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Buster Keaton: The General
The General: DVDs, bluray, CDs
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Ein Film und seine Scores
von Andi Süess


Als Buster Keaton im Jahre 1926 The General dreht, ist er auf dem Höhepunkt seiner prosperierenden Filmkarriere und gehört zusammen mit Charles Chaplin und Harold Lloyd zum grossen Dreigestirn der Stummfilm-Komiker Hollywoods. 1917 von Roscoe «Fatty» Arbuckle entdeckt, beginnt Keaton bereits drei Jahre später, eigene Kurzfilme zu drehen, bei denen er nicht nur als Schauspieler, sondern als Co-Regisseur, Co-Autor und Editor auch hinter der Kamera äusserst kreativ und innovativ tätig ist. Sein Schaffen besticht durch technische Gimmicks, für damals zuweilen schon beachtliche Kameratricks, unorthodoxe, imaginative, manchmal fast surrealistische Erzählweisen und natürlich die von ihm selbst ausgeführten, virtuosen und halsbrecherischen Stunts, durch die er sich ‒ obwohl von Kindsbeinen an gestählt durch wilde Vaudeville-Auftritte der Keaton-Familie ‒ so manche Blessur einhandelt.

Seine grössten Triumphe feiert Keaton ab 1923, als er beginnt, Langfilme zu drehen, darunter auch heute noch hoch angesehene Klassiker wie Our Hospitality, Sherlock Jr., The Navigator oder Seven Chances. Angestachelt von diesen Erfolgen, nimmt er mit The General schliesslich seine ambitionierteste, kostenträchtigste Produktion in Angriff. Das auf einer wahren Begebenheit (dem sogenannten «Andrews-Überfall») beruhende Bürgerkriegs-Epos verschlingt das Mehrfache eines üblichen Keaton-Films; dafür verantwortlich ist ‒ nebst dem Einsatz von bis zu sechs, zum Teil mobilen Kameras, dem grossen Aufgebot von Komparsen und zahlreichen unvorhergesehenen Un- und Zwischenfällen ‒ zur Hauptsache die Zerstörung eines echten Dampfrosses, das man von einer brennenden Brücke stürzen lässt. Diese Sequenz gilt als die teuerste, die je für einen Stummfilm gedreht wurde, und die Lokomotive bleibt danach noch jahrelang als Touristenattraktion im Flussbett liegen.

Trotz des enormen Aufwandes findet der Film weder bei Publikum noch bei Kritik nennenswerten Anklang und fährt einen grossen Verlust ein. Damit beginnt der berufliche und private Niedergang des Buster Keaton. Obwohl er mit Steamboat Bill Jr. nach wie vor seine aussergewöhnliche Klasse demonstriert, wird er von seinem Produzenten und Schwager Joseph M. Schenck 1928 an MGM «veräussert», wo er sich zwar vor allem in The Cameraman nochmals profilieren kann, aber spätestens nach dem Aufkommen des Tonfilms zum bemitleidenswerten Pausenclown deklassiert wird. Immerhin kriegt er ab Mitte der Dreissigerjahre dank einer Reihe Kurzfilme von Educational Films und Columbia so einigermassen wieder die Kurve und kommt im weiteren Verlauf seiner Karriere noch in den Genuss einer Handvoll würdevoller Auftritte, so zum Beispiel in Chaplins Limelight, in Wilders Sunset Boulevard und in seinem Schwanengesang A Funny Thing Happened on the Way to the Forum.

Aus heutiger Sicht erinnert man sich vor allem an den Buster Keaton auf der Höhe seines Könnens. Wiederentdeckt wird er von Cineasten freilich schon in den Fünfzigerjahren, und nun widerfährt auch The General die ihm zustehende Wertschätzung. Ganz unschuldig an diesem Umstand ist Keaton indes nicht, ist es doch genau dieser Film, der ihm so sehr am Herzen liegt, den er als ersten in einer restaurierten Fassung zur Wiederaufführung bringt. Heute ist dessen Status längst gefestigt, er taucht regelmässig in Bestenlisten auf und wird allgemein als das anerkannt, was er ist: ein zeitloses Stück amerikanischen Kulturgutes von einem der wahren Genies der Filmgeschichte.


Der tapfere kleine Lokomotivführer

Im Leben von Johnnie Gray gibt es zwei Lieben: seine Lokomotive namens General und Annabelle Lee. Beide kommen ihm abhanden, als der amerikanische Bürgerkrieg ausbricht. Da er nicht eingezogen wird, weil er als Lokführer dem Süden dienlicher ist (was dem armen Kerl allerdings nicht gesagt wird), hält ihn sein Mädel für feige und wendet sich von ihm ab, und der General wird von als Zivilisten ins Feindesland eindringende Unionssoldaten geklaut, die den Zug dafür verwenden wollen, während der Rückfahrt in die eigenen Reihen die Versorgungslinien der Konförderierten zu kappen. Weil sich Annabelle Lee im denkbar ungünstigsten Moment im Gepäckwagen befindet, wird sie kurzerhand mit entführt.

Entschlossen nimmt Johnnie im Alleingang die Verfolgung auf und heftet sich, zunächst mit Draisine und Fahrrad, dann mit einer Lokomotive an die Fersen der dreisten Diebe und lässt sich trotz deren unermüdlichen Versuchen, ihn loszuwerden, nicht abschütteln. In der darauffolgenden, stürmischen Nacht bricht er durchnässt und hungrig in ein Haus ein, das sich als Kommandozentrale der Blauen entpuppt. Unter einem Tisch versteckt, kriegt er Wind von ihrem hinterhältigen Plan und stellt ausserdem ‒ von ihrer Gefangenschaft nichts ahnend ‒ verblüfft fest, dass sich Annabelle Lee unter dem selben Dach befindet. Er befreit sie im Schutz von Nacht und Regen und bemächtigt sich anderntags auch des Generals, worauf er nun seinerseits zum Gejagten wird und nichts unversucht lässt, sich seiner Widersacher zu entledigen, was ihm schliesslich mit dem Abfackeln einer Eisenbahnbrücke auch gelingt. Noch gerade rechtzeitig kann er die Grauen vor einem Überraschungsangriff der feindlichen Truppen warnen, und es kommt zum grossen Gefecht, wo Johnnie zunächst zwar nicht viel Kompetenz an den Tag legt, dann aber doch das Zepter in die Hand nimmt, die Schlacht zu Gunsten seiner Jungs entscheidet und tatsächlich zum Helden mutiert. Nun bekommt er doch noch seine Uniform und damit auch Annabelle Lee zurück.

Das auch heute noch absolut Erstaunliche an The General ist die ungeheure Präzision, mit der die Verfolgungsjagden choreografiert sind (Lokomotiven stoppen punktgenau vor auf den Geleisen liegenden Hindernissen, eine hinter Buster herfahrende Kanone trifft seine Lok nur deshalb nicht, weil diese just im Augenblick des Abfeuerns in eine Kurve geht), und die traumwandlerische Sicherheit, mit der Keaton auf fahrende Züge auf- oder von ihnen abspringt und sich auf ihnen bewegt. Trotz ernster Zwischentöne ist der Film voller Situationskomik, und Keaton kratzt nicht nur am Lack militärischen Ansehens, sondern weist mit kleinen Seitenhieben auch auf die damals noch strikte Geschlechtertrennung hin: frau ist am heimischen Herd nützlicher als auf dem Führerstand einer Lokomotive. Und auch wenn «Stoneface» Keaton wie gewohnt keine Miene verzieht, sind vor allem in diesem Film seine Körpersprache und das Spiel seiner Augen sehr aufschlussreich.


Musik für einen General

Was man sich bei einigen Streifen vor allem der neueren Zeit manchmal sehnlichst wünscht, nämlich eine passendere Musik (Beispiele will ich hier keine nennen), ist bei Stummfilmen problemlos möglich, da viele der bekannteren Werke im Laufe der Jahre immer mal wieder restauriert werden und dabei alle möglichen neuen Scores verpasst kriegen. Wenn man den Stellenwert eines Filmes anhand der Anzahl seiner Musiken bewerten will, dann ist es um The General auch hier sehr gut bestellt. Wie viele es schlussendlich bislang sind, lässt sich wohl schwer abschätzen, aber anhand einiger in den letzten Jahrzehnten vorgenommenen Restaurationen, die auf auf Blu-ray und DVD erhältlich sind, hat man Zugang zu einigen der bekanntesten, die ich im Folgenden, ohne sie zu bewerten, kurz vorstellen will. Auch wenn meine Präferenzen bei Carl Davis und Joe Hisaishi liegen, haben alle, da jeder einzelne andere Akzente setzt, durchaus ihren Reiz.




Lee Erwin

Lee Erwin (1908‒2000) kommt als Kino-Organist vermutlich schon früh in Berührung mit Buster Keaton, studiert ab 1930 Musik in Frankreich und arbeitet nach seiner Rückkehr in die USA über 30 Jahre lang für Radio und TV. Als er 1967 den Auftrag bekommt, für Queen Kelly eine Orgelmusik zu schreiben, kehrt er zu seinen Wurzeln zurück und verpasst fortan über 100 Stummfilmen ‒ darunter sämtliche Buster Keatons dieser Gattung ‒ neue Vertonungen. Dabei belässt er es jedoch bei Sketchen, damit er bei Live-Aufführungen improvisieren kann. Auch unterlässt er es tunlichst, auf Zitate oder musikalische Klischees der 1920er-Jahre zurückzugreifen, da er dies als respektlos gegenüber den Filmen empfindet.

Auf einer Kino-Orgel in der Carnegie Hall New York eingespielt, wiederspiegelt Erwins Musik für The General diese Philosophie, indem er es strikt vermeidet, die in Filmen über den Sezessionskrieg gerne eingesetzten, bekannten Weisen zu verwenden und sich stattdessen vollumfänglich auf eigene Ideen zu stützen. Schon allein des Orgelklangs wegen haftet seinem Score einiges an Bedeutungsschwere und Seriosität an, und zuweilen werden auch ein wenig düstere Stimmungen heraufbeschworen. Lautmalerisch werden fahrende Züge oder Telegrafentöne beschrieben, in wiederkehrenden Themen sind Militärsignale und amouröse Gefühle zu vernehmen, und gegen Ende wird zu einer Hymne angesetzt. Im Rahmen der Möglichkeiten seines Instrumentes schlägt Erwin aber auch schon mal humorvollere Töne an und übt sich, wo angebracht, in Zurückhaltung.

Für viele heutige Ohren wahrscheinlich gewöhnungsbedürftig, handelt es sich bei dieser Musik um die authentischste der hier vorgestellten und vermittelt ein wenig von der Atmosphäre, die damals in den Lichtspielhäusern geherrscht hat.


William P. Perry

Der 1930 in Elmira, New York geborene William P. Perry ist vielseitig tätig, schreibt neben Konzertwerken und Musicals auch Filmmusik (leider wenig bekannt, da kaum Veröffentlichungen existieren; es gibt jedoch eine empfehlenswerte, 2008 bei Naxos erschienene CD mit Suiten zu sechs Mark-Twain-Verfilmungen, die in den 1980er-Jahren fürs Fernsehen gedreht wurden), und während 12 Jahren erstellte er sowohl Orchester- als auch Piano-Scores für die Stummfilmsammlung des Museum of Modern Art in New York.

So wird eine 1970 erstellte Fassung von The General von Perry am Piano begleitet. Das passende Ambiente verbreitet er bereits im Titelvorspann mit dem nostalgischen Hauptthema, gefolgt vom Liebesthema in Form eines schwungvollen Walzers. Den Kriegsausbruch verkündet er mit dem Signaturmarsch des Südens, Dixie, setzt aber diesbezüglich auch eine eigene, energievolle Kreation ein. Daneben kommen auch noch andere Märsche und Songs zu Gehör, die man gemeinhin mit dem Sezessionskrieg verbindet, und Perry spielt sie zum Teil fragmentarisch, zum Teil fantasievoll verarbeitet.

Auch bei den Verfolgungsszenen kommen Hauptthema und Dixie mit ins Spiel; hier passt sich Perry subtil Temposchwankungen und Geschehnissen des Films an. Nach der Befreiung von Annabelle Lee bekommt das Liebesthema in hübschen Verarbeitungen vermehrt prominente Auftritte. Des weiteren greift Perry zwischendurch zwar zu mickey mousing, hält sich dabei aber an ein absolut vertretbares Minimum.

Stummfilm und Piano ist natürlich ebenfalls eine klassische Kombination, und in Perry hat Buster Keaton einen aufmerksamen Begleiter, der in seinem liebevollen Score den Geist des Films vorzüglich einzufangen versteht.


Robert Israel

Egal ob Chaplin, Keaton, Laurel & Hardy oder Lloyd, wenn es darum geht, den Filmen dieser unvergessenen Komiker neues musikalisches Leben einzuhauchen, ist der 1963 in Los Angeles geborene Robert Israel ein sehr gefragter Mann, und er rückt jeweils mit eigenem Orchester zu Aufnahmesessions oder Liveauftritten an. Da er bei Filmeinspielungen manchmal Verstärkung hinzuzieht, ist sein Ensemble vermutlich nicht allzu gross besetzt; dem Klangvolumen nach zu urteilen, kommt der 1995 entstandene Score zu The General wohl ohne jegliche Schützenhilfe aus.

Im Gegensatz zu Erwin hat Israel überhaupt kein Problem damit, sich für seine Filmmusiken im reichen Fundus von Schlagern, Märschen und Klassik zu bedienen, und da er in den General-Credits lediglich als Arrangeur und Dirigent genannt wird, kann man davon ausgehen, dass ‒ auch wenn ich längst nicht alle Bestandteile zuordnen kann ‒ in diesem Score so gut wie nichts aus seiner eigenen Feder stammt. Natürlich macht er ausgiebig Gebrauch von Vertrautem wie Dixie, Swanee River, Old Kentucky Home (auch das Liebesthema scheint von diesem Lied inspiriert), When Johnny Comes Marching Home oder Bonnie Blue Flag. Vermitteln in den ersten Minuten Streicher, Holzbläser, Trompete und Posaune noch nostalgisches, beschauliches Südstaaten-Feeling, nimmt die Musik während der Zugsverfolgungsjagden ordentlich Fahrt auf, es blitzen Marschrhythmen auf, aber dank leichter, teilweise kammermusikalischer Instrumentierung verfällt die Musik nie ins Bombastische. Der nächtliche Regen wird von Klavierarpeggios begleitet, beim grossen Gefecht ist die Verwendung von Rossinis Semiramide zumindest fragwürdig, und die Siegesparade wird nochmals gesäumt von patriotischem Nord- und Südstaatenliedgut. Auch Israel setzt zuweilen auf mickey mousing, aber wie Perry in einem gesunden Mass.

Israels Beitrag ist handwerklich solide, abwechslungsreich und stets unterhaltsam, aber ein wenig mehr Originalität hätte ihm ohne Frage nicht geschadet.


Carl Davis

Der Grand Seigneur in Sachen Neuvertonungen von Stummfilmen ist zweifellos der 1936 in Brooklyn geborene Carl Davis, der seit bald 50 Jahren im Geschäft ist und nebst unzähligen zeitgenössischen Scores auch einige der ganz grossen Stummfilmklassiker wie Griffiths Intolerance, Niblos Ben Hur und Gances Napoleon zu Buche stehen hat. Und im Internet findet man einige Indizien dafür, dass von allen Musiken zu The General seine die beliebteste ist.

1987 mit dem Thames Silents Orchestra für Thames Television aufgenommen, haben wir es hier mit einer grösser angelegten Musik als den bisher vorgestellten zu tun. Im noblen, eingänglichen Hauptthema greift Davis gleich zwei Hauptaspekte des Films auf: Eisenbahnen und Krieg. Das gemütliche Südstaaten-Ambiente wird durch barocke Klänge und eine Solo-Mundharmonika heraufbeschworen. Die Mundharmonika bestreitet auch das Liebesthema, das bei Davis nebst Nostalgie etwas tragischere Züge annimmt als bei den anderen Komponisten.

Wenn zu den Waffen gerufen wird, sind nebst Militärsignalen auch bei Davis die traditionellen Truppenmotivations-Stücke ‒ allen voran Dixie ‒ nicht weit, aber er erweist sich in deren Verarbeitung geschickter als beispielsweise Israel, sehr hübsch ist etwa die Kombination von Hauptthema und Bonnie Blue Flag bei der finalen Siegesparade. Das Hauptthema wird dramaturgisch überzeugend auch in die Untermalung der Eisenbahnszenen eingebunden. Für den Brückenbrand entfacht Davis ein wirkungsvolles orchestrales Feuer, und die Gefechtszenen werden, mit Einbezug von Hauptthema und Bürgerkriegsballaden, dynamisch und suspensevoll unterlegt.

Interessanterweise ist Rossini auch bei Davis kurz ein Thema ‒ in diesem Fall Wilhelm Tell ‒ aber es handelt sich mehr um eine abgewandelte Anspielung als um ein 1:1-Zitat. Auch gibt es in dieser Fassung des Films ein paar Soundeffekte, die aber wohl nicht auf Davis' Mist gewachsen sind, und die sich glücklicherweise auf ein paar wenige Schussgeräusche beschränken.

Die Lorbeeren, die Davis zuteil werden, sind nicht unbegründet, denn in der Tat hat er dank seiner Routine einen handwerklich tadellosen, thematisch und dramaturgisch exquisit aufgebauten Score komponiert, und dies mit dem steten Gedanken im Hinterkopf, der Leichtigkeit des Films Rechnung zu tragen.


Joe Hisaishi


Der 1950 in Nagano geborene Joe Hisaishi gehört zu den populärsten japanischen Filmkomponisten und ist der Rookie unter den hier vertretenen Stummfilmspezialisten. 2004 erhielt er den Auftrag, für den in Frankreich frisch restaurierten Le Mécano de la General eine neue Musik zu schreiben, und auch wenn ich irgendwo im Netz gelesen habe, dass sie unpassend sei, kann ich diese Auffassung ‒ obwohl ich beim von mir sehr geschätzten Hisaishi etwas voreingenommen sein mag ‒ überhaupt nicht teilen. Gewiss, hie und da ist sein Faible fürs Frankophile offensichtlich, und gelegentlich schleichen sich fernöstliche Harmonien in den Score ein, aber vom Ansatz her ist diese Stummfilmmusik erfrischend anders und wirkt überhaupt nicht deplatziert. Hisaishi ist neben Lee Erwin auch der einzige, der keine Fremdkompositionen verwendet.

In Sachen Orchesterstärke bietet Hisaishi Carl Davis mit dem Tokyo City Philharmonic Orchestra Paroli, ausserdem übernimmt er den nicht ganz unwichtigen Klavierpart gleich selbst. Das Hauptthema kommt im Dreivierteltakt daher und zeigt sich ein wenig belastet von einem gewissen Schostakowitsch-Walzer, das wehmütige Liebesthema wird vorwiegend Solo-Violine und -Klavier anvertraut. Marschrhythmen, Militärsignale, aber auch verspielte Holzbläser künden vom Krieg, Tempo-, Takt- und Dynamikwechsel halten bei den Verfolgungsszenen das Interesse wach. Pizzicato-Streicher sorgen für augenzwinkernde Auflockerung, eine pastorale Morgenstimmung mit imitierem Vogelgesang lenkt kurz vom hektischen Geschehen ab, und während der finalen Schlacht wechselt Hisaishi in den passenden Momenten von Dramatik zu Humor.

Wenn denn ein Element nicht ganz passend scheint, dann höchstens das über die Schlusstitel gelegte, auf dem Hauptthema basierende Chanson The Ballade of Annabelle and Johnny (entgegen seines Titels mit einem französischen Text von Georges Moustaki versehen), dem die tiefe, rauchige Stimme von Schauspielerin Anna Mouglalis eine gehörige Portion Melancholie verleiht. Aber auch das ist schlussendlich Ansichtssache.

Für einen Genre-Neuling ist Hisaishi eine höchst vergnügliche, stimmungsvolle und sympathische Musik gelungen, ausserdem beweist er ein gutes Gespür für die Bedürfnisse des Stummfilms. Was mich betrifft, darf er gern noch ein paar mehr vertonen.

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