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Hollywood in Vienna 2013
 

Live aus dem Großen Saal des Wiener Konzerthauses
Galanacht der Filmmusik 2013 (3.+4. Oktober)
HOLLYWOOD IN VIENNA – ON TO NEW WORLDS & THE WORLD OF JAMES HORNER


ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Chor: Neue Wiener Stimmen
Dirigent: David Newman

 

Zum bereits sechsten Mal veranstaltete das Team um Frau Dr. Sandra Tomek am Freitag, den 4. Oktober 2013 im Großen Saal des Wiener Konzerthauses um 19:30 Uhr die Galanacht der Filmmusik: HOLLYWOOD IN VIENNA.

In den letzten Jahren hat diese Veranstaltung immer mehr an Publikumsinteresse dazugewonnen und daher war das Galakonzert bereits nach wenigen Wochen ausverkauft und weil es sich die vorherigen Jahre schon bewährte, hat man noch weitere Karten für ein Zusatzkonzert/Vorpremiere verkauft.

Diesmal wurden wahrscheinlich wegen James Horner noch einmal die magischen und fantastischen Welten zum Thema des Abends. Wie in den letzten Jahren moderierte den Abend für das Konzerthauspublikum wieder in Deutsch und Englisch der Schauspieler Gedeon Burkhard.

Der Beginn der ersten Hälfte des Konzerts mit der
„Hollywood in Vienna Fanfare“ von Max Steiner und Bruce Broughton hat mittlerweile auch schon Tradition. Gemäß dem Motto ON TO NEW WORLDS bildete eine kräftige und ausdruckstarke Fanfare, nämlich das Prelude von Gottfried Huppertzs Filmmusik zu METROPOLIS, einem der ersten monumentalen Science Fiction Filme, den der Wiener Fritz Lang inszeniert hat, zugleich den Auftakt für eine Reihe weiterer Themen zu Science Fiction Filmen.

Bei Steve Bramsons (bekannt u.a. für seine Scores zu TV Serien wie J.A.G.; YOUNG INDIANA JONES CHRONICLES; THE NINE; etc.) SPACE MOUNTAIN
DE LA TERRE A LA LUNE handelte es sich genau genommen zwar nicht um Filmmusik, sondern um Musik zu einer Attraktion von Disney World Paris. Die sehr schöne und dynamische Musik, die hier zum ersten Mal im Konzertsaal und abseits des Disney Parks zu hören war, katapultierte die Zuseher aus dem Konzertsaal auf zu neuen Welten, dorthin, „wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist“.

Am Ende der Kurszstreckengrenze wurden die Konzertbesucher gebeten umzusteigen zur Linie U.S.S. Enterprise in Fahrtrichtung Zentrum der Galaxie sowie zur U.S.S. Voyager zum nächsten Halt: Erdraumbahnhof und Richtung orbitales Spacedock. Die Wiener Linien wünschten eine faszinierende Reise und baten die Fahrgäste ihren Sitzplatz außerirdischen Personen zu überlassen, wenn diese ihn notwendiger brauchen und vergaßen auch nicht darauf hinzuweisen, dass der Ausstieg links, rechts, oben, unten, unten, vorne und hinten sei.

Die abwechslungsreiche STAR TREK
Suite begann mit Alexander Courages Thema aus der TV Serie STAR TREK (Raumschiff Enterprise), welches nahtlos in Goldsmiths Bearbeitung aus STAR TREK – THE MOTION PICTURE überging und sich anschließend zum Thema aus STAR TREK VOYAGER wandelte. Danach erklang Leonard Rosenmans Bearbeitung aus STAR TREK IV - THE VOYAGE HOME um überzugehen in Cliff Eidelmans Version aus STAR TREK VI – THE UNDISCOVERED COUNTRY und abschließend dann mit Michael Giacchinos lauter und hektischer Musik zum neuesten Film STAR TREK: INTO DARKNESS zu enden. Das Arrangement stammte von Erich Hoffman, Sandra Tomek und Natalia Villanueva Garcia, die Ende 2012 einen neuen Wiener Filmmusikklangkörper, das Max Steiner Orchester, neu gründete.

Etwas ruhiger und beschaulicher wurde es dann mit Michael Nymans unterschätzten, aber wunderbaren
Departure Thema aus Andrew Nichols SF Drama GATTACA und John Williams’s „Where Dreams Are Made“ aus Steven Spielbergs A.I. – ARTIFICIAL INTELLIGENCE, das eine Weltpremiere auf einer Konzertbühne feierte. Die anmutende Frauenstimme, die einsam und verträumt über dem Klangkörper aus Streichern und Harfe schwebte gehörte der bezaubernden Opernsängerin Ildikó Raimondi.

Den Abschluss dieses hervorragenden ersten Teils bildete David Arnolds heroisch-epische Musik zu INDEPENDANCE DAY. Leider hat bei der fulminant gespielten Darbietung sogar der eiserne Vorhang des Konzertsaals (bildlich gesehen) Schaden genommen…



Ebenfalls schon traditionell, widmete sich der zweite Teil des Abends - nach einer Pause – der Musik des diesjährigen Max Steiner Preisträgers: James Horner. Mit mehr als 130 Scores zu Film- & TV-Produktionen, darunter Dutzende, die zu den erfolgreichsten Filmen der letzten 2-3 Jahrzehnten gehörten und nicht wenige im Science Fiction Genre, wie z.B. STAR TTREK II und III, ALIENS, APOLLO 13, AVATAR, BRAINSTORM, WILLOW, THE AMAZING SPIDER MAN, aber auch bodenständigeres wie A BEAUTIFUL MIND, BRAVEHEART, LEGENDS OF THE FALL; TROY u.v.a. Neben 2 Academy Awards und 2 Golden Globes erhielt er noch 7 weitere Oscar und 3 BAFTA Nominierungen, 8 Golden Globe Nominierungen und 6 Grammy Awards.

THE WORLD OF JAMES HORNER begann – so wie der erste Teil ebenfalls mit einer Fanfare, nämlich der
Universal Fanfare. Zum 75-jährigen Bestehen der Universal Studios wurde Horner 1987 gebeten diese zu komponieren. Im Gegensatz zu anderen ist diese eher ruhig und atmosphärisch angelegt und schmiegt sich so sehr gut weltüberspanned über das Logo dieses Filmstudios.

Passend zur STAR TREK Suite aus dem ersten Teil, wurde mit STAR TREK: THE WRATH OF KHAN auch einer der beiden (und meines Erachtens auch besten) Scores, die James Horner für diese Filmserie geschrieben hat meisterlich vom RSO dargeboten. Vom Saalsprecher wurde es sehr gut zusammengefasst was die Zuhörer im zweiten Teil erwartete:


Space – Sound – Music – The Final Frontiers: These are the continuing voyages of James Horner. His ongoing mission to explore strange new worlds, to seekout new forms of sound and new civilizations to boldly go where no man has gone before.


Das nachfolgende, ruhige, verträumt, melodische Thema aus BRAVEHEART symbolisierte den Aufbruch des Schottischen Unabhängigkeitswillens in eine neue Welt der Freiheit und bot die Möglichkeit des Ausruhens und Schwelgens mit dem Klang des Dudelsacks (gespielt von Geza Frank – leider etwas zu spät dem Orchester beigetreten, aber es ist nicht ganz so einfach mit diesem Instrument auf den Taktschlag (des Dirigenten) genau einzusetzen und es fiel wahrscheinlich den meisten gar nicht so recht auf) bevor es schwungvoll mit dem James Horner Medley weiterging.
Zum Auftakt dieser abwechslungsreichen Suite gab es das vorantreibende Thema aus WILLOW. Von der Welt der Fantasy ging es dann in die inneren Weiten des Schizophrenen John Nash aus A BEAUTIFUL MIND um dann mit APOLLO 13 zum Mond aufzubrechen und die ALIENS zu bekämpfen. Danach erklang spanisch/mexikanisches Kolorit für den legendären Maskenträger ZORRO und zum Ende noch ein heroisches Thema aus ROCKETEER.
Das Arrangement stammte von Erich Hoffman, Sandra Tomek und Natalia Villanueva Garcia.

Mit dem anschließenden Song
„Somewhere Out There“ aus AN AMERICAN TAIL (Feivel der Mauswanderer) verdeutlicht James Horner, dass familiäre Verbundenheit jede noch so große räumliche Distanz überwindet. Die Stimme der hübschen kanadischen Sängerin Deborah Cox kam sehr nahe an die im Original von Linda Ronstadt interpretierte Fassung heran. Obwohl ihr Duett-Partner und Klavierbegleiter, der amerikanische Sänger, Songwriter, Komponist und Texter Jeremy Schonfeld durchaus begeistern konnte, kam er leider nicht ganz an die tief bewegende Stimme von James Ingram heran.

Ein wirkliches Highlight (neben dem Abschluss des ersten Teils) bildete die Weltpremiere der AVATAR Suite arrangiert von Victor Pesavento. Hier zeigte das ORF Radiosymphonie Orchester Wien, das für diesen Abend um eine beachtliche Schlagzeugsektion erweitert worden war, seine volle Klasse! Dieser sehr emotionale, exotische, trotzdem großorchestrale Score mit üppiger Streichersektion – obwohl James Cameron Horner auftrug „no violins“ zu verwenden -, verschiedene ethnische Flöten (darunter Penny Whistle gespielt von Geza Frank), viel Blech(bläser) und afrikanisch anmutende Chorpassagen in der eigens für den Film geschaffenen Na’vie Sprache erfrischend und mit jugendlicher Begeisterung dargeboten vom Chor der „Neue Wiener Stimmen“, deren volltönende Stimmen sich wirklich gut gegen die brachiale Gewalt des RSO behaupten konnten!

Das wunderschön romantische und elegische
The Ludlows aus LEGENDS OF THE FALL war in der Programmübersicht zwar nicht angegeben, aber es sollte auf keinen Fall unerwähnt bleiben!

Einen weiteren Höhepunkt dieses Abends brachte natürlich die vom Komponisten selbst zusammengestellte TITANIC
Suite! James Horner präsentiert hier einige der schönsten, berührendsten und auch ausdruckvollsten Themen, wie gleich zu Beginn das romantische Hymn tot he Sea interpretiert von der wunderbaren Sopranstimme Ildikó Raimondis. Mit an Bord war diesmal wieder der Klang des Dudelsacks (gespielt von Geza Frank). Der rhythmische Chor der „Neue Wiener Stimmen“ begleitete danach das majestätische Schiff beim Auslaufen aus Southhampton mit dem Thema Take Her to the Sea, Mr. Murdoch. Das Publikum war so begeistert, dass es sowohl bei der (Vor-)Premiere, als auch bei der Gala schon vor dem Ende des Stücks zu klatschen begann.

Zu Beginn der anschließenden Preisverleihung erzählte Frau Dr. Sandra Tomek über James Horners Vater, Harry Horner, der im Wien der 20er Jahre als Bühnenbildner am Theater in der Josefstadt und den Salzburger Festspielen tätig war, bevor er mit Max Reinhardt in den 30er Jahren nach Hollywood aufgebrochen ist um dort neue Welten als Set Designer (ebenfalls Oscar prämiert) zu erforschen. Die Laudatio hielt die (ehemalige) Wiener Vizebürgermeisterin und Stadträtin Magistra Renate Brauner in der sie James Horner voller Stolz als „Vienna’s famous grandson/Wiens berühmten Enkelsohn“ bezeichnete. Während James Horner das Podium zur Entgegennahme des Preises betrat, spielte das Orchester im Hintergrund die
End Titles aus THE AMAZING SPIDERMAN, welches im Programm(-heft) als Abschluss angegeben worden war.

Der sichtlich gerührte und zutiefst bewegte James Horner bedankte sich mit einer rührenden Dankesrede („Danke sehr. Danke schön. Vielen Dank. Mein Deutsch ist sehr schlecht. Verzeihen Sie mir. Ich werde in englisch sprechen…“). Er fand es sehr schön, dass dies das erste Mal in seinem Leben war, dass er – im Gegensatz zu den Oscar-Evenings und anderen Preisverleihungen – schon von Beginn an wusste, dass er gewinnen würde. Er bedankte sich auch zutiefst beim Orchester für die großartige Darbietung dieses Abends. Für ihn war es einer der unvergesslichsten Tage in seinem Leben und zum Schluss fehlten ihm einfach die Worte. Frenetischer Applaus und Standing Ovations waren die Reaktion des Publikums.

Als Abschluss dieses wundervollen Abends präsentierte das Duo Deborah Cox & Jeremy Schonfeld noch einen weiteren Song aus Horners OEuvre, nämlich
„If We Hold on Together“ aus LAND BEFORE TIME.
Deborah Cox betrat die Bühne zu Beginn nicht direkt, sondern von einem Seiteneingang des Parketts und defilierte während sie sang vorbei an den prominenten Gästen (wobei sie James Horners Hand schüttelte) zur Bühne.

Traditionell war als Encore auch dieses Mal Max Steiners Suite aus GONE WITH THE WIND wieder zu hören.



In diesem Jahr durfte ich das mit Abstand beste Konzert in dieser Reihe genießen!
Die Wahl der Scores war hervorragend, obwohl ich vielleicht beim
James Horner Medley eine etwas andere Auswahl getroffen hätte. Auch wenn mir ROCKETEER sehr gut gefällt, hätte ich es wahrscheinlich durch einen anderen Titel ersetzt wie z.B. COCOON, GLORY oder KRULL, denn ROCKETEER war schon mal in einem früheren Programm vertreten.
Sehr gut fand ich, dass diesmal nicht die TITANIC Ballade gesungen wurde, sondern einer meiner Lieblingssongs von James Horner nämlich
„Somewhere Out There“ aus AN AMERICAN TAIL.
Das ORF Radiosymphonie Orchester spielte diesmal wirklich kraftvoll und unglaublich gut unter dem versierten Dirigat von David Newman.
Am Gala-Abend hatte ich die Möglichkeit direkt über der beeindruckenden Schlagzeug-Sektion, um die das Orchester erweitert worden war, zu sitzen und die Musiker bei der Arbeit zu beobachten.
Interessanterweise war auch diesmal zu bemerken/hören, dass die Musiker bei der (Vor-)Premiere etwas schneller gespielt haben, als am Gala-Abend (naja das Thema von WILLOW war auch da meines Erachtens etwas zu schnell).
Eine erstaunliche Wandlung hat der Chor der „Neue Wiener Stimmen“ durchlaufen. Beim Konzert im letzten Jahr war der Chor im Vergleich zum Orchester kaum zu hören, aber diesmal haben die SängerInnen, die zwischen 16 und 26 Jahre alt sind und aus verschiedenen Heimat- und Bundesländern kommen und an verschiedenen Wiener Schulen studieren, sich mit Bravour gegen die stürmische Gewalt des Orchesters mit jugendlicher Begeisterung durchgesetzt.

Die bildliche Umsetzung während der einzelnen Stücke erfolgte bis dato immer über eine Leinwand, die über den Musikern in Höhe der Orgel hing, aber diesmal wurden die Bilder direkt auf die freien Flächen zwischen den Säulen projiziert. Das hatte - nach einer anfänglichen Gewöhnungsphase - aber auch seinen Reiz und einige amüsante Gags auf Lager, wie z.B. ein über Wien seine Schatten werfendes Raumschiff aus ID 4 oder ein demolierter eiserner Vorhang des Konzerthauses nach der fantastischen INDEPENDANCE DAY
Suite waren durchaus einen Blick wert. Witzig auch wenn Mel Gibson das Mädchen küsst und eine Säule des Konzerthauses im Weg ist. Was ich anfangs nicht so optimal fand, bekam so (unfreiwillig) einen gewissen komödiantischen Unterhaltungswert.

Einen winziger kleiner Wermutstropfen war, dass James Horner nicht ein einziges seiner Stücke dirigiert oder am Klavier begleitet hat, wie das bei den Vorgängern der Fall war, aber nachdem er so wunderschöne Melodien für diesen herrlichen Abend geschrieben hat, sei ihm das verziehen… ;-)

Ein paar Tage nach dem Konzert (am Sonntag, den 6. Oktober 2013 von 19:30 bis 21:30 Uhr) brachte der ORF in seinem Kultur Radiosender Ö1 einen Mitschnitt des gesamten Konzerts mit sehr informativen Begleittexten vor den einzelnen Scores präsentiert von Marlene Schnedl. Die Laudatio von Sandra Tomek und Renate Brauner wurde im Radio von Marlene Schnedl übernommen. Horners Dankesrede wurde jedoch – im Gegensatz zur TV-Ausstrahlung – hier vollständig gebracht. Bravo! So sollte der ORF öfter Filmmusik präsentieren!


Etwa eine Woche später, am Freitag den 11.Oktober 2013 war auf dem (Kultur-)TV-Sender ORF III ab 22:20 Uhr eine Videoaufzeichnung des Konzerts zu sehen. Im Anschluss daran noch ein Porträt von Eric(h) Zeisel und dann noch einmal das Konzert aus dem Vorjahr mit dem damaligen Preisträger Lalo Schifrin. Eigentlich habe ich auf Grund von Erfahrungen aus der Vergangenheit nicht sehr viel von dieser TV Ausstrahlung erwartet, aber ich wurde positiv überrascht!
Diesmal wurde lediglich die Präsentation von Gedeon Burkhard weggelassen und die Dankesrede von James Horner ganz leicht gekürzt. Obwohl ich im Konzertsaal die Ansagen von Gedeon Burkhard durchaus schätze, sind sie im TV nicht unbedingt nötig, weil die einzelnen Scores und Suiten untertitelt werden können und das auch durchaus mehr Sinn macht.
Das musikalische Programm konnte so gänzlich ausgestrahlt werden und es musste nicht – so wie im Vorjahr - ein wesentlicher Teil des Konzerts bei der Übertragung gestrichen werden.

 
em, 2.12.2013
 
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