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DVD Rezensionen

UNDER THE VOLCANO

R: John Huston

D: Albert Finney, Jacquelne Bisset, Anthony Andrews u.a.

Musik: Alex North

108 Min.


Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs siecht Geoffrey Firmin, ehemaliger Konsul, in Mexiko dahin. Die Trennung von seiner geliebten Frau hat ihn endgültig in den seelischen Ruin getrieben. Alkohol in Massen kann nur noch kurzfristig für Linderung sorgen und seine Idee sich nüchtern zu saufen, passt zu Firmins gnadenloser Zynik. Als scheinbar unvermittelt Firmins Frau Yvonne aus New York wieder auftaucht, fühlt er sich zerrissen zwischen Hoffnung, seinen Launen, die der Alkohol mit ihm treibt und der Abscheu, dass sein geliebter Bruder, der gerade aus dem Spanischen Bürgerkrieg zurückkehrt, für das zerbrochene Liebesglück mitverantwortlich ist. Und Yvonne muss bald feststellen, dass ihr geschiedener Mann nur noch ein Wrack ist.

Under the Vulcano stammt aus der letzten Schaffensphase von John Huston, der vor seinem Tod 1987 noch zwei weitere Filme drehen sollte: Die pechschwarze Mafiakomödie Prizzi’s Honor und The Dead. Für Under the Volcano hat Huston die komplexe Novelle von Malcolm Lowry in Angriff genommen, auf seine eigene Art und Weise.

Der Film spielt an Allerheiligen, dem Fest an dem die Toten geehrt werden und der in Mexiko farbenprächtig gefeiert wird. Der Tod begleitet Firmin von der ersten Szene an, ja sogar schon mit der eröffnenden Titelsequenz. Der Weg der Selbstzerstörung schliesslich ist von kurzer aber umso intensiverer Dauer.

Mit Albert Finney fand Huston den idealen Mann für den Part des saufenden Ex-Konsuls. Finney wurde für seine eindrückliche, „nüchtern“ gespielte Leistung, die ohne Pathos und auszukommen vermag, mit einer Oscarnomination bedacht. Seine um sich schlagenden, zynischen Wortattacken gepaart mit der selbst auferlegten Ausweglosigkeit seiner Situation, machen Geoffrey Firmin zu einer menschlichen, desolaten Ruine. Grossartig gespielt.

Huston konzentriert seinen Film auf Firmin, was Under the Volcano einen ganz besonders packenden Reiz gibt. Und er lässt nur durch Firmins Anspielungen die scheinbare Beziehung von Firmins Frau mit dessen Bruder zu. Offensichtlich wird es nie, deutlich aber sehr schnell. Ebenso, dass Firmin den Weg zurück nicht mehr finden will oder kann.

Under the Volcano ist kein Film für jede Stunde und ein bemerkenswertes, deprimierendes Alterswerk, das auch und vor allem bei der Kritik Gefallen fand und weniger beim Publikum.

Einer der intensivsten von Hustons letzten Filmen.

Vulkan-Musik
Norths Zusammenarbeit mit Huston begann zwar schon in den 60er Jahren (The Misfits), wurde aber erst gegen Ende von Hustons Karriere zu einem regelmässigen Austausch, der bis zum letzten Film des grossen Regisseurs, The Dead, dauern sollte.

Sein kurzer aber prägnanter Score zu Under the Volcano ist eine für North sehr charakteristische Mischung aus Dissonanz und Melodie, mexikanisch/hispanischem Flavour und ausgewählter Orchestration. Schon die Musik für die Titelsequenz lässt sofort erkennen, in welche Richtung die Komposition sich bewegen wird und sie ebenso schnell als North erkennbar macht: Hier werden die surrealen Bilder, die den „Day of the Dead“ umgeben, musikalisch erfasst und zum ersten Mal ist auch das Material für Firmin, wenn auch fragmentarisch, zu hören.

Die Musik ist wohlbedacht zwischen den mexikanischen source music Stücken, von denen North einige auch selber schrieb, eingebettet und der dramaturgische Score ist äusserst sparsam eingesetzt. In diesen Stücken beschränkt er sich darauf Firmins eigene Welt und seine Persönlichkeit zu untermalen, aber auch seine Beziehung zu Yvonne tritt (im Gegensatz zu Firmins Musik), in einem melodischen Gefüge und mit traditionelleren Harmonien, als zweite Idee auf, die sich stellenweise mit der selbstzerstörerischen Musik, die Firmin auf seinen Sauftouren begleitet, auseinandersetzen muss.

Kein, wie so oft bei North, einfacher, aber ein im Film ungemein intelligenter und intellektuell funktionierender Score.
20 Minuten dauert die CD, die 1991 im Varèse Club Programm bei Masters Film Music erschienen ist.
 
Bewertungen

Film:

1/2
Musik im Film:
Extras:
1/2 (nur Texttafeln)
Technisch: 
 Bild:
 Ton: 

 phb, 26.5.2010

 


 
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