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Hollywood in Vienna 2010 Print
 
Live aus dem Großen Saal des Wiener Konzerthauses
Gala der Filmmusik 2010
HOLLYWOOD IN VIENNA

ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Dirigent: John Axelrod
Gastdirigenten: Howard Shore & Christian Kolonovits
 
 
Zum dritten Mal fand am 16. September 2010 im Großen Saal des Wiener Konzerthauses die Gala der Filmmusik HOLLYWOOD IN VIENNA statt. Zum zweiten Mal in Verbindung mit dem Filmmusiksymposium und unter dem musikalischen Direktor John Axelrod und auch diesmal war das Konzert schon zwei Monate vor dem Event ausverkauft.

Die bemühte und rührige Frau Dr. Sandra Tomek hat diesmal ein abwechslungsreiches Programm unter dem Motto „Worlds of Adventure“ – Abenteuer-(Welten) zusammengestellt.

Moderiert wurde das Programm charmant in Deutsch und Englisch durch den Schauspieler Gedeon Burkhard.

Während die letzten beiden Male die Exil-Wiener in Hollywood Erich Wolfgang Korngold und Max Steiner im Mittelspunkt standen, waren diesmal Komponisten wie  Miklós Rózsa, James Horner, Chrsitian Kolonovits, John Williams und Klaus Badelt und natürlich der Star dieses Abends Howard Shore mit ihren fantastischen Kompositionen vertreten.

So wie letztes Jahr startete das Programm der ersten Hälfte mit Max Steiners WARNER BROS FANFARE.
Danach begann die Reise in die Welt der Piraten mit einer Suite aus Erich Wolfgang Korngolds THE SEA HAWK, die vom RSO (Radio Symphonie Orchester Wien) zu den Bildern des Films auf einer Leinwand über dem Orchester in bewährter Manier vorgetragen wurde.
Gesteigert wurde das Tempo und auch die Präsentation mit  Miklós Rózsas „Parade of the Charioteers“ aus BEN HUR.
In luftige Höhen schwang sich das Orchester bei „To the Rescue“ aus James Horners THE ROCKETEER auf und man konnte den guten alten Horner-Stil später mit einem seiner etwas schwächeren Spätwerke anläßlich „The Bioluminescence of the Night“ aus AVATAR kurz vor Ende des ersten Teils vergleichen.
Unter den vielen amerikanischen Filmscores ragte der Gipfel der NORDWAND mit den romantischen Streichern als einziger „aktueller österreichischer“ Beitrag hervor.
Der renommierte österreichische Komponist, Arrangeur und Produzent Christian Kolonivits dirigierte eine „Suite“ aus dem Film selbst.
Der diesjährige John Williams-Block begann zackig mit dem „Raiders March“ aus INDIANA JONES - RAIDERS OF THE LOST ARK und endete melodiös mit dem wunderbar harmonischen „Theme“  aus JURASSIC PARK.
Den furiosen Abschluss des ersten Teils bildete die World Premiere der (groß-)orchestralen „Suite“ von Klaus Badelts THE PIRATES OF THE CARIBBEAN – THE CURSE OF THE BLACK PEARL. Eine wirklich hörenswerte orchestrale Tour de Force in die Welt der (karibischen) Piraten und Abenteuer!

Der zweite Teil des Abends gehörte auch in diesem Jahr wieder dem Gewinner des (zweiten) „Max Steiner Life Achievement Awards“, Howard Shore.

Zu Beginn wurde einer der melodischsten „Main Titles“ des kanadischen Komponisten zu David Cronenbergs Horror Film THE FLY geboten.
Das anschließende „Medley“ BEST OF HOWARD SHORE stellte die Vielseitigkeit des Komponisten mit Filmmusiken aus den letzten 20 Jahren vor.
Darunter die nostalgische Endmusik „This is the One“ aus Tim Burtons Filmbiopic ED WOOD, die gedämpfte Pathetik für Martin Scorseses Porträt des amerikanischen Flugpioniers Howard Hughes in THE AVIATOR, das Hauptthema aus EASTERN PROMISES geprägt von russischem Lokalkolorit durch Balalaika und Hackbrett, und abschließend die einfühlsamen und warmen Americana-Klänge zur Tom-Hanks-Komödie BIG.
Auf die nachfolgende Weltpremiere der „Grand Suite“ von A CELEBRATION OF THE LORD OF THE RINGS unter der Mitwirkung der Wiener Singakademie haben sicher viele Fans von Tolkiens Mittelerde sehnsüchtig gewartet und wurden nicht enttäuscht vom zweiten Höhepunkt dieses wirklich gelungenen Abends!
Die hervorragende Konzert-Suite beinhaltete die Höhepunkte aus allen 3 Filmen: THE FELLOWSHIP OF THE RINGS, THE TWO TOWERS und THE RETURN OF THE KING. Sie entführte die Konzertbesucher in die fantastische Welt von Mittelerde und folgte Frodo und seinen Gefährten musikalisch von „The Prophecy“ ins Auenland der Hobbits: „Concerning Hobbits“ über den Fluss Anduin („The Great River“) zu „The Riders of Rohan“. „The Last March of the Ents“ und die Leuchtfeuer („The Lightings of the Beacons“) helfen bei der Zerstörung des Rings am Mount Doom und führen zu „The End of all Things“. Die zauberhafte Reise  endet mit Frodos Abschied: „The Grey Heavens“.
Die norwegische Jazzvokalistin mit ihrer ausdrucksstarken und über mehrere Oktaven reichenden Stimme intonierte dann noch sehr gefühlvoll den melancholischen und Oscar-prämiierten Song „Into the West“l.
Nach der Übergabe des (zweiten) „Max Steiner Life Achievement Awards“ an Howard Shore dirigierte der Stargast noch den letzten Teil der End-Title Music („In Dreams“) von THE FELLOWSHIP OF THE RINGS.
Leider kam die wirklich tolle Stimme des (etwas lampenfiebernden) Knabensoprans der Wiener Sängerknaben kaum gegen die (Über-)Macht des Orchesters an. Hier hätten die Tonmeister mittels Mikrofonverstärkung nachhelfen müssen!
Howard Shore belohnte ihn für seinen Einsatz indem er den Knaben auf das Podium des Dirigenten holte und sich mit Handschlag und einer Rose aus dem zuvor bekommenen Blumenstrauß bedankte.

Wie schon im letzten Jahr bot John Axelrod mit dem RSO Wien wieder einmal Musik aus Max Steiners GONE WITH THE WIND. Obwohl ich die Musik wirklich toll und auch sehr eindrucksvoll dargeboten fand, war ich etwas enttäuscht, dass es kein wirklich neues Encore gab. Dabei wären in Max Steiners Oeuvre viele brauchbare Themen für weitere Zugaben!

Für mich war dieser Gala-Abend der beste, den ich miterleben durfte! Die Musikauswahl war sehr abwechslungsreich und mit wenigen Ausnahmen (z.B. THE ROCKETEER) sehr stark an den Originalen dran. In einigen Fällen wie z.B. THE PIRATES OF THE CARIBBEAN – THE CURSE OF THE BLACK PEARL sogar viel besser als das Original!
Wunderbar fand ich auch die ausgewählten Themen aus THE LORD OF THE RINGS und die Darbietung durch das RSO Wien!
Würde mir wünschen, dass mal die komplette LORD OF THE RINGS SUITE live im Wiener Konzerthaus – möglicherweise unter der Leitung des Komponisten oder wenn das nicht möglich dann mit John Axelrod am Dirigentenpult des RSO - stattfände. Könnte mir schon vorstellen, dass sogar mehrere ausverkaufte Vorstellungen in diesem Fall möglich wären.

Als Neuerung und auch als Zugeständnis an die vielen, die keine Karten zur Gala bekommen konnten, wurde heuer erstmals die Generalprobe für die Öffentlichkeit zu einem durchaus günstigen Preis zugänglich gemacht. Leider waren dafür nur die Plätze mit guter Sicht, aber mit weniger gutem Klangerlebnis zu haben. Außerdem war es eher eine Probe als eine Generalprobe. Interessant war für mich zu beobachten, dass die Gala im Vergleich zur Probe eine markante Steigerung aufwies!

Für alle, die das Konzert verpasst haben, ist hoffentlich wieder – wie in den letzten Jahren – eine Ausstrahlung im Österreichischen Rundfunk (Radio Ö1) geplant.
 
em, 7.10.2010
 
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