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DVD Rezensionen

PUBLIC ENEMIES

Regie: Michael Mann

Darsteller: Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Stephen Dorff,
David Wenham usw.


Musik: Elliot Goldenthal

Verleih: Univeral

2 DVD Set


 

Es ist ein Kreuz mit dem Michael Mann. Eigentlich ist der Mann ein in meinen Augen fantastischer Filmemacher, der über dem allgemeinen Hollywoodknatsch steht, Filme wie Inside Man, Heat, Collateral sind dabei zu nennen. Aber seine letzte Tätigkeit mit Miami Vice war ein absoluter Griff ins Klosett (meine Güte, was für eine grässliche Fehlbesetzung durch und durch) und The Last of the Mohicans ist ebenfalls alles andere als ein Favorit von mir. Mit Public Enemies hat er zwar einen interessanten Stoff in den Händen, aber es gibt zwei Dinge, die mich an diesem Gangsterfilm gestört haben: Die HD Videotechnik und einiges an Parallelen. Dazu weiter unten.

John Dillinger ist einer der letzten ganz grossen Bankräuber der Staaten – und Staatsfeind Nr. 1. In der grossen Depression raubt er die Banken, die beim Volk alles andere als einen guten Stand haben, aus und geniesst dadurch eine Art Heldenstatus, wie ihn etwa die James Brüder im noch wilderen Westen inne hatten. Doch eine Spezialeinheit des unter J. Edgar Hoover stark aufrüstenden FBI macht der Truppe um Dillinger den Garaus und hetzt ihn und seine Komplizen durch die Wälder. Schliesslich aber ist es (mal wieder…) eine bzw. mehrere Frauen, die unseren „Helden“ ins fatale Ende treibt.

Und somit zum ersten Abschnitt:

Parallelen.
Public Enemies hat deutliche Parallelen zu Manns grossartigem Werk Heat. Wieder haben wir die zwei Seiten des Gesetzes, auf die Michael Mann ausführlich eingeht. Wieder geht es um das grosse Geld. Knarren und Realismus spielen erneut eine wichtige Rolle. Und wieder hängt Mann die Story an einer Liebesbeziehung auf – im Falle von Heat waren es gleich mehrere. Nun gut, ein Film über Dillinger (nicht den Mann, sondern seine Taten wohlverstanden) hat nun eben diesen Storygang zu bieten, das kann man Mann sicher nicht vorwerfen. Aber einige der Szenen haben schon eine frappante Ähnlichkeit zum DeNiro/Pacino Film.

Technik.
Etwas was mir sehr negativ eingefahren ist, ist die Verwendung der digitalen Filmtechnik. So ist der grosse Shootout und einige nachfolgende Szenen im HD-Video-Verfahren gefilmt worden und auch so in den Film eingefügt. Das Ganze wirkt dann eher wie eine ARTE Dokumentation oder eine Privatsender-Dokusoap und sieht einfach scheusslich aus. Der versuchte Hyperrealismus geht in die Hosen, Public Enemies sieht hier nach Fernsehen und nicht nach Filmerlebnis aus. Keine Tiefe in den Bildern, flach, zwar superscharf und knallig aber auch mit Schwenks denen man das Videomaterial ansieht. Schade. Mir erschliesst sich dieser Versuch absolut nicht, denn mit Ausnahme jener Sequenz, die eigentlich eine immens starke Wirkung haben könnte (mit Knattern der Thompson Maschinenpistole, dem Knallen der 45er und dem Puffen der Schrottflinten auf der geschickt eingesetzten Tonspur…), ist Public Enemies, trotz fast durchgehender Wackelkamera, toll umgesetzt.

Als nicht ausgesprochener Johnny Depp Fan und ebenso ausgesprochener Captain Jack Sparrow “Hasser” (die Fans mögen mir verzeihen) fand ich sein schlurfiges Spiel auch hier irgendwie einschläfernd, aber das ist wie angetönt sehr subjektiv. Auch Bale hat in seiner etwas eindimensionalen Rolle als Sonderermittler einen schweren Stand.

So bleibt ein kühler und aufwändiger Gangsterfilm ohne allzu grosse Emotionen (was durchaus willkommen ist).


Gaunermusik
Ja, es ist wie Klaus Post in seiner Rezension geschrieben hat in der Tat bedauerlich, dass Elliot Goldenthals Score dermassen stiefmütterlich auf CD behandelt wurde. Zwar sind einige Songs im Film enthalten, mal mehr, mal weniger zeitlich stimmig, aber es ist dennoch die Filmmusik, die mit ihrem schwermütigen Gefühl Eindrücke im Film hinterlässt, obwohl die Lieder freilich prominenter eingesetzt sind.
Ich habe allerdings nicht ganz so viel Score gehört wie Klaus, über den Daumen scheinen es irgendwo zwischen 30 und 40 Minuten zu sein, aber da kann man sich bekanntlich schnell mal täuschen (ich würde mich bei einer eventuellen, späteren Veröffentlichung natürlich gerne eines anderen belehren lassen). Wie Heat funktioniert Goldenthals Musik jedoch um einiges besser, wenn man den zugehörigen Film gut kennt – und noch besser wenn man ihn mag. Ich bin mal gespannt, ob die Academy bei Public Enemies ein Ohr offen haben wird.


Das 2-DVD-Set bietet einige Hintergrundinfos und Archivaufnahmen über John Dillinger, alles in allem sind die jeweiligen 9 Minuten Filmchen aber doch zu kurz (und viel zu schnell geschnitten). Eindrücklich die Tatsache, dass Mann viele der Szenen an ihren tatsächlichen Schauplätzen drehte.
 
Bewertungen

Film:

  
Musik im Film:
Extras:
Technisch: 
 Bild:1/2
 Ton: 

 phb, 16.12.2009

 


 
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