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Heaven's Gate: Megaflop, Kunstwestern, Musik
Seite 2 - Startschuss
Seite 3 - Der Hit
Seite 4 - Alles in Butter?
Seite 5 - Das Schiff sinkt
Seite 6 - Die Musik von Heaven's Gate
Seite 7 - Interview David Mansfield
Seite 8 - Interview Teil 2
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Derweil schockte Cimino seine Bosse erneut, als er den Namen des Komponisten für die Filmmusik bekanntgab: David Mansfield, ein 24 Jahre junger Musiker ohne jegliche Erfahrung im Filmbusiness. Bach erinnerte sich: Dieser Junge, der einen kleinen Part im Film spielte und die Fiedel schwang, soll einen Multimillionen-Dollar-Film musikalisch betreuen? Einst war John Williams im Gespräch, doch die andauernden Verzögerungen liessen ein solches Engagement nicht mehr zu, Williams war mit anderen Projekten besetzt. Mansfield schliesslich erhielt, vehement von Cimino verteidigt, den Zuschlag. Aber auch hier ging es nicht ohne falsche Töne. Produzentin Joan Carelli sicherte sich laut Bach die Verlagsrechte an der Musik. Das heisst, Mansfield komponierte quasi in ihrem Auftrag, sie kaufte ihm seine Musik ab und verkaufte sie wiederum an United Artists. Sehr eigentümlich…

Nach diversen verschobenen Premieren und einer katastrophalen Vorführung einer fünfeinhalb Stunden-Fassung, mit der Cimino also auch sein Recht auf den Final Cut verwirkte, lag schliesslich eine 228 Minuten Version vor, die man Gästen, Studioleuten und der Presse vorführte. Diese wurde tatsächlich auch von Cimino geschnitten, nachdem er sich nach der katastrophalen Premiere reumütig zeigte. Nach der mit Spannung erwarteten Vorführung war die Enttäuschung allerdings zu spüren. Sicher, der Film war wunderschön fotografiert (Vilmos Zsigmonds Werk), die Musik von Mansfield wurde als Highlight bezeichnet, aber sonst? Zu lang, zu verwirrend, zu aufgeblasen. Die Gäste hatten in der Pause nicht einmal Lust, am üblichen Champagnernuckeln teilzunehmen, ein schlechtes Vorzeichen wie sich heraustellen sollte. Hie und da war zu hören, ob man sich denn jetzt wirklich auch noch die zweite Hälfte antun müsse.



Die Stimmen nach der Vorführung waren vernichtend, die Kritiken verheerend. Heaven’s Gate wurde dankbar von der Presse als Opferlamm aufgenommen, schliesslich taten Studio und Regisseur während des Drehs alles, damit nichts, aber auch gar nichts an die Öffentlichkeit kam und doch tröpfelten immer wieder Gerüchte durch. Kaum ein gutes Haar wurde am Film gelassen und United Artists stand plötzlich mit abgesägten Hosen da: Könnte es sein, dass der eingeplante Hit keiner werden würde? Oder wird das Publikum besser auf den Film reagieren als die Kritik? In den Chefetagen begann es zu rumoren. Und man tat schliesslich das, was man immer tut, wenn ein Film nicht zu funktionieren scheint: Man nimmt dem Regisseur sein Werk weg (der sich nun weigerte, weitere Kürzungen vorzunehmen) und liess den Film von Cutter William Reynolds auf rund 149 Minuten kürzen… und hoffte.

Doch hoffen ist im Filmgeschäft eher der falsche Weg. Dieselben Kritiker, die die lange Version als fades und selbstgefälliges Werk beschrieben, vermissten in der gekürzten Fassung all das, was ihnen in der langen Version nicht gefiel. Dann sickerte noch durch, dass die Story entgegen den Beteuerungen Ciminos ein gehöriges Mass an Fiktion beinhaltete. Sein Verhalten auf dem Set und andere Probleme sickerten durch und die Presse begann nun auch UA nach und nach zu zerpflücken. Heaven’s Gate floppte an den Kinokassen. Kaum jemand wollte Michael Ciminos Film sehen. In Europa fielen die Kritiken ein wenig günstiger aus, aber auch hier gab es keine Unterstützung an den Kinokassen. Erst etwas später, als die 228 Minuten Fassung in England gezeigt wurde und die ganzen Zeitungsgeschichten verraucht waren, fand der Film ein kleines Publikum und erhielt durchaus auch sehr wohlwollende Kritiken. Aber es war längst zu spät.

Das Heaven’s Gate Debakel kostete Studioboss Andy Albeck und Head of Production Steven Bach “den Kopf” und nur wenig später wurde d
as Traditionshaus United Artists von Transamerica an MGM verscherbelt. Heaven’s Gate wurde zu einem der ganz grossen Flops in einer Zeit, in der Raiders of the Lost Ark, The Empire Strikes Back und E.T. Rekordeinspielergebnise erzielten. Und er wurde zum Film, der ein grosses Filmstudio nicht nur ins Wanken, sondern zum Sinken brachte.

Michael Cimino konnte nie mehr an den Erfolg von The Deer Hunter anknüpfen. Auch sein nächster Film, Year of the Dragon (1985), war ein mässiger Erfolg und mit 24 Millionen Budget wiederum ein recht teures Werk. Filmisch misslungen allerdings w
ar The Sicilian (1987) mit einem völlig fehlbesetzten Christopher Lambert in der Hauptrolle. 1990 folgte die Verfilmung des Broadwaystücks Desperate Hours und 1996 schliesslich Ciminos letzter Film, The Sunchaser. Beide waren erfolglos. Ob der einst gefeierte Regisseur je wieder einen Film machen wird, ist zu bezweifeln.

Die DVD
Den Film kann man sich in seiner 209 Minuten Version auf einer MGM DVD ansehen. Zwar in 2.35:1 Widescreen gehalten ist die Bildqualität leider aber nicht die beste Vor allem eine gewisse Unschärfe und Schlierigkeit beeinträchtigen die wunderschönen Bilder, die der Film zu bieten hat. Der Englische Originalton ist in Dolby Digital 5.1 vorhanden, auf der Deutschen Spur muss man sich mit Monoton zufriedengeben. Extras gibt es leider keine, das ist gerade bei dieser von Problemen durchschüttelten Produktion aber auch der Grösse des Films doch sehr bedauerlich.



 
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