen gehetzt und vom Schlachtgetümmel, das den halben Film einnimmt, übersättigt wird während Bilbo von Ruine zu Ruine hüpft und dabei weniger Eindruck hinterlässt als Bard, dem erstaunlich viel Screenzeit gegeben wird. Leider passiert was sich bereits in den ersten beiden Teilen andeutete: Man schert sich keinen Deut um die Charaktere. Wer stirbt, wer lebt, wer kommt, wer geht. Mit derjenigen, die in den ersten 10 Minuten draufgeht, ist auch gleich die interessanteste Figur, der Drache, verschwunden. Was nun? Volle Dröhnung, immer brav auf FSK 12 bzw PG 13 getrimmt. Da rollen die Köpfe aber Blut spritzt keines. Natürlich nimmt der Verleiher auf dem Cover der bluray den Mund richtig voll: Das epische Finale der „Der Hobbit“ Trilogie. Episch ist vielleicht gerade die Länge, wenn es auch der kürzeste aller Middleearth-Filme ist. Okay, ich geb mir Mühe ein paar positive Momente zu finden: Die Zwergenarmee fand ich ganz nett (deren schottischen Anführer allerdings nicht). Cate Blanchett als Elbenkönigen, die ihre Kräfte gegen den aufkeimenden Sauron verpufft. Der ein oder andere Bezug zur Original-Trilogie und wir sehen Gimlis Helm. Das wär's schon. Noch ein Wort zu den Effekten: Ist das wirklich alles was 11 Jahre nach Return of the King und mit einem 250 Mio. Budget machbar ist? Falls ja, dann bitte wieder mehr echte Bauten und als Bösewichte verkleidete Menschen als Dauer-CGI und green screen.
Howard Shore beendet seinen dritten Hobbit wie er ihn angefangen hat. An den Zauber der LOTR Trilogie kommt auch er nicht mehr heran. Zu wenig Neues, zu wenig Spezielles und zu wenig Aufregendes ist in seinem Score zu vernehmen, dazu noch ein käsiger Song zum Abschluss.
Kurzum, Battle of the Five Armies ist der schlechteste der drei Hobbit Filme und ich für meinen Teil bin wirklich froh, dass es nun (hoffentlich) zu Ende ist. Mit Hobbits, Orks und deren Nachahmern.



Woody Allens aktueller Film, MAGIC IN THE MOONLIGHT, versetzt uns in die 20er Jahre und in den zauberhaften Süden Frankreichs. Der Zauberkünstler Stanley Crawford (Colin Firth), der unter seinem chinesischen Pseudonym erfolgreich auftritt, wird von einem Kollegen beauftragt ein Medium zu entlarven. Crawford, Realist und Berufszyniker, hat selbiges zuvor schon etliche Male getan, doch Sophie Baker (Emma Watson) scheint von einer anderen Welt. Nach Paris (Midnight in Paris) und Rom (To Rome with Love) besucht Allen nun die Côte d’Azur und produzierte nach dem recht bissigen Blue Jasmin eine mit hübschen Bildern ausgestattete und einem gut aufgelegten Colin Firth besetzte allerdings ziemlich harm- und fleischlose Geschichte, der es wie den meisten seiner letzten Filme am vielbeschriebenen Woody Allen Humor mit den spitzen Dialogen mangelt. Hoffen wir, dass dem bald 80jährigen der feine Humor nicht abhanden geht.
Wie fast immer bei Woody Allen spielt Filmmusik die dritte Geige, auch hier sind es Songs aus und um der Zeit, in der der Film spielt, die die Tonspur schmücken.





Mathias Gold (Kevin Kline) taucht völlig abgebrannt und mit seinem ganzen Hab und Gut in einer Tasche Platz findend in Paris auf, wo er hofft sein Erbe, ein schmuckes, altes Pariser Haus, antreten zu können. Doch dem Verkauf, den er zur Aufbesserung seines maroden Kontos geplant hat, steht eine ältere Dame (Maggie Smith) im Weg, die das Wohnrecht besitzt und gar mit 2400 Euro im Monat belohnt werden muss.
Regiedebütant Israel Horovitz inszenierte diese nette, kleine Komödie, in der vor allem Kevin Kline und die umtriebige Maggie Smith zu entzücken vermögen. Während Kline sich eher rar gemacht hat, kann man Maggie Smith regelmässig in der britischen Dramaserie Downton Abbey sehen. Schade gleitet MY OLD LADY mit zunehmender Laufzeit vom schwarzhumorigen Kleinod in beinahe tiefdepressive, familiäre Irrungen und Wirrungen ab.
Mark Orton, den man aus dem wundervollen Nebraska kennt, schrieb einen simplen, monothematischen, durchaus passenden Score für das Pariser Triumvirat (Kristin Scott Thomas spielt die Tochter der betagten Dame).

1/2



Ein grossartiger Eddie Redmayne (My Week with Marylin) gibt den am Lou Gehirg Syndrom (einer langsam voranschreitenden Form von ALS) erkrankten Physiker Stephen Hawking in THE THEORY OF EVERYTHING. James Marshs Film umspannt dessen Leben und seine Liebe und Beziehung zu Jane (Felicty Jones) von den frühen Tagen als Student in Cambridge anfangs der 60er Jahre bis nach seinem Erfolg mit „A Brief History of Time“, der Ende der 80er Jahre zum Bestseller wurde. Der Kampf mit der Krankheit, die die Beziehung auf eine harte Probe stellt (sie heirateten als Hawking bereits erkrankt war) ist ein Angelpunkt des Films. Da der Film auf dem biographischen Buch von Jane Hawkings „Traveling to Infinity: My Life with Stephen“ basiert, scheint klar, dass Hawkings Arbeit eher in den Hintergrund tritt. The Theory of Everything ist nicht einfach, manchmal schmerzt er, manchmal entzückt er (vor allem dank den tollen Darstellern) und manchmal beschreibt er Hawkings Lebensfreude in kleinen, fein eingefangenen Momenten.
Die Nomination von Johann Johannson für den Musik-Oscar kam durchaus überraschend, aber nicht unverdient. Seine Komposition ist ein elementarer Bestandteil von The Theory of Everything, die nicht nur wunderbar zum Film passt, sondern auch ins Ohr geht. Ein Versprechen für die Zukunft, wenn er denn die richtigen Projekte kriegt.





Antoine Fuqua ist ein Achterbahnfahrer. Auf geniales wie Training Day folgte seichtes wie Tears of the Sun und King Arthur. In THE EQUALIZER kommt es zu einem erneuten Aufeinandertreffen mit Denzel Washington, dessen bad cop in Training Day einer der fiesesten Charaktere der 2000er war. Washington spielt hier einen Einzelgänger, der seine geheimnisvolle Vergangenheit hinter sich gelassen hat, seiner Lektüre und die Schlaflogsigkeit bekämpfenden nächtlichen Kaffeebesuchen fröhnt und als einfacher Lagerarbeiter arbeitet. Doch fiese Russengangster, die sich an einer jungen Frau vergreifen, kochen versteckte und verdrängte „Fähigkeiten“ wieder auf. Lose auf der gleichnamigen 80er Jahre TV-Serie mit Edward Woodward basierend (Fans mögen sich sicherlich an die Titelmusik von The Police-Mitglied Stewart Copeland erinnern) ist der Film ein hyperspannender, düsterer Actionthriller mit einem prächtigen Washington - einer der wenigen einer inzwischen doch auch schon älteren Garde Schauspieler, der regelmässig tolle Leistungen abzurufen versteht -, inszeniert mit sicherer Hand und bestechend fotografiert von Mauro Fiore (Avatar). Harry Gergson-Williams ist im Genre längst kein Unbekannter mehr, ausserhalb vom Film muss man die Musik aber nicht wirklich haben. Nichts Neues im Westen ist das musikalische Fazit. Fuqua übrigens arbeitet derzeit an Vorbereitungen für ein Remake von The Magnificent Seven... ähm.

 

 
phb
, 3.5.2015

 


 
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