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Start DVDs 2014: DVD/bluray komprimiert 14
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DVD Rezensionen

 

 

 

DVD/bluray komprimiert 14/2014


 

The Hobbit: The Desolation of Smaug **** schafft was nicht allzu viele Sequels hinkriegen: Er ist besser als Teil 1 (Ausnahmen wie The Empire Strikes Back oder The Dark Knight bestätigen bekanntlich die Regel). Mitunter könnte es, möchte man böswillig sein, auch daran liegen, dass Peter Jackson Radagasts Auftritt auf ein Minimum beschränkt, mit ihm hat sich der Filmemacher im ersten Hobbit fast einen Jar Jar Bink'schen Ausrutscher geleistet.
Die rund 150 Minuten gehen temporeich, unterhaltend und spannend rum, es bleiben fantastische Eindrücke wie die des Drachen Smaug und, ja, sogar der ein oder andere neue Charakter wie die neu erfundene Waldelfin Tauriel (was für uns Männer!) in Erinnerung. Sicher hat auch The Desolation of Smaug den ein oder anderen Schwachpunkt. Im krassen Gegensatz zu Smaug sehen wir CGI Effekte, die nur mässig gelungen ist; die stets präsenten overhead-runterfahr-durchs-Fenster-rein-Kamerafahrten können ganz schön nerven; der Pfeil aus dem Nichts wird bei Dauerwiederholung zur Routine und die Liebesgeschichte zwischen Tauriel und Kili ist überflüssig wie ein Kropf. Weit erfreulicher kommt Paul Freeman als Bilbo rüber, dessen Leinwandzeit jedoch gegenüber An Unexpected Journey spürbar abgenommen hat - und trotz elektronischer Verfremdung ist David Cumberbatchs Stimme als Smaug ein kleines Ereignis für sich. Fans streiten sich nach wie vor, ob Jacksons zusätzliche Charaktere und Storylines gelungen oder misslungen sind. Fast einig sind sich demgegenüber die Filmmusikliebhaber, dass Howard Shore hier ein feinerer Score gelungen sei als zu Teil 1, auch wenn ich das Misty Mountain Thema vermisse.



In All is Lost *** (Universal/DVD) hat Robert Redford die gesamte Bühne für sich. Er spielt einen Segler, dessen Boot mit einem im Meer dümpelten Schiffscontainer zusammenstösst. Das Leck kann er zwar behelfsmässig flicken, doch die See zeigt sich unerbittlich und ein heftiger Sturm lässt den Segler in seinem Notfallfloss zurück. Nach Tom Hanks in Captain Phillips ein weiterer grosser Star in einem „Seeabenteuer“. All is Lost ist allerdings ein anderes, weitaus zurückhaltenderes Kaliber: Kaum Text und ein einzelner Darsteller. Das sind die Spezialitäten von All is Lost, der sonst eher mau bleibt. Weder kommt wirklich Spannung auf, noch schafft es J.C. Chandor (der den hervorragenden Margin Call inszeniert hat) ein Gefühl der Isolation oder Hoffnungslosigkeit zu schaffen.
Alex Eberts erste Arbeit an einem Spielfilm bleibt zum Glück im Hintergrund, immerhin könnte man in All is Lost durchaus ganz auf Musik zu verzichten.




Jobs ***1/2 (Impuls/DVD) ist Steve Jobs, Gründer von Apple und bis kurz vor seinem Tod treibendes Glied hinter dem Konzern, der unter ihm zu einer der reichsten Firmen der Welt aufstieg. Der Film erzählt von den ersten Schritten als Kleinstbetrieb in einer Garage bis zu den ersten grossen Ups und Downs von Apple und er zeigt einen Steve Jobs, wie wir ihn so vielleicht auch aus Dokus noch nicht kannten. Ashton Kutcher spielt Jobs ganz anständig, was man von ihm nicht unbedingt erwartet hätte, ausserdem sind in kleineren Rollen dieses durchaus vergnüglichen, wenn auch nicht tiefgründigen Porträts Matthew Modine, James Woods und kaum wiederzuerkennen Lukas Haas (Witness) als früher Weggefährte des Computerhirns zu sehen. John Debney schreibt einen nicht weniger amüsanten, manchmal gefühlvoll sentimentalen (und etwas an James Horner erinnernden) Score, der bei Lala-Land erschienen ist.



Als Stand-up guy wird ein Kerl bezeichnet, auf den Verlass ist. In Stand Up Guys**1/2 ( /DVD) sind das Al Pacino, Christopher Walken und Alan Arkin, die in die Jahre gekommene Ganoven spielen. Val wird nach 28 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Doc, sein bester Freund, der Val vor dem Gefängnis erwartet, soll ihn umbringen, weil Val damals den Sohn eines Syndikatbosses umgelegt hat. Doch Doc hat damit seine liebe Mühe und so ziehen die beiden durch ihr altes Quartier und versuchen in aller Kürze das nachzuholen, was beide und ihr Kumpel Hirsch in den vergangenen Jahren verpasst haben.
Fisher Stevens‘ Film ist ein netter Altherrenabend mit einem gelungenen Auftritt von Christopher Walken. Doch wie einst zwischen Al Pacino und Robert DeNiro im misslungenen Righteous Kill stimmt die Chemie zwischen den Mimen nur bedingt. Kommt noch dazu, dass Stevens Film oft nett aber nie packend ist und die Alten durchgehend über das Altsein und die vergangene Jugendzeit sinnieren. Es bleibt ein gut gemeinter, aber nur halbgarer Film mit eigentlich guten Schauspielern, deren Potential aber nur Scheibchenweise ausgekostet wird. Musikalisch springt man zumeist von Song zu Song, weder Lyle Workmans Score noch Bon Jovis Arbeit waren für mich erhörbar.



Das fröhliche Aufwärmen von Filmklassikern geht weiter. 27 Jahre nach dem Erfolg mit Carrie (Fox/bluray) hat es Brian DePalmas Filmgrusler getroffen, es war dies allerdings nicht das erste Remake: Schon 1999 entstand Carrie in Neubesetzung, wenn auch nur für die TV-Stuben. Unter Regisseurin Kimberly Pierce (Boys Don’t Cry) spielen Julianne Moore (als böse Mama) und in der Rolle der Schweineblut getränkten Carrie Chloë Grace Moretz (Hugo, Kick-Ass 2), wobei man hier nicht weiss was Pierce genau beabsichtigte: Kopie oder Neuauslegung?
Anders als damals Pino Donaggio einem grösseren Publikum auch nach Nicolas Roegs Don't Look Now noch nicht so bekannt war, steht Marco Beltrami längst auf der A-Liste der Filmkomponisten – unlängst vertonte er mit Thing bereits ein (P)remake. Selbst das eher enttäuschende Abschneiden an den Kinokassen verhinderte bei Carrie für einmal keine CD-Veröffentlichung, dies gar gleich zweimal, einmal als Songcompilation und einmal als Scoreauszug (bei Sony Classical).



Wenn wir schon dabei sind: Eines der unnötigsten Remakes (ob es eben doch alle sind, lassen wir mal dahingestellt) dürfte Rob Luries Straw Dogs*1/2 (DVD) sein. Nein, die DVD ist nicht neu, der Film dennoch abschreckend. Kultig ist Peckinpahs Original von 1971, Dustin Hoffmans Darstellung als ducksmäuseriger Intellektueller, Peckinpahs Alkohol-(und andere)Exzesse, die beinahe zum Filmabbruch führten, aber auch Jerry Fieldings feine Musik.
Nun sollen James Marsden und Kate Bosworth in den Hauptrollen, nein, nicht gegen urwürchsige Bewohner Cornwalls sondern gegen Hinterwäldler in Mississippi bestehen. Anstatt Mathematiker ist er nun Drehbuchschreiber, anstatt Dorfschönheit ist sie Wuschel schwingende Ex-Footballteamanfeuerin. Anstatt athmosphärisch klaustrophobische Umsetzung, herz- und gedankenlos abgelichtete 25$ Mio. Produktion. 1 Schritt vor, 5 zurück...!


 
phb
, 14.4.2014

 


 
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