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DVD Rezensionen

A QUANTUM OF SOLACE

Regie: Mark Forster

Darsteller: Daniel Craig, Olga Kurlyenko, Mathieu Amalric, Jeffrey Wright, Anatole Taubmann

Musik: David Arnold

Verleih: Fox

 
 
Ein Schweizer Hype

Es ist noch gar nicht so lange her, dass der Hype um den kommenden James Bond Quantum of Solace insbesondere bei uns in der Schweiz richtig deftig war. Man hatte nicht nur einen Halbschweizer mit Bürgertum in Davos als Regisseur, nein, als Gehilfe des Oberbösewichts Mr. Green wurde mit Anatole Taubmann auch noch ein Schweizer in einer Nebenrolle besetzt, sicher auch auf Wunsch des Regisseurs. Die ganze Sache wurde in unserem Ländle natürlich mächtig hochgekocht und schon Monate vor dem Filmstart verging kaum eine Woche, in der nicht James Bond, Mark Forster etc. Themen in irgendeinem Blatt, Blättchen oder Onlinedingsbums war.

Inzwischen wissen wir es ja, je grösser der Hype desto höher die Erwartung! Und umso grösser die Enttäuschung? Leider ja. Aber selbst wenn die Vorschussschlagzeilen nicht so arg gewesen wären, Quantum of Solace ist einfach ein schwacher Bond. Im Vergleich mit Casino Royale ein Rückschritt und im Vergleich mit anderen Bondabenteuern nicht über das hintere Drittel hinauskommend. Schuld daran ist die laue Story, die austauschbaren Charaktere (von Judy Dench bis Daniel Craig) und die fast unaufhörliche Aneinanderreihung ermüdender Actionsequenzen, Explosionen, Turnübungen an Hausfassaden, ob in Siena, Port-au-Prince oder Bregenz. Aber das schlimmste: es fehlt Bond. Alles was Bond ausmacht, Gadgets, ein Hauch von britischem Schalk, sich selber nicht immer ernst zu nehmen, davon ist nichts zu spüren. Und ja, Mark Forster trägt neben dem mühsamen Drehbuch ebenfalls eine grosse Schuld. Er hat es nicht geschafft dem Film einen Stempel aufzudrücken und er unterliegt der nervtötenden mehrere-Schnitte-in-der-Sekunde-Manie, kann die Kamera kaum ruhig halten und eine lange Einstellung von mehrerern Sekunden wirkt fast schon wie eine Wohltat. Am Schluss bleibt das Gefühl 110 Minuten laute Action und nichts mehr miterlebt zu haben. Dies aber nicht mal sonderlich atemberaubend sondern vielmehr ermüdend und monoton.

Quantum of Solace reiht sich leider in den wenig ruhmhaften Reigen der misslungenen 007-Filme ein, begleitet von Licence to Kill und Die Another Day. Der verspürte Anreiz von Daniel Craigs Premiere ist hier schon fast gänzlich verflogen. Also, liebe Bondmacher, bitte greift bem nächsten 007 wieder auf einen bewährten Bondregisseur zurück, schreibt ein bisschen Witz ins Drehbuch sonst wird der Kassenmagnet bald zum Boomerang. Aber die Vorentwicklung hin zum uns bekannten James Bond scheint ja nun abgeschlossen und der Platz sollte vorhanden sein, bald wieder einen richtigen Bond im Kino und Heimkino zu sehen.
 


Von Tomorrow Never Dies bis A Quantum of Solace
 
Auch eine musikalische Konfrontation

Einen ähnlichen K(r)ampf (Fragezeichen) mit den Elementen hatte David Arnold auszufechten, so macht es den Anschein. Er, der seit 1997 und Tomorrow Never Dies jeden Bond filmmusikalisch begleitet hat (inzwischen deren 5) entfernt sich mit A Quantum of Solace weiter vom Bondidiom denn je, eine Entwicklung, die er mit seinem ebenso gelobten wie kritisierten Score zu Casino Royale begonnen hat. Es ist unmissverständlich: Arnold zieht mit den Machern gleich, die mit beiden Daniel Craig Filmen einen “pre-Bond” zeigen. Einen rauen, unmissverständlich eiskalten Killer, der schliesslich von Rachegelüsten getrieben einen gefährlichen Grat geht. Doch zum Schluss von A Quantum of Solace wird es denn auch unmissverständlich klar: James Bond ist 007, der Agent im Geheimdienst ihrer Majestät. Die Entwicklung scheint abgeschlossen, seine verlorene Liebe Vesper, die in Casino Royale umgekommen ist und die damit verbundenen Rachegelüste scheinen vergessen und vorbei – Arnold lässt uns das erst jetzt hören, zum ersten Mal mit voller Inbrunst in Quantum. Das ist in der Tat sehr geschickt gemacht, denn wie einfach wäre es gewesen mit dem variieren von Bondmotiven weiterzufahren, so wie er es mit Pierce Brosnan in Die Another Day aufgehört hat.

Es ist durchaus nicht so, dass Arnold das unausweichliche Bondthema zuvor ganz ausschliesst, hier und dort sind kurze Anleihen, Hinweise, Varianten zu vernehmen und die Paarung dieser Schnipsel Bondmusik mit Arnolds Konzept weiss denn auch zu gefallen.

Das macht allerdings das Anhören des Scores nicht leichter. Wie der Film ist auch die Musik fast vollends durchsetzt mit knallharter Action: Pumpende Elektrorhythmen, Blechattacken, viel fortissimo überall. Selten sind stille Momente zu hören, so etwa im Flugzeug nach Bolivien, wo Bond seinen Kummer in Cocktails ersäuft und Arnold einen Link zu Vesper schafft (das Klavierthema).

Leider wird der psychologische Aspekt, den Arnold durchaus erschaffen hat, durch die vielen lauten Stücke und den fast unentwegt actionlastigen Gang des Films erdrückt. Film wie auch Musik hätten mehr Zeit und greifbare Weiterentwicklung in den Charakteren gut getan.

Man darf gespannt sein, alleine von der Storyentwicklung her und der Absicht Arnolds so stiefmütterlich mit dem Bondthema umzugehen, wie es im nächsten Bondfilm weitergehen wird. Ich denke, wir können einiges mehr an Bond in Sachen Musik, aber auch als Film erwarten. Mehr als es der enttäuschende Forster-Bombast, der Quantum of Solace war, zu sehr reduziert auf zu viel repetitive Actionmuster daherkommt. Von daher ist Arnolds Musik positiv ausgedrückt konsequent, aber auf CD eben auch kein grosser Hörgenuss.

Kurz noch zum Song „Another Way to Die“: So übel wie der erste Eindruck war, ist der Song nicht. Er findet seinen Weg ins Ohr, kommt aber nicht an die grossen Bond-Songklassiker heran. Schade vor allem, dass er keine Aufnahme in thematischer Weise in den Score gefunden hat, etwas was einfach zu Bond gehört wie Q… aber der war in Quantum eben auch nicht zu sehen.
 
Bewertungen

Film:

Musik im Film:
1/2
Extras:
1/2
Technisch: 
 Bild:  
 Ton:1/2     

 phb, 26.5.2009

 


 
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