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Hollywood in Vienna 2012 Print
 

Live aus dem Grossen Saal des Wiener Konzerthauses
Galanacht der Filmmusik 2012
HOLLYWOOD IN VIENNA – Thrilling Moments

ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Dirigent: David Newman

von
Erwin Maidl

 
 

Am Montag, den 22. Oktober 2012 gab es zum fünften Mal im Großen Saal des Wiener Konzerthauses um 19:30 Uhr die Galanacht der Filmmusik: HOLLYWOOD IN VIENNA.

Während es für die Vorpremiere am Sonntag, den 21. Oktober 2012 noch vereinzelt Karten gab, so war der Haupttermin auch diesmal schon einige Monate vorher ausverkauft.

Wurden bis jetzt die magischen oder andere fantastische Momente thematisiert, kamen dieses Jahr die eher bodenständigen „Thrilling Moments“ zur schaurig schönen Ehre. Wahrscheinlich auch deshalb, weil es sich sehr gut mit dem heurigen Max Steiner Preisträger Lalo Schifrin verbinden liess. Eine Neuerung war heuer ein kurzer Mafia Vorspannfilm mit der Organisatorin Frau Dr. Sandra Tomek im Stil der Dick & Doof, Keystone Cops, bzw. Harold Lloyd Kurzfilme, in dem darauf hingewiesen wurde die Mobiltelefone aus- bzw. auf stumm zu schalten und dass wegen des speziellen Themas an diesem Abend Waffen jeglicher Art ausdrücklich untersagt und an der Garderobe abzugeben sind – inklusive bellenden Hündchen. Meines Erachtens im Ansatz ganz witzig, aber etwas zu lang und auch ein wenig zu übertrieben.

So wie bei dem allseits bekannten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker hat auch hier bereits eine gewisse Kontinuität eingesetzt. Unter anderem wurde die Moderation des Abends wieder wie gewohnt in Deutsch und (gut klingendem) Englisch vom Schauspieler Gedeon Burkhard dargeboten. Ein weiteres Deja Vu war der Beginn der ersten Hälfte des Konzerts mit der
„Hollywood in Vienna Fanfare“ von Max Steiner und Bruce Broughton.

Mit seinem typischen Akzent gab Erich von Stroheim den „Action“ Einsatz zu einem Medley aus Billy Wilders SUNSET BOULEVARD von Franz Waxman, dem bezaubernden Thema aus LAURA von David Raksin und schlussendlich Miklos Rozsas Musik zu SPELLBOUND. Danach folgte ein musikalischer Ausflug ins Wien der Nachkriegszeit. Das (Zither-)Thema von Anton Karas zu THE THIRD MAN war im orchestralen Gewand zwar für mich etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus hörenswert.

Mit Nino Rotas ebenfalls weltbekannter Melodie zu „Der Pate“ – THE GODFATHER – ging es dann musikalisch wieder zurück in die USA und zwar nach New York. Bei einem Filmmusikkonzert mit dem Thema „Thrilling Moments“ darf ein Klassiker, wie Bernard Herrmanns PSYCHO auf keinen Fall fehlen! Das RSO unter Dirigent David Newman spielt live zu den Bildern des Films den
„Main Title“ und natürlich die berühmte „Duschszene“. Im Gegensatz zu vielen Konzerten wurde hierbei die Geschwindigkeit für diese etwa 50 Sekunden lange Sequenz wirklich den Bildern perfekt angepasst.

Nach so viel mörderischer Spannung brachte dann Jerry Goldsmiths Musik zu BASIC INSTINCT sexuelle (Ent-)Spannung in den Wiener Konzertsaal. Während Ennio Morricones
„Main Title“ zu THE UNTOUCHBLES sich noch ganz gut in das Sujet des Abends einreihte, so unverständlich war mir die Entscheidung für ONCE UPON A TIME IN THE WEST und THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY in dieses Themenprogramm aufzunehmen, obwohl die Stimme der Sopranistin Natalia Ushakova für mich die beiden Stücke zum Highlight des ersten Teils des Abends machte! Der heuer erstmalig eingesetzte Chor der Neue Wiener Stimmen kam dabei aber nicht ganz so gut zur Geltung.

Die anschließende Suite aus David Arnolds JAMES BOND – CASINO ROYALE widmete sich danach wieder ganz dem Thema und feierte dabei auch noch das 50-Jahr-Jubiläum der James Bond Reihe. Den etwas ungewohnten Abschluss des ersten Teils bildete Hans Zimmers „traumhafte“ Musik zu INCEPTION, in dem der (E-Gitarrist) Conrad Schrenk – wie schon bei der Bond Suite – dieses Mal sehr plakativ im Vordergrund als Solist zum Vorschein kam. In dieser Orchesterfassung ist mir die Musik weitaus auffälliger zu Bewusstsein gekommen und hat mir auch besser gefallen als damals im Film.

Nach einer Pause begann der zweite Teil des Konzertabends, der ein Tribute an den diesjährigen Max Steiner Preisträger Lalo Schifrin sein sollte. Zu Beginn wurde in einer „fingierten“ ORF Nachrichtensendung ZIB (Zeit im Bild) im Zeitgeist der 70er darauf hingewiesen, dass sich der (Filmmusik-)Komponist Lalo Schifrin mit der Concorde im Anflug auf den Flughafen Wien(-Schwechat) befindet. Das RSO nahm aufbrausend Fahrt auf, um die Concorde beschwingt durch die Lüfte zu begleiten.

Als einen weiteren Höhepunkt dieses Abends bzw. des zweiten Teils des Konzerts konnte man sicher das Medley aus den Filmen DIRTY HARRY, BULLIT, COOL HAND LUKE und ENTER THE DRAGON bezeichnen, mit dem das grandios spielende Orchester die Konzertteilnehmer auf eine Reise durch die Straßen von San Francisco, Florida und Hongkong mitnahm und eine tolle Fusion zwischen Jazz und Symphonik herstellte. Anschliessend legten Orchester und Dirigent musikalisch alle Karten auf den Tisch und präsentierten, unterstützt durch den wirklich sehr guten Pianisten
Frantisek Jánoska, eine Suite aus dem Film CINCINNATI KID.

Bevor der bekannte Jazz Sänger Al Jarreau den Titelsong
“That Night” aus dem Film THE FOX in seiner (typischen) Art interpretierte bedankte er sich noch bei Lalo Schifrin für die zauberhafte Melodie, die er in der Vergangenheit schon immer gerne gesungen hat. Nach dem “Main Title” und Musik aus der „Pilot Episode“ von MISSION IMPOSSIBLE – wieder mal virtuos am Klavier von Frantisek Jánoska begleitet - wurde der 4. Max Steiner Film Music Achievement Award an Lalo Schifrin vergeben. Die Laudatoren waren die Organisatorin Frau Dr. Sandra Tomek, der US Botschafter in Wien William Eacho und als Vertreterin der Stadt Wien die TV Moderatorin Elisabeth Vitouch. Lalo Schifrin bedankte sich überschwenglich bei den Organisatoren und beim (Wiener) Konzertpublikum, dass sie so musikalisch und auch so sehr an Musik interessiert sind. Im Anschluss daran spielte Lalo Schifrin selbst am Klavier sein Thema zur TV Serie MANNIX.

Danach sang Al Jarreau als eine Art Zugabe noch den Song
„We’re in this Love Together“ zusammen mit den Background-Sänger/inne(n) – Monica, Andie & Maria. Obwohl zwar gut gesungen und wunderbar begleitet vom RSO, hatte meines Erachtens der Song weder mit Filmmusik, noch mit Lalo Schifrin bzw. dem Konzertthema etwas zu tun… Zum bereits fünften Mal erklang am Ende Max Steiners Suite aus GONE WITH THE WIND als Encore.


Noch ein paar persönliche Worte meinerseits zum diesjährigen Konzert: Generell war es eines der besten Konzerte aus dieser Reihe, obwohl ich bezüglich des Themas und auch auf Grund von Lalo Schifrins jazziger Musik anfangs etwas skeptisch war, ob mir diese Mischung wirklich gefallen könnte. Die Vorpremiere am Sonntag (21. Oktober 2012, 19:30 Uhr) war meines Erachtens etwas zu schnell gespielt vom Orchester. Mir kam es beinahe so vor, als ob das RSO – vielleicht aus Angst vor den „Thrilling Moments“ – so schnell wie möglich davongaloppieren wollte… ;-) Bei der Gala am Montag war das Tempo dann viel angepasster und gemächlicher.

Etwas enttäuscht war ich jedoch von der TV Ausstrahlung am Sonntag, den 28. Oktober 2012 um 20:15 Uhr auf (dem neuen (ORF-/Kultur-Kanal) Österreich III – Wiederholung am Samstag, den 3. November 2012 um 10:50 Uhr. Am ärgerlichsten fand ich dabei die Änderung der Reihenfolge bei der TV Ausstrahlung! Der erste Teil des Konzerts folgte musikalisch noch dem Programm bis zu Morricones ONCE UPON A TIME IN THE WEST und THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY. Statt der JAMES BOND Suite und der Musik aus INCEPTION, die erst ganz am Schluss der TV Übertragung in umgekehrter Reihenfolge arrangiert wurden, kam ohne (ZIB) Intro gleich Lalo Schifrins
AIRPORT: CONCORDE zu Gehör. Zu meinem großen Bedauern hatte man das sehr dynamische Medley mit Musik aus den Filmen DIRTY HARRY, BULLIT, COOL HAND LUKE und ENTER THE DRAGON – welches ein essentieller Höhepunk des zweiten Teils des Konzerts war – ersatzlos gestrichen! Die Reden der Laudatoren wurden für die TV Fassung ebenfalls sehr stark beschnitten.

Ein wirklich witziger Gag während der
MISSION IMPOSSIBLE Präsentation, der auf der Leinwand über dem Orchester zu sehen war, wurde leider kurz vor der Pointe ausgeblendet. Während des Konzerts konnte man beobachten wie sich das Feuer an einer Zündschnur durch Wiens Innenstadt bis zum Wiener Konzerthaus entlang schlängelte und dann im Konzerthaus kurz vor der Tür des Großen Saals von einer Putzfrau beim Aufwaschen des Bodens kurzerhand durch das Ausleeren des Kübels gelöscht wurde.

Ein kurzer Nachsatz bzw. Anregung noch zum Programmheft: Bis jetzt wurde immer Hochglanzpapier verwendet. Das hat nicht nur gut ausgesehen, das hatte es auch ermöglicht, dass unterschiedliche Schriftfarben mit unterschiedlichen Farbhintergründen kombinierbar waren. Diesmal wurde ein gröberes, raueres, Löschpapierähnliches Papier verwendet und dadurch war die hellbraune Farbe auf dem dunkelbraunen Hintergrund schon etwas schwer zu lesen… Außerdem passierte beim Programm ein großer Patzer, denn die Musik zu PSYCHO hat wie wir alle wissen Bernard Herrmann komponiert und nicht wie dort angegeben Franz Waxman.

 
em, 16.11.2012
 
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