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Der 1000er Trick

Als Filmmusikfan ist man es sich inzwischen gewöhnt: Wenn die üblichen Verdächtigen neue, limitierte CDs ankünden, muss man Gewehr bei Fuss stehen, sonst sind die Dinger schneller weg als man „hui“ sagen kann. Nun hat sich Robert Townson von Varèse Sarabande etwas Neues (Altes) einfallen lassen: CDs zu neuen Filmscores limitiert auf 1000 Stück. Die Newsankündigung lautete vollmundig: 


„In einer Zeit in der mehr und mehr Veröffentlichungen nur als Downloads zur Verfügung gestellt werden, versuchen wir bei der guten, alten CD zu bleiben.“

Wow! Die Rettung der CD. Toll. Fand ich… dann aber der Witz an der Sache:

„Soundtracks für Filme mit einem eingeschränkten Verleih haben es immer schwerer genügend Zuschauer zu generieren, insbesondere in einigen Städten wo die Filme gar nicht mehr gezeigt werden. Da mehr und mehr unserer favorisierten Komponisten für solche Filme tätig sind, überlegten wir uns, dass es an der Zeit sei eine neue Serie zu starten...“

Aha. Neue Serie? Ein mulmiges Bauchgefühl war zu spüren.

„…eine neue Serie, die als Hybrid zwischen unseren normalen Releases und den Clubveröffentlichungen stehen soll.“

Hybrid?

„Diese Titel werden digital bei itunes und Amazon als Download zur Verfügung stehen und wir werden eine limitierte Anzahl CDs davon produzieren, die über unsere Website verkauft werden wird.“

Limitiert?

„Wir hoffen, dies ist eine gute Option für Fans der Komponisten und für Scores, die ansonsten möglicherweise irgendwie ins Abseits geraten wären und nun im jeweils gewünschten Format zur Sammlung beigefügt werden können.“

Aha, also 70-80% der bisherigen Varèse-CDs, die vielleicht gerade ein paar hundert Mal verkauft wurden? Hm, jein, denn…

„Diese neue Serie soll nur sporadisch aufgelegt werden […]“

Was immer das bedeuten mag.

Kürzlich nun kam Varèse Sarabande mit der Ankündigung der zwei ersten Titel in dieser Serie, John Debneys The Stoning of Soraya M. und Marco Beltramis In the Electric Mist. Und welche Überraschung, Varèse beschreitet mal wieder den 1000er Weg. Je 1000 Stk. sind als CD aufgelegt. Kosten bei Varèse: + 1 Dollar über den normalen CDs. Händler verlangen sogar noch mehr.

Die Frage ist nun, werden sich die Sammler von diesem Flötenlied einlullen lassen und rasch möglichst sich eine der CDs sichern wollen oder schreckt die Möglichkeit, dass die Scores weiterhin auch als Download zur Verfügung gestellt werden, davor ab sich schnellstens entscheiden zu müssen? Ganz abgesehen davon, dass ganz Downloadland die Sachen schon längst “free” ins Netz gestellt hat. Aber das ist ein anderes Thema.


Ich denke, das ganze ist eine Mischung aus alldem. Der Versuch mit der 1000er Limitierung schnell Geld zu machen (und Geld zu machen ist ja durchaus nichts unanständiges), das Abwägen wie eine solche Serie bei neuen Scores läuft und das schleichende Abwandern Richtung Download bzw. mal schauen was der Kunde bevorzugt – und vielleicht eben doch, dass mehr und mehr CDs, insbesondere bei Varèse in dieser Art (limitiert und/oder als Download) produziert werden, als Townson zunächst ankündigt.

Rober Townson ist ein Fuchs, das wissen wir. Und er hat ein spezialisiertes Label über viele Jahre am Leben halten können, in einer Zeit wo viele Labels gekommen und auch sehr schnell wieder verschwunden sind. Wie und ob die Filmmusikfans Townsons neues Baby goutieren werden, wird abzuwarten sein. Ich mag die Rolle, so wie sie im Moment gespielt wird nicht, die Entwicklung mit der 1000er Geschichte gefällt vielen von uns seit Jahren nicht. Dies nun auch bei neuen CDs zu sehen, stimmt bedenklich. Es ist nicht unbedingt die Entwicklung, die für den Konsumenten gemacht
ist.

Zurzeit als dieser Artikel geschrieben wurde, waren beide CDs jedenfalls noch erhältlich, auch wenn schon Wasserstandmeldungen kurisieren. Der Run also hielt sich einigermassen in Grenzen. Die Frage, wann die Hochwassermarke beim Sammler erreicht ist oder ob sie schon überschritten wurde, wird sich in den nächsten 1 bis 2 Jahren wohl von selbst beantworten.


phb, 11.6.2009

 
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