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Heaven's Gate: Megaflop, Kunstwestern, Musik
Seite 2 - Startschuss
Seite 3 - Der Hit
Seite 4 - Alles in Butter?
Seite 5 - Das Schiff sinkt
Seite 6 - Die Musik von Heaven's Gate
Seite 7 - Interview David Mansfield
Seite 8 - Interview Teil 2
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Heaven’s Gate - Megaflop, Kunstwestern und Musik

von Philippe Blumenthal

Michael Cimino hatte die Idee zu Heaven’s Gate (1980) noch vor seinem grossen Erfolg mit The Deer Hunter. Anfang der Siebziger Jahre konzipierte er eine Story mit dem Titel “The Jackson County War”, die von den Unruhen zwischen Viehzüchtern und Landeigentümern erzählte. Damals war der Wilde Westen noch richtig wild und die Cowboys trieben die Rinder ihrer meist steinreichen Bosse über Stock und Stein – dabei waren ihnen die eingezäunten Grundstücke der kleinen Landbesitzer ein Dorn im Auge. So begann es in Jackson County bald zu gären, schliesslich pochten die Viehzüchter darauf, dass das Land allen, aber insbesondere ihnen, gehören würde und sie ungehinderten Zugang zu jedem Stückchen Weideland haben sollten. Einige der meist bitterarmen und hart arbeitenden “Bauern” wussten sich desöfteren nicht anders zu wehren, als die eindringenden Rinder abzuschiessen, auch aus der Not heraus, in den harten Wintern Wyomings etwas Essbares für ihre Familien auf den Tisch zu bringen. Das war ein willkommener Grund für eine Notlösung der Rinderzüchtervereinigung, die darin bestand, eine Todesliste aufzustellen um sich des Problems zu entledigen. Die meist aus Osteuropa stammenden Grundstückbesitzer setzten sich jedoch zur Wehr, so dass schliesslich die Armee eingreifen musste.

Dies ein Storyabriss, in den Cimino die mehr oder weniger auf Fakten basierenden Rollen eines U.S. Marshals (Kris Kristofferson), eines von der Vereinigung angeheuerten Killers (Christopher Walken) und einer Bordellbesitzerin (Isabelle Huppert) einbaute. Ein Problem der Geschichte war aber, wie sich später herausstellen sollte, dass sie sich in der Realität, konträr zu den vollmundigen Verlautbarungen der Filmemacher, nicht ganz so abgespielt hat. Das sollte sich schliesslich als letztes Mosaikstückchen im Theater rund um den Film erweisen, das die Presse damals gerne aufnahm.



Die Story wanderte zuvor von Studio zu Studio und es war schliesslich United Artists, die Cimino den Zuschlag gaben, einen finalen Drehbuchentwurf zu verfassen. United Artists gehörte damals der grossen Versicherungsgesellschaft Transamerica, die von der Filmindustrie freilich wenig verstand, ihren Stockholdern aber eine tolle neue Einnahmequelle versprach. Ausserdem machte sich damals der Besitz eines Filmstudios ganz gut, obwohl die Hollywood-Presse auf diese Übernahmepolitik harsch reagierte. Als der Verkauf an Transamarica anstand, verliessen die kreativen Köpfe des einst grossen Studios das “sinkende Schiff”. Die neue Riege zeigte nicht nur ein anderes, teilweis sonderbares Geschäftsgebahren, sondern auch eine gewisse Unerfahrenheit, was sich später für das Studio, das immerhin Erfolge wie Rocky, die Bond-Filme und den von den Kritikern geliebten Woody Allen verbuchen konnte, als fatal erweisen sollte. Heaven’s Gate sollte das Fass zum Überlaufen bringen.



 
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