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DVD Reviews kurz und bündig:
 

KRABAT
(D 2008)
R: Marco Kreuzpainter
D: Daniel Brühl, David Kross, Christian Redl u.a.
Musik: Annette Focks
Warner Home


Der Dreissigjährige Krieg wütet. In dieser schwierigen Zeit findet der Waisenjunge Krabat in einer alten Mühle Unterschlupf und erlernt dort neben dem Müllerhandwerk auch die schwarze Magie zu beherrschen. Krabats Macht wächst und er weiss diese auch anzuwenden. Als er sich in ein Bauernmädchen verliebt, wird der geheimnisvolle Bund mit dem Tod, den Krabat eingegangen ist, auf die Probe gestellt.

Die Verfilmung des Fantasyromans von Otfried Preussler, dessen Bücher und insbesondere Krabat eine grosse Anhängerschaft haben, ist eine absolute Enttäuschung. Die Deutsche Produktion hat es in keiner Weise geschafft an das Herz der Vorlage zu gelangen und es wird deutlich, dass hier schlicht erfahrene Drehbuchautoren fehlen, die eine Literaturvolage aus einem Genre wie Fantasy umzusetzen verstehen geschweige denn deren wichtige Elemente erkennen und die Essenz der Geschichte als Filmstoff verarbeiten können. Unzulängliche Darstellerleistungen und die wirklich schwachen Spezialeffekte tragen zum schwachen Film das ihre bei (Daniel Brühl ist eine krasse Fehlbesetzung!).

Eigentlich mit das beste am Film (neben den gut gemachten Anfangstiteln) ist Annette Focks Musik, die es schafft ein bisschen Zauberei, Magie und Grösse auf die Leinwand zu bringen. Aber auch Focks kann das Debakel, in das der Film in seinen 115 Minuten schlittert, natürlich nicht verhindern. Leider ist der CD-Auszug ihrer Musik zu lang und zu wenig ausgesucht geraten.

Film: 1/2 - Musik im Film:
phb, 4.4.09


GOMORRHA
(I 2008)
Special Edition
R: Matteo Garrone
D: Toni Servillo, Gianfelice Imparato, Maria Nazionale u.a.
Musik: -
Impuls / Eurovideo


Süditalien: Hier regiert die organisierte Kriminalität. Und ein ganzer Bezirk ist darin verstrickt, von Teenagern und Jugendlichen bis hin zu Müttern und Opas. In diesem Sumpf findet auch der 13jährige Totò Rückhalt. Und wir begegnen den Jugendlichen Marco und Ciro, die sich gerne als Möchtegerngangster aufspielen und Al Pacino aus Scarface imitieren. Als sie dem Mob eine Waffenladung klauen, begeben sie sich in tödliche Gefahr. Oder der hautcoutur-Schneider Pasquale, der den Chinesen nachts Unterricht im Schneidern erteilt und damit die Konkurrenz zu den von der Gomorrha kontrollierten Firmen unterstützt. Der junge Roberto, der von Don Franco unter die Fittiche genommen wird und mit illegal verscharrtem Giftmüll seinen Lebensunterhalt verdient. Schicksale, die eines gemeinsam haben: Sie finden in einem tödlichen doch für sie so normalen Umfeld statt.

Garrones Film ist beeindruckend. Beeindruckend, weil er visuell nicht altbekannten Mustern nachgeht und beeindruckend, weil er weit mehr von der Gomorrha-Szene zeigt, als all die klischeebeladenen Filme, die man sonst zu diesem Thema zu sehen kriegt. Hier wird der einfache Mann gezeigt, der in die kriminelle Umgebung hineingeboren wird und für den es einfach nur zum Leben gehört, was da in seinem Bezirk, einer gigantischen, trabantenstadthaften Überbauung, geschieht. Das klingt fast nach Studiofilm per se, ist es aber nicht. Es ist einfach eine eiskalte und sehr realistische Einschätzung der Angelegenheit und das auf einem hohen filmischen Niveau.
Die Aufsplittung in parallel verlaufende, ineinander greifende Erählsequenzen sorgt ausserdem dafür, dass man sich nicht mit langwierigen Beziehungsgeflechten aufhält und sich auf ein Einzelschicksal konzentriert. So ist denn auch Aufmerksamkeit gefordert um die verwirrenden Rivalitäten zuordnen zu können. Ein starker Film und unverständlich, dass es Gomorrha nicht in die Auslandskategorie der Oscars geschafft hat. Die Special Edition enthält neben der Film-DVD eine Bonusdisc mit zusätzlichen Extras sowie das Buch zum Film. Musikalisch gibt es hier allerdings nichts zu holen – es gibt denn auch keinen Musikcredit.
 
Film: - Musik im Film: keine Wertung
phb, 4.4.09 


THE JANE AUSTEN BOOK CLUB
(USA 2007)
R: Robin Swicord
D: Kathy Baker, Maria Bello, Marc Blucas, Emily Blunt u.a.
Musik: Aaron Zigman
Impuls


Um Sylvia über den Verlust ihrer Ehe hinwegzuhelfen, gründet Bernadette einen Buchclub, dem jeden Monat ein anderes Werk von Jane Austen zur Diskussion dient. Die anderen Clubmitglieder sind Allegra, die lesbische Tochter von Sylvia, die junge Lehrerin Prudie, deren Ehe unglücklich verläuft und die Hundenärrin Jocelyn, die auch den einzigen Mann in den Club bringt: Grigg ist Science Fiction Fan und hat noch nie ein Buch von Jane Austen gelesen, verknallt sich in Jocelyn, die ihn aber nur in die Buchrunde geholt hat um um ihn mit Sylvia zu verbandeln...

The Jane Austen Bookclub ist ein wunderbarer kleiner Film über Literatur, Beziehungen und Wirrungen, der mit köstlichen Dialogen und Hingabe zur englischen „Kultautorin“ auftrumpft. Was in anderen Händen schnell zu einer tranigen Liebesgeschichte und Dramen hüben wie drüben hätte ausufern können, hält Regisseur Robin Swicord mit seinem Drehbuch und einem vorzüglichen Ensemble zusammen. Sarkastisch und gut getimed, auch für Nicht-Austen-Kenner absolut empfehlenswert. Aaron Zigmans Score ist peppig-leicht, romantisch und unauffällig und ordnet sich den desöfteren prominent eingesetzten Songs unter. Die erhältliche Varèse CD ist in 29 zum Teil sehr kurze Tracks unterteilt, ein fragmentiertes Hörerlebnis also.
Film: - Musik im Film: 1/2
phb, 5.4.09 


NORDWAND
(D 2008)
R: Philipp Stölzl
D: Benno Fürmann, Johanna Wokalek, Florian Lukas u.a.
Musik: Christian Kolonovits
Impuls


Die Eigernordwand im Berner Oberland fordert bis heute alljährlich ihren Tribut und gilt als einer der am schwierigsten zu erklimmenden Gipfel überhaupt. 1936 war das mit einer unzulänglichen Ausrüstung und wenig Kenntnis vom Berg natürlich noch gefährlicher - doch sich als Erstbesteiger unsterblich zu machen, hielt die Kletterer nicht von diesem Unterfangen ab. Die beiden Deutschen Alpinisten Toni Kurz und Andi Hinterstoisser wollen sich der Herausforderung stellen und olympisches Gold holen, das die Naziregierung anlässlich der Spiele in Berlin für die Erstbesteigung des Eigers in Aussicht gestellt hat. Mit Kurz und Hinterstoisser machen sich auch zwei Österreicher auf den beschwerlichen Aufstieg, beobachtet von Schaulustigen und Reportern, die eine Sensation und propagandistischen Ruhm wittern. Ein folgenschwerer Unfall und umstürzendes Wetter jedoch lassen die Expedition zum reinen Überlebenskampf werden.

Er beginnt gut, der Film von Philipp Stölzl. Tolle Bilder, Charaktere, die ausbaubar wären, imposante Musik, die für die heroischen Gipfelstürmer wie geschaffen scheint. Doch der Film beginnt sich ab der Hälfte unsäglich in die Länge zu ziehen, verliert sich in allzu viel Kitsch und gleitet von einem abenteuerlichen Kinofilm in einen vorhersehbaren und langfädigen TV-Event-Film ab, wo die Darsteller je länger der Film dauert desto eindimensionaler werden. Unsäglich ist auch die eingebaute Liebesgeschichte zwischen Kurz und einer jungen Reporterin. Und nach 100 Minuten kommt schliesslich das Titanic-Gefühl auf („Wann geht das Ding nun endlich unter...?“), wobei Nordwand jedoch weit weniger in Erinnerung bleiben wird, als der melodramatische Eisbergrammer von James Cameron. Auch die Musik von Christian Kolonovits (eine nette Idee sind die musikalisch verarbeiteten Schläge auf die Seilhacken) passt sich an den Abstieg des Films an. Die zunehmenden Spannungsmomente sind monoton, bewegungslos und langfädig gestaltet. Und zum Schluss klingt Kolonovits’ Musik genauso übertrieben wie das fürchterliche Filmfinale ausgefallen ist.
Film: 1/2  - Musik im Film:
phb, 5.4.09  
 
REDBELT
(USA 2008)
R: David Mamet
D: Chiwetel Ejiofor, Tim Allen, Joe Mantegna, Alice Braga u.a.
Musik: Stephen Endelman
Impuls


Eigentlich könnte Jiu-Jitsu Meister Mike Terry ein wohlhabender Mann sein. Doch seine Ablehnung gegenüber den lukrativen Ringkämpfen ist deutlich: Alles getürkt und nicht mit seinem Ehrenkodex vereinbar. Mit seiner kleinen Kampfschule aber schreibt Mike nur noch rote Zahlen. Als er den Schauspielstar Chet Frank kennenlernt, der Interesse an Mikes Wissen zeigt um es in seinem aktuellen Filmzu verwenden, scheint sich seine Situation zu drehen. Durch einen folgenschweren Unfall in seiner Schule und einem Geschenk, dass sich als heisse Ware herausstellt, gerät Mike aber immer mehr in finanzielle Abhängigkeit – er sieht keinen anderen Ausweg als sich, entgegen seiner Philosophie, einem Fernsehkampf zu stellen.

David Mamet war als Regisseur nie ein Garant für Kassenerfolge, doch mit House of Games, The Spanish Prisoner oder Heist zeichnet er für toll geschriebene Filme verantwortlich, die man heute lapidar als „mind-fuck“ Filme bezeichnen würde und von einer kleinen Fangemeinde immer gern gesehen sind. Heute, wo jede TV-Serie versucht mit mehr oder weniger überraschenden Wendungen aufzutrumpfen (Lost ist dabei ein völlig übertriebenes Negativbeispiel), haben es Mamets Filme nicht unbedingt leichter. Und sie sind teilweise auch etwas vorhersehbar geworden, insbesondere wenn man Mamets Schaffen besser kennt. So sucht man schnell mal nach Anhaltspunkten, die für eine dieser Wendungen besorgt sein könnten.

Redbelt ist ein flott inszenierter Mamet-Film, der geschickt Genres vermischt und damit spielt. Eine der Stärken dabei ist neben einem gewohnt kompakten Drehbuch und dem sicheren Erzählstil eine feine Darstellerriege, die wie immer bei Mamet bis ins hinterste Glied gut besetzt ist (immer eine fein Wahl ist Mamets Dauergast Ricky Jay). Redbelt ist gelungener als Spartan, dem letzten Film des Regisseurs und Autors, aber nicht an die Genialität eines Spanish Prisoners heranreichend.

Zum ersten Mal für David Mamet ist hier Stephen Endelman (The Englishman Who Went Up a Hill but Came Down a Mountain) als Komponist tätig. Für Redbelt schrieb Endelman eine spannungsbetonte, asiatisch anmutende Musik für Elektronik, Soloinstrumente wie Gitarre und Klavier sowie einer zünftigen Portion an Taiko Drums. Das passt zum Faible des Films und dürfte insbesondere Fans perkussiver Musik gefallen. (Allzu) Kurze Ausschnitte sind auf stephenendelman.org zu hören.
Film: 1/2  - Musik im Film: 1/2
phb, 5.4.09




 
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