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Hollywood in Vienna 2009 Print
 
Live aus dem Großen Saal des Wiener Konzerthauses
Gala der Filmmusik 2009
HOLLYWOOD IN VIENNA

ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Dirigent: John Axelrod
Gastdirigenten: Bruce Broughton & Nicholas Dodd

von Erwin Maidl
 
 
Nach 2007 fand diesmal am 14. Oktober 2009 um 19:30 Uhr das zweite Filmmusikkonzert HOLLYWOOD IN VIENNA im ehrwürdigen, imposanten und herrlich klingende Großen Saal des Wiener Konzerthauses statt.

War beim ersten Mal das ehemalige Wunderkind Erich Wolfgang Korngold der „Star(komponist)“ des Abends, so hatte die Organisatorin Frau Dr. Sandra Tomek diesmal einen weiteren Österreicher, der in Hollywood zu großen Ehren als Filmkomponist gekommen ist, in den Mittelpunkt gestellt, nämlich Max Steiner, der auch Pate für den zum ersten Mal verliehenen „Max Steiner Award“ an John Barry ist, dessen James Bond Filmscores dann im zweiten Teil des Konzertabends von Nicholas Dodd hervorragend dirigiert und vom RSO (Radio Symphonie Orchester Wien) schwungvoll und mit viel Leidenschaft und Perfektion gespielt wurden.

Neben Wiener Lokalpolitikern wie Mag.a Renate Brauner oder dem Kulturstadtrat der Stadt Wien Dr. Andreas Mailath-Pokorny war vor allem die internationale Prominenz Anziehungspunkt von TV-Reportern der beiden Österreichischen Sender (ATV und ORF, die auch einige Berichte von der „High Society“in den „Seitenblicke(n)“ brachten), darunter Filmkomponisten wie Bruce Broughton, Harald Kloser, David Arnold, Christian Kolonovits, als auch andere Filmschaffende wie der Regisseur Robert Dornhelm oder (der erste Violonist bei vielen Hollywood Soundtrack Einspielungen) Dimitrie Leivici, die James Bond Produzentin Barbara Broccoli und in Vertretung ihres Vaters: Kate Barry, da John Barry wegen einer schweren Erkrankung seiner Frau leider nicht persönlich anwesend sein (und die Bond Scores nicht selbst dirigieren) konnte – eine Enttäuschung für viele seiner anwesenden Fans, aber durchaus verständlich.
 

Aber nun zum Progamm des ersten Teils, das unter Leitung des Music Director John Axelrod mit Max Steiners WARNER BROS FANFARE den Konzertsal in einen Filmpalast verwandelte. Danach führte das herausragende Orchester die Zuhörer auf eine filmmusikalische Reise durch die Welt. Gestartet wurde diese in CASABLANCA (eine Suite der Max Steiner Themen). Nach einem kurzen Ausflug in die Wüste zu Klängen von Maurice Jarres Ouverture zu LAWRENCE VON ARABIEN, begleitete der selbe Komponist die Konzertbesucher mit Adela’s Theme auf A PASSAGE TO INDIA und verweilte dann mit John Williams’s Main Title SEVEN YEARS IN TIBET.

Im Anschluss an diese exotische Reise wurde es etwas bodenständiger, denn Bruce Broughton dirigierte seinen eigenen Main Title und führte uns zu der amerikanischen Westernstadt SILVERADO. Für mich gehörte dieser Programmpunkt zu den absoluten Höhepunkten des ersten Teils! 
 
 
Der nächste Auftritt gehörte einem vielversprechenden Newcomer: Roman Kariolou, dem diesjährigen Gewinner des Wiener Filmmusikpreises. Robert Dornhelm stellte für diesen ebenfalls neu gegründeten und von der Stadt Wien gesponserten Preis zwei Filmszenen (die Ball- und eine Schlachtszene) seines TV-Mehrteilers KRIEG UND FRIEDEN zur Verfügung und die Studenten der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, sowie andere Kandidaten sollten eine neue Musik zu einer der beiden Szenen kreieren.

Beim ersten internationalen Filmmusik Symposium Vienna am Wochenende vor dem Konzert (9. – 10. Oktober 2009) wurden bereits die sieben besten Arbeiten dem dort anwesenden Publikum vorgestellt. Danach wurde durch eine internationle Jury (darunter Bruce Boughton, David Arnold, Harald Kloser, Nicholas Dodd, Robert Dornhelm u.a.) der Gewinner ermittelt.
Bei dem Symposium hatte mich Roman Kariolous Beitrag schon sehr angesprochen, obwohl es sich dort nur um synthetische Mockups gehandelt hat, die jedoch klanglich schon etwas symphonisches hatten und im Konzertsaal mit Live-Orchester synchron zu den auf einer Leinwand über dem Orchester gezeigten Szenen wurde mein erster Eindruck noch um vieles übertroffen! Bleibt nur zu hoffen, dass der junge Mann in Zukunft ansprechende Filmprojekte bekommt und sein Talent weiter entfalten kann.

Obwohl mit großem Orchester eingespielt und unter Mitwirkung eines Wiener Sängerknaben passte Harald Klosers Main Title zu THE DAY AFTER TOMORROW meiner Meinung nach nicht ganz in das musikalische Konzept dieses Abends. Möglicherweise wäre ein anderer Score wie z.B. DRESDEN – DAS INFERNO etwas besser bzw. passender gewesen. Selbiges gilt auch für John Williams’s Throne Room and Finale aus STAR WARS, das mittlerweile zum filmmusikalischen Standard-Konzert-Repertoire geworden ist. Aus musikalischer Sicht war es aber ein fulminates Finale des ersten Konzertabschnittes!
 
 
Der zweite Teil des Abends war vor allem John Barry, dem Gewinner des ersten „Max Steiner Life Achievement Awards“ gewidmet. Ein goldrichtiger Beginn war da natürlich die orchestrale Version des Main Title Songs des bekannten James Bond Films GOLDFINGER. Elegisch schöne und episch breite Bilder vermittelte dann der Main Title aus OUT OF AFRICA sowie eine Suite aus DANCES WITH WOLVES, die das John Dunbar Theme, Pawnee Attack, sowie Finale & End Title beinhaltete.

Die BOND SUITE bestehend aus dem James Bond Thema, FROM RUSSIA WITH LOVE, THUNDERBALL, YOU ONLY LIVE TWICE, ON HER MAJESTY’S SECRET SERVICE und DIAMONDS ARE FOREVER war mit Sicherheit eines der Highlights dieses Abends und das Radio Symphonie Orchester spielte dabei nicht nur perfekt, sondern mit einer Power und Verve, die selten von klassischen Orchestern im Konzertsaal zu hören ist, unter dem sehr emotionalen Dirigat von Nicholas Dodd, der bemüht war jeden Programmpunkt – teilweise in passablem Deutsch – anzusagen.
Die James Bond Session kam so gut beim Publikum an, dass Nicholas Dodd das James Bond Thema noch einmal als Zugabe präsentierte.
Nicholas Dodd legte sich genauso stark ins Zeug wie die MusikerInnen, wobei er sogar den Taktstock ins Orchester beförderte, so dass ein Geiger ihn am Ende des Stückes wieder an den Dirgenten zurückgab.
 
 
 
Nach dieser umfangreichen und sehr abwechslungsreichen Session ging es an die Verleihung des ersten MAX STEINER LIFETIME ACHIEVEMENT AWARDS. Dieser soll im Lauf der Konzert-Serie jeweils an einen der größten Filmkomponisten der Gegenwart vergeben werden.

Während David Arnold und Barbara Broccoli sich im Namen von John Barry für den Preis und die Laudatio der Organistorin bedankten, nahm Barrys Tochter, Kate, die Trophäe entgegen. Per Videoschaltung aus den USA bedankte sich dann noch John Barry persönlich und selbst Kevin Costner übermittelte aus Monte Carlo seine Glückwünsche via Videobotschaft.

Als würdigen Abschluss dieses für mich sehr schönen und eindrucksvollen Konzertabends drigierte John Axelrod dann noch eine weitere Zugabe, nämlich eine Tanzmusik-Suite und Tara’s Theme aus dem wohl bekanntesten Max Steiner Score VOM WINDE VERWEHT.

All diejenigen die für das schon Wochen vorher ausverkaufte Konzert keine Karten mehr bekommen konnten oder es aus anderen Gründen verpasst haben, bietet der Österreichische Rundfunk (Radio Ö1)  am Sonntag, den 22. November 2009 um 19:30 Uhr einen Live-Mitschnit dieses Konzerts an. Diese Sendung wird dann sogar in Dolby Digital 5.1 Surround Sound übertragen,  wenn man Ö1 unter "OE1DD" über einen digitalen Satelliten-Receiver empfangen kann.
 
em, 1.11.2009

(Die Fotos wurden uns freundlicherweise von Frau Sandra Tomek zur Verfügung gestellt)
 
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