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Heaven's Gate: Megaflop, Kunstwestern, Musik
Seite 2 - Startschuss
Seite 3 - Der Hit
Seite 4 - Alles in Butter?
Seite 5 - Das Schiff sinkt
Seite 6 - Die Musik von Heaven's Gate
Seite 7 - Interview David Mansfield
Seite 8 - Interview Teil 2
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David Mansfield & Heaven's Gate - Ein Interview

David Mansfield wurde 1956 in New Jersey geboren und genoss als Kind eine Ausbildung als Violinist. 1974 ging er mit Bob Dylan auf Tournee und blieb 4 Jahre in dessen Gruppe. 1976 bot ihm Arista Records einen Plattenvertrag an und er begann unter anderem mit T-Bone Burnett Alben zu produzieren. Über die Jahre hat Mansfield mit unzähligen Künstlern gearbeitet und auf deren Alben gespielt, u.a. Bruce Hornsby, Johnny Cash, Jimmy Cliff, Ry Cooder, John Denver, Suzanne Vega, Ringo Starr.

Seine Filmmusik-Karriere begann 1980 mit Heaven’s Gate, in dem er auch einen kleinen Part spielte. Mit Michael Cimino sollte Mansfield daraufhin an 3 weiteren Filmen zusammenarbeiten. Andere Filmmusiken sind Transamerica, Ballad of Little Joe, The Apostle mit Robert Duvall, Nobody Writes to the Colonel, Divine Secrets of the Ya-Ya Sisterhood, Club Paradise, Then She Found Me, A Streetcar Named Desire (1996), Truman und Broken Trail (mit Van Dyke Parks).


Das Gespräch mit David Mansfield fand im Juli 2009 statt.


? Dein erstes Filmmusikengagement war Heaven’s Gate, in welchem Du auch eine kleine Rolle hattest. Wie kam es dazu?

David Mansfield: Ich wurde ursprünglich als Musiker engagiert, um vor der Kamera zu musizieren, zusammen mit T-Bone Burnett, Gerry McGee und dem leider verstorbenen Stephen Burton (auch bekannt als Mitglied von Huey Lewis and the News). Cimino hat uns dann stärker in den Film integriert, indem er uns kleine Parts gab und wir nicht nur in der Roller Skating Szene auftauchen und danach wieder verschwinden würden. Meine Rolle war die des Hausjungen von Ella Watson, John DeCorey. So war ich während der gesamten Produktionszeit in Montana. Nach Ende der Dreharbeiten nahm ich zuhause ein paar Demos der Songs auf, die wir auf dem Set gelernt hatten. Joan Carelli, die Produzentin, liess das Tape kommentarlos Michael (Cimino) zukommen, ohne Angaben vom wem es stammt. Damals wurde gerade - nachdem John Williams, der ursprünglich die Musik schreiben sollte, wegen Terminkonflikten u.a. mit den Boston Pops, aussteigen musste - ein neuer Komponist gesucht. Michael spielte die Musik zum Film und ihm gefiel was er hörte so sehr, dass er die Suche nach einem Komponisten abblies. Carelli sagte, Cimino sei zunächst etwas geschockt und verärgert gewesen, als er erfuhr, dass die Musik in die er so vernarrt war, von diesem kleinen, 24 jährigen Kerl stammte, den er für die Heaven’s Gate Band [Heaven’s Gate war der Name der Rollschuhbahn im Film; phb] engagiert hatte.

? Wie gingst Du mit diesem plötzlichen Durchbruch um, als junger Komponist für einen grossen Film zu schreiben?

David Mansfield: Obwohl ich noch sehr jung war, hatte ich als Musiker doch schon einige Erfahrung. Während ich in der High School war, erhielt ich einen Vertrag mit Warner Brothers, spielte als 18 Jähriger mit Bob Dylan und mit T-Bone und Steven Soles in der The Alpha Band. Hinsichtlich keiner Erfahrung im Filmbusiness: Das war für mich in diesem Sinne überhaupt kein Problem, da ich etwas machte, was bei mir seit meiner Kindheit präsent war, osteuropäische Volksmusik. Mein Vater, ein professioneller Violinist, stammt aus Osteuropa.

? Das Engagement als Musiker, der im Film mitspielen sollte, erhieltst Du also auf Grund Deiner Karriere als Folk/Pop-Musiker?

David Mansfield: Ja. Joan Carelli hat mich auf der Bühne mit Bob Dylan im Madison Square Garden spielen sehen. Als es um die Besetzung der Heaven’s Gate Band ging erinnerte sie sich an mich.

? Was sagte Dein Vater zu Deiner Karriere als Musiker?

David Mansfield: Er war gar nicht begeistert, dass ich Popmusiker werden würde. Er hielt das für eine äusserst unsichere Berufswahl…! Als Musiker, der seit den 60er Jahren in der NY Philharmonic Violine spielte, war Popmusik für ihn keine wirkliche Musik. Dieses Missfallen dauerte an bis ich begann für Orchester zu komponieren. Das beruhigte ihn dann doch!

? Hast Du die Unsicherheit der Studioleute von United Artists mitbekommen, als die Idee aufkam, dass Du die Musik schreiben würdest und dass es auch Probleme anderer Natur gab?

David Mansfield: Nein. Michael Cimino und Joan Carelli schirmten mich von den Problemen rund um die Produktion und der post production völlig ab. Zum Glück.

? Du hattest also nie mit den Studio Executives zu tun?

David Mansfield: Ich habe David Fields [Head of Production bei United Artists mit Steven Bach; phb] und ein oder zwei andere Leute während den Dreharbeiten kennengelernt, aber ansonsten hatte ich während der Filmmusik-Produktion nie mit jemandem vom Studio zu tun. Auch für die Erlaubnis von nachträglichen Aufnahmen mit einer Streicherbesetzung, etwa für die „Intermission“, nicht. Das lief alles über Cimino und Carelli.

? Steven Bach, der „Final Cut – Art, Money and Ego“ geschrieben hat und sich darin über die Produktion des Filmes ausliess, fand in seinem Buch nur lobende Worte für Deine Filmmusik…

David Mansfield: Das ist sehr nett von ihm. Über all die Jahre habe ich immer wieder tolle Komplimente für diesen Score erhalten.

? Was war der Grund, einen sehr traditionellen, Folkmusic geprägten Score zu wählen?

David Mansfield: Ich kann das nicht mal genau sagen, da müsste man schon Michael Cimino fragen. Aber ich denke die differenzierte Gegenüberstellung zwischen der Szenerie der Bilder und einem stillen, intimen Score war wohl ausschlaggebend dafür. Ebenso das Gefühl von Erinnerung und Verlust, das den gesamten Film einnimmt. Das Mandocello [eine Mandoline in Gitarrengrösse; phb], das ich sehr oft einsetzte, verleiht dem Ganzen ausserdem ein Gefühl einer vergangenen Ära.
Es wäre sicherlich nicht falsch gewesen ein grosses Orchester einzusetzen. Auf jeden Fall wäre es auf die Art der Ausführung angekommen und nicht auf die Instrumentation per se. Ein Folkscore allerdings war sicher eine etwas gewagte Wahl.

? Ein spezieller Weg...

David Mansfield: Durchaus, aber kein Unpassender. Ausserdem, Ry Cooder begann zu jener Zeit mit Filmmusik. Ich bin ziemlich sicher, dass The Long Riders, für den er die Musik schrieb im selben Jahre in die Kinos kam wie Heaven’s Gate [Walter Hills Film startete im Mai 1980 etwas erfolgreicher – er spielte in den USA 10 Millionen Dollar ein, Heaven’s Gate startete im November des selben Jahres; phb].



 
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