Die unabhängige Filmmusikseite!

Start DVDs DVD: Ken Burns' The War
Print
 
Von Ken Burns stammt die hervorragende Dokumentation The Civil War, die den Sezessionskrieg der jungen Nation mit viel Eindringlichkeit anhand von Einzelschicksalen in Form von Tagebüchern und Briefen zeigte. Fotos liessen die Beteiligten zu greifbaren Personen werden und Ausschnitte des Krieges, ebenfalls in fotografischer Form wurden aufwändig zusammengesucht. In ähnlicher Weise hat Burns nun The War produziert, eine Dokumentation über den 2. Weltkrieg aus der Sicht von Frauen und Männern aus vier amerikanischen Provinzstädten.

Anders als in The Civil War konnten die Filmemacher hier vermehrt auf Filmmaterial anstatt nur auf Fotos zurückgreifen. Im Gegensatz zu vielen „Dokumentationen“ von anderen Fernsehanstalten verwendet Burns auch Material, das nicht überall schon zig Mal gezeigt wurde. Allerdings kommen hier keine „Experten“ oder Autoren zum Einsatz, wie das in der Bürgerkriegs-Doku der Fall war. Das Wort wird den Beteiligten oder Verwandten überlassen, die manchmal in süffisanter Weise von ihren Erlebnissen erzählen, vermehrt aber in nachdenklichen stimmenden Erzählungen auf die Grauen des Krieges eingehen. Abgedeckt wird nicht nur der Krieg in Europa, sondern auch die Vorgeplänkel auf den Philippinen und die Vertreibung der Amerikaner aus dem pazifischen Raum sowie der nachfolgende, verlustreiche Krieg im Pazifik gegen die Japaner. Auch der Industriemaschinerie, die viel der handfesten Tätigkeiten der Frauen verdankt, werden einige Kapitel gewidmet.



 
Burns lässt es ausserdem nicht aus auf kriegsstrategische Belange einzugehen und insbesondere die amerikanischen Generäle zu erwähnen, die für einige der wichtigsten Siege auf Seiten der Alliierten verantwortlich waren. Anders als auf vielen auf DVDs erhältlichen, manchmal lieblos und billig produzierten Weltkriegs-Dokumentationen wissen Burns und sein Team das vorhandene Filmmaterial ausserdem geografisch und auch zeitgeschichtlich (was zum Beispiel an Waffen, Panzern und Uniformen zu erkennen ist) richtig zuzuordnen.

So entstand eine eindringliche, oft zermürbend nachdenklich stimmende Doku von über 700 Minuten Länge. Das ist viel Material, das man sich gut einteilen sollte um der in einer gewollt bedächtigen Erzählform gehaltenen Thematik mit der gebotenen Aufmerksamkeit folgen zu können. Die Deutsche Fassung (ein Manko, denn einzig diese findet man leider auf dieser Ausgabe) wurde für ARTE produziert.

Aus musikalischer Sicht ist The War weniger interessant, da hatte Civil War trotz (oder vielleicht wegen?) der Einbindung vieler Traditionals in manchmal sehr gelungenen Arrangements ein bisschen mehr zu bieten. Jazzmusiker Wynton Marsalis (ja, der Bruder von Brandford Marsalis, Saxophonist aus Sneakers) schrieb allerdings auch etwas Originalmusik. Teile davon, viele in die Ära passenden Swingstücke aber auch klassisches Material wurden auf insgesamt 4 verschiedenen CDs von Legacy/Sony veröffentlicht: The War: Songs without Words, The War: The Soundtrack (3 Scoretracks), The War: Sentimental Journey – Hits from from the Second World War, The War: I’m Beginning to See the Light – Dance Hits. Man sieht, die PR-Machinerie wurde kräftig angekurbelt, Ken Burns weiss wie er seine aufwändigen Dokumentationen vermarkten kann.
 
Bewertungen

Film:

Musik im Film:
1/2
Extras:
-
Technisch: 
 Bild:1/2   
 Ton:1/2     

 phb, 3.2.2009

 




 
Template by Ahadesign Powered by Joomla!