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DVD Rezensionen

TOTAL RECALL (2012)

R: Len Wiseman

D: Colin Farrell, Kate Beckinsale, Jessica Biel u.a.

Musik: Harry Gergson-Williams

Verleih: Walt Disney Pictures
(für CH)

 

 

 

 

Douglas Quaids Leben als Fliessbandarbeiter (um Polizeiroboter zu bauen reist er jeweils quer durch den Erdkern) ist langweilig. Am aufregendsten ist ein wiederkehrender Traum, der ihn jeweils aus dem Schlaf schrecken lässt, ganz zum Missfallen seiner Frau Lori. Also geht Quaid zur Hirnmanipulationsfirma Rekall, die damit werben, ihren Klienten eine Fantasiewelt zu garantieren. Kaum da, erschiesst Quaid eine ganze Truppe Spezialpolizisten. Wie und wieso er das tat, weiss er allerdings nicht... Auch seine Frau Lori hat er irgendwie anders in Erinnerung gehabt.


Total Recall anno 2012 wird in die Reihe misslungenster Remakes aller Zeiten eingehen, obwohl der Film technisch und Spezialeffekte mässig alles bietet, was Hollywood in Sachen Action heute – allerdings allzu häufig – hergibt. Der Film ist laut, schnell geschnitten, voll mit CGI, unmöglichen Stunts und Schiessereien. Ein richtiges Männermovie also, dafür sorgen auch die beiden höchst attraktiven Haupdarstellerinnen Kate Beckinsale und Jessica Biel. Für die Frauenquote sorgt immerhin Colin Farrell („Wollen wir heute Total Recall schauen?“ „Och nö, wieder so ein Knallbummfilm! Wer spielt denn mit?“ „Colin Farrell!“ „Ou ja!!!“). Damit sind wir gleich bei einem Punkt, die für „schlechtesten Film des Jahres“ sprechen: Die Darsteller. Langweilig! Beckinsale ist eine krasse Fehlbesetzung als doppelbödige Lori. Farrell setzt gar oft sein Alexander-Gesicht auf und Bryan Canston, den man als Vater aus Malcolm – Mitten drin kennt, schliesst sich Beckinsale vorbehaltlos an.

Punkt 2: Die Story bleibt in der Knall- und Schnittorgie stecken. Ab etwa Minute 20 fliegen einem die Kugeln buchstäblich nur so um die Ohren. Das spannende Hin und Her von Verhoevens Original, bis man selber nicht mehr weiss ob man nun träumt oder nicht, geht dem remake eigentlich völlig ab. Auch fehlen Witz und Ironie, etwas was Verhoevens Version zusätzlich abhebt – und sich gerade deshalb auch nicht so Ernst nimmt. Immerhin gibt es die ein oder andere Referenz an Verhoevens Film.

Punkt 3: Der Look! Klar, es ist eine Philip K. Dick Story und vielleicht sollte man deshalb die Ähnlichkeiten von Bauten, Häusern, engen Strassenschluchten in asiatischem Desgin, Dauerregen und Plastikmäntel, wie man sie aus
Blade Runner kennt, nicht allzu eng sehen. Originell jedenfalls ist es nicht.

Punkt 4: Die Umsetzung ist schlicht und einfach öde (weil von Anfang an zu ambitioniert?). Ja, wir wissen es spätestens seit
Underworld, Kate Beckinsale kann aus mind. 20m Freifall locker abfedern. Und seit Matrix kennen wir bis ins hinterste Detail choreografierte Kampfszenen und Schusswechsel zur Genüge. Total Recall 2012 ist farblos, uninteressant und trotz Spektakel merkwürdig unspektakulär. Aber an diesem Umstand kranken viele Actionfilme.

Punkt 5: Die Musik. 22 Jahre zuvor hat Jerry Goldsmith mit
Total Recall einen seiner markantesten Actionscores komponiert, Goldsmith beschrieb damals die Arbeit als eine seiner aufwändigsten überhaupt und er beschloss sogar sich ein kleines Timeout von Action, Spezialeffekten und 7/8 Takten zu nehmen. Wir wissen, dass diese aktionsbedingte Schaffenspause nicht allzu lange dauerte, obwohl kleinere Filme wie Love Field oder Angie folgen sollten. Aber schliesslich, wenn auch einige Jahre nach Total Recall, hinterliess er wieder kräftige Fussstapfen im Actiongefilde mit Filmen wie The River Wild, Executive Decision, Air Force One & Co.

Für das Remake wurde Harry Gergson-Williams angeheuert, durchaus kein Unbekannter im Actiongefilde und mit einer festen Fanbase versehen. Sein Score ist aber, Gregson-Williams Fans mögen es mir nachsehen, ohne Umschweife eines der grössten Ärgernisse des Films. Konstantes bumm-bumm über unaufhörliche Actionszenen gelegt. Es fängt mit der ersten an und hört mit der letzten auf. Das heute übergebrauchte wall-to-wall scoring, das sich durchwegs zum Sounddesign und fast untrennlich von der Tonspur entwickelt hat - dramaturgisch ist es so gut wie bewegungslos, eine musikalische Entwicklung ist kaum festzustellen. Nichts markantes, nichts bleibendes und sicher nicht originell. Vielleicht kann man dem Komponisten zu Gute halten gleich wenig inspiriert wie der Cast gewesen zu sein ob dem was
Underworld Regisseur Len Wiseman hier auf die Beine gestellt hat? Der Score zu Total Recall 2012 jedenfalls lässt mich sprachlos zurück, nicht aber aus Begeisterung.

Harry Gregson-Williams alleine die Schuld zu geben, wäre sicher nicht korrekt. Er befindet sich in einem System, das in Blockbustern mit ganz wenigen Ausnahmen, weder Neuerungen noch Rückbesinnungen und schon gar nicht weniger ist mehr zulässt. Gut möglich, dass sich das wieder ändern wird. Abzusehen ist es leider noch nicht.


Bleibt noch festzuhalten, dass die angekündigten 20 Minuten extra des Director's Cut ein ziemlicher faux-pas sind, denn in der Tat sind es nur etwa 12 Minuten mehr Film. Es bleiben zwar ein paar Verschnaufpausen, den Film macht es aber für einmal nicht besser.

 
Bewertungen

Film:

Musik im Film
1/2
Extras:
Technisch: 
 Bild:1/2
 Ton: 

 
phb
, 6.1.2013

 


 
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