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DVD Rezensionen

TINKER TAILOR SOLDIER SPY

R: Tomas Alfredson

D: Gary Oldman, Colin Firth, Mark Strong, John Hurt, Benedict Cumberbatch uva.

Musik: Alberto Iglesias

Verleih: Ascot Elite

 

 

 

Inhalt: Stocksteif und gewieft, dieser George Smiley (Gary Oldman). 1973 holt der britische Geheimdienst MI6 Smiley aus der zu früh erteilten Pensionierung zurück – es gibt ein verräterisches Leck in den eigenen Reihen, Smiley soll aufklären. Sein Ex-Vorgesetzter Control (John Hurt, freue mich seit Alien immer, dass alles wirklich nur gespielt war), verdächtigt den durch ihn selbst in Folter geratenen Agent Jim Prideaux (Mark Strong) – heute scheinbar als Internatslehrer arbeitend. Bei Smileys Ermittlungen ist auch Assistent Guillam (Benedict Cumberbatch) involviert, der im Circus (wie die Spione ihre Bunker-Zentrale bezeichnen) spannend Akten mitgehen lässt. Wie beim Schach-Duell agieren Menschen, gesteuert von Geheimhaltung und Pflicht.

Kritik: Atmosphärisch ist er, Schauspieler- und Ausstattungs-Film: Tinker Tailor Soldier Spy. Man spürt, so arbeiten wohl Geheimdienste im wahren Leben – wer bedingungslos krachende 007-Abenteuer liebt ist hier definitiv falsch. Romanvorlage stammt von John le Carré (The Russia House). Das präzise Uhrwerk-Ensemble, um Gary Oldman herum, aus Bürokraten, Politikern und Vollstreckern – sehenswert. Biedere Anzugträger lamentieren über Etats, kein hitziger Action-Stress durch flimmernde Citys, nirgends mondäne Casinos. Endlich ein Agenten-Film, der das Hightech-Zeitalter noch vor sich hat – da knattern Fernschreiber, rotieren Magnet-Tonbänder, bimmeln solide Telefone mit Nudelkabel. Fast schon elegisch, einige Dialogszenen – immer wieder von Flashbacks durchzogen. Mit über 2 Stunden Laufzeit einen Tick zu voluminös, dieser 3x Oscar-nominierte (Hauptdarsteller, adaptiertes Drehbuch, Musik) Old-fashion-Spionage-Thriller. Der Look vom reaktivierten MI6-Spion George Smiley: Grau, dunkle Hornbrille, langsame Bewegungen, kein Haudrauf, fast ohne Miene. Smiley, im Stillen permanent Menschen manipulierend, ist ein Ex-Spion, der wiedergeholt wird, zum Umgraben. Wer sonst? Oldmans trist-geniales Spiel wirkt durch jahrzehntelange Agentenarbeit verbittert, äußerst zielstrebig und leise. Als Nachbar möchte man den nicht – jedenfalls dann nicht, sollte Smiley irgendetwas gegen einen verwenden können. In Hannibal einst unter schrecklicher Maske verborgen, setzt Oldman hier neue Maßstäbe. Wundervolles Story-Detail: Maulwurfaufspürer George Smiley spendiert sich schärfere Brillengläser und neues Gestell, für das Akribische – zurück im alten Job. DVD-Extras: Audiokommentar Regisseur Tomas Alfredson, Gary Oldman. Features „Smiley“, „Circus“, „Schattenwelt“, „John le Carré“ bieten kurze Einblicke in das Handeln realer Spione – dazu gute Cast- und Regie-Statements. 5x Deleted Scenes (Favoriten: „Bürobotin vor Greenscreen“, „Smiley brät ein Spiegelei – mit Schürze, Salz, Pfeffer und Krähe“).

Musik: Alberto Iglesias, 7x Goya-Preisträger, hat bereits öfter mit Julio Médem und Pedro Almodóvar zusammengearbeitet, auch für Oliver Stone, Steven Soderbergh und Marc Forster war Iglesias als Komponist am Werk. Die Klänge aus Tinker Tailor Soldier Spy sind die Leisen, natürlich angepasst der realistischen, geflüsterten Geheimdienstwelt. Es ist müßig, ja doch: Jerry Goldsmith hatte einst für The Russia House so unerreichbar vorgelegt – mir fehlt das.

 
Bewertungen

Film:

Musik im Film
Extras:

 
ms
, 30.6.2013

 


 
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