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Watchmen: Ein Kommentar Print
Schauen, staunen, hinhören?
 
Es zieht mich weniger in die Kinos als auch schon. Einerseits hat das mit den recht hohen Eintrittspreisen zu tun (in der Schweiz zahlt man locker 12 Euro für einen Besuch), andererseits damit, dass wir zu Hause ein schönes Heimkino haben, in dem ich ungestört von Popcormampfern, Dreinschwatzern und Gelegenheitshustern einen Film geniessen kann – und das in einer gleichbleibend hohen Bild- und Tonqualität.

Einzelne Filme, die ich aber auf der ganz grossen Leinwand sehen möchte, ziehen mich immer mal wieder in die grossen Säle. Ein Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull etwa. Oder kürzlich die Comicverfilmung Watchmen. Allerdings liegt das in diesem Falle nicht wie bei Indy IV am Regisseur als vielmehr an der Vorlage an sich.
 

 
300 = Watchmen?
Watchmen gehört mit den oftmals so menschlichen Helden, abgesehen von einem Dr. Manhattan freilich, und ihren ebenso menschlichen Abgründen wie Gier oder unbeherrschtes Ego zu den interessantesten Superheldencomics. Inwiefern kann ein Filmemacher wie Zack Snyder, der sich mit dem Testosteron überfrachteten, blutzspritzenden Spektakel 300 als visuell standfester und FX-geübter Regisseur einen Namen machte, eine fast philosophische, fordernde Umsetzung von Watchmen bewältigen? Er konnte es mal besser, mal weniger gut. Einerseits profitiert Snyder von der tollen Geschichte, andererseits verstrickt er sich im 160 Minuten dauernden Film auch in der ein oder anderen Belanglosigkeit (die Liebesgeschichte zwischen Night Owl und Silk Spectre...). Einerseits gelingt es ihm den Kern der Comicvorlage an einigen Stellen zu erreichen und den kantigen Charakteren ein „Gesicht“ zu geben, andererseits unterliegt er der allgemein zu beobachtenden Manie ein fast endloses Finale zu inszenieren. Einerseits haben wir handfeste Action, andererseits nicht immer gelungene CGI-Effekte (Dr. Manhattan vermag nicht immer zu überzeugen).
 

 
Die Leiden der Filmmusik-Fans
Doch was haben wir als Filmmusikfans von Watchmen? Leider sehr wenig. Als Komponist wurde Tyler Bates engagiert, der uns zuletzt die Ohren mit The Day the Earth Stood Still oder Day of the Dead zudröhnte. Aber Bates kriegt es nicht nur mit Toneffekten und einer gewissen Ideenlosigkeit seinerseits zu tun, sondern auch mit einer ganze Reihe von Songs und Musiken anderer Komponisten. Die Songs unterstreichen recht aufmüpfig das 80er Jahre Feeling des Films (Watchmen spielt sozusagen in einer was-wäre-wenn-Parallelwelt) und so trällert Nena „99 Luftballons“, in German versteht sich, und Simon & Garfunkel geben kräftigst „The Sounds of Silence“ zum besten - was dann wiederum weniger mit den 80ern zu tun hat, der Song stammt aus den 60er Jahren. Doch der Film hält diverse Rückblenden bereit, mit das beste in Watchmen übrigens, und so sind dieses und Lieder von Bob Dylan natürlich durchaus passend zu verstehen. Überhaupt, das darf man sicher sagen, hat es schon schlechtere (aber auch etwas leisere) Einsätze von Songs in Filmen gegeben. Mit integrierten und umarrangierten Stücken wie Philipp Glass’ „Prophecies“ aus Koyaanisqatsi wird das kunterbunte Potpourri zusätzlich durchmischt.

Aber worauf will ich hinaus? Die Zeiten, in denen Superhelden-Filme uns Filmmusik-Liebhabern deftige Kompositionen mit Themenarbeit und flottem Wiedererkennungseffekt bescherten sind vorbei. Das wird uns mit eigentlich jeder neuen Comicverfilmung vergegenwärtigt und ist nicht erst seit Watchmen oder Dark Knight Fakt. In einen solchen Film zu pilgern um uns akustisch verwöhnen zu lassen, ist zu einem hoffnungslosen Unterfangen geworden. Das ist insofern schade, als dass ein Abebnen dieser Verfilmungen, auch entgegen meiner Erwartungen gebe ich zu, kaum festzustellen ist. Comicverflimungen haben als Genre Fuss gefasst in der Filmgeschichte und wir können leider nur in wenigen Fällen davon proftieren. So klingeln uns die gepflegten Hörgänge zwar wenn wir das überlaute THX-Kino nach dem Film verlassen. Aber „leider“ liegt das kaum mehr am Score...
 
phb, 11.3.2008
 
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