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Start DVDs 2016: DVD/bluray komprimiert 27
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DVD Rezensionen

Phils DVD/bluray komprimiert 27/2016



Beginnen wir den Reigen mit dem letzten 007 Abenteuer,
Spectre, dem eine gewaltige PR-Maschinerie vorausging. Überall war Daniel Craig zu sehen. Parfüm, Champagner, ja sogar die Waffenschmiede Walther - James Bond benutzt traditionellerweise eine Walther PPK (Ausnahmen bestätigen die Regel: P5 in Octopussy und Pierce Brosnan ab Tomorrow Never Dies mit einer P99) - widmete eine Kollektion dem neuen Film. Und trotz alledem konnte Spectre einspielmässig nicht an den Vorgänger Skyfall anknüpfen. In die Geschichte wird Bond 24 aber als teuerster 007 aller Zeiten eingehen, geschätzte 350 Mio. $ soll er gekostet haben. Wahnsinn! Man darf sich fragen wo das hinführen soll?
Zum Film:
Spectre ist ein gutes Bond-Abenteuer, in dem Daniel Craig den knallharten Charakter weiterführt, den Brosnan nadeutungsweise und Craig fest in die Reihe etabliert hat. Als Gegenspieler tritt Christoph Waltz auf, der allerdings erstaunlich wenig Screenzeit hat. Zur Seite steht James Bond die Französin Lea Séydoux, die mit dem wunderschönen La vie d'Adèle den ganz grossen Durchbruch schaffte. Es ist zu hoffen, dass dieser Aufstieg nicht mit einem Bond-Film endet – auch das hat es schon gegeben. Nebst seinem Riesenbudget ist Spectre auch der bisher längste 007, fast zweieinhalb Stunden Dauer. Eine Tatsache, die dem Film, nebst einer deftigen, vielleicht zu deftigen Überraschung, hie und da vorgeworfen wurde. Mir hat die Länge nichts ausgemacht, im Gegenteil, Sam Mendes zieht die Sache recht zügig durch, Craig ist gut drauf, Waltz fies wie immer, M und insbesondere Q eine wirklich gelungene Zugabe und die Gadgets halten sich auch in Grenzen.
Es wurde gemunkelt,
Spectre sei möglicherweise der letzte Auftritt als Geheimdienst Ihrer Majestät von Daniel Craig, doch wir werden ihn in Bond 25 mit Sicherheit nochmals sehen. Vielleicht klappt es dann auch mit Christopher Nolan auf dem Regiestuhl?
Thomas Newman ist ein feiner Actionscore gelungen. Wo
Skyfall so manchen musikalischen Hänger hatte, schafft es Newman hier mehr Pepp in die Angelegenheit zu bringen (mehr dazu in Basil Böhnis CD-Kritik).




Robert Redford ist bekannt dafür Rollen anzunehmen um seine eigenen Projekte zu finanzieren. Bei
A Walk in the Woods fungiert er allerdings auch als Produzent, was es ein wenig unverständlicher macht, wie diese Verfilmung des gleichnamigen Romans von Bill Bryson herausgekommen ist. Zwei in die Jahre gekommene Herren entscheiden sich den Appalachian Trail, der von Maine nach South Carolina führt, das amerikanische Äquivalent zum Jakobsweg, zu bewandern. Dabei erleben sie nicht nur kuriose Mitwanderer sondern auch so manch zu erwartend Unerwartetes wie Bären, unbequeme Zeltnächte und Wetterumbrüche.
Man fühlt sich zum ein oder anderen leichten Grinsen hingerissen, staunt darüber wie kaputt Nick Nolte inzwischen aussieht und ist überrascht wenn der Film einfach so und irgendwann, gefühlt mitten drin, aufhört. So verlässt man
A Walk in the Woods ziemlich unbefriedigt, obwohl man den beiden alten Haudegen gerne zuschauen würde, eigentlich... Beim Zuhören tut man sich schon etwas schwerer, vor allem bei Nick Noltes Whisky geschwängertes Gemurmel.
Nathan (
Lilya 4 Ever) Larsons Musik fügt sich mit seinem Country/Bluesfeeling gut in die schönen Landschaften und Gemütslagen ein, fragt sich ob sie abseits des Films Beständigkeit hätte. Jedenfalls ist die Musik bei Varèse Sarabande erschienen.




Michael (
Dexter) Cuestas Kill the Messenger beruht auf dem Tatsachenroman von Gary Webb, dessen Enthüllungen die CIA, die massenweise Kokain in heimischen Ghettos verkaufte um den Krieg in Nicaragua zu finanzieren, erneut in ein schlechtes Licht stellte. Eine Thematik, die den Film in den USA wahrscheinlich von vornherein zum Misserfolg stempelte und bei uns fast gänzlich unbekannt war. Umso aufschlussreicher ist die Geschichte deshalb in unseren Landesbreiten, alleine ändern wird auch dieser, wie so viele ähnliche gelagerte Filme leider nichts.
Jeremy Renner als Journalist Gary Webb, dessen Porträt auf dem Cover mich immer irgendwie an Sean Penn gemahnt, vermag es einen Film durchaus selber zu stemmen, das kann er in diesem Journalistenthriller zeigen. Es ist für Renner wahrscheinlich auch eine willkommene Abwechslung von den unzähligen Actionrollen, die er in
Avengers, Bourne und Mission: Impossible vertreten muss.
Nathan Johnsons Musik, der zuvor etwa den Bruce Willis Knüller
Looper vertonte, ist lediglich als Download erhältlich.
1/2



Anstelle der einst angekündigten Fortsetzung von
Prometheus entschied sich Ridley Scott für eine andere Science Fiction Story, The Marsian. Wahrscheinlich nicht der dümmste Entschluss, schliesslich erntete der Brite für das Alien-Prequel alles andere als Lobeshymnen. Hier nun spielt Matt Damon einen Astronauten, wunderbar in seiner Rolle als Robinson Crusoe on Mars, der bei einem Notstart auf dem Mars zurückgelassenen wird und fortan von dem Leben muss, was ihm als Biologe so alles einfällt. Kartoffeln ziehen mit menschlichen Exkrementen als Superdünger erscheint dabei nicht mal so weit hergeholt. Problematischer ist es mit der Erde Kontakt aufzunehmen, nicht zuletzt weil man ihn längst für tot hält.
Mehr als verwunderlich gewann
The Martian den Golden Globe als beste Komödie, nicht unbedingt ein gutes Zeichen für diesen mehr prestigträchtigen denn wichtigen Preis der Auslandsjournalisten Hollywoods. Sicher, es gibt einiges zu Schmunzeln, aber wenn The Martian eine Komödie ist, dann ist Heidi ein Science Fiction Drama. So oder so ist The Martian ein rundum gelungenes Ereignis, abgesehen von einem sicher nicht ganz befriedigenden Ende. Klasse gemacht, anderes ist von Scott sicher nicht zu erwarten, und gut besetzt mit ebenso gut aufgelegten Jeff Daniels, Jessica Chastain, Michael Peña, Sean Bean uvm.
Nachdem Harry Gregson-Williams bereits bei
Prometheus in höchsten Nöten eingesprungen zu sein schien und Teile der Musik von Marc Streitenfeld, der es nebst Hans Zimmer auf die meisten Einsätze als Komponist bei dem nicht einfachen Regisseur geschafft hat, ersetzte, erhielt nun wieder Gregson-Williams das ganze Vertrauen. Fast. Im Film sind einige Songs sehr prominent eingesetzt und durchaus für den ein oder anderen Gag gut; die erste CD erhielt denn auch ausser eines Tracks nur Songs. Wohl nicht zuletzt weil der Film so erfolgreich war, kam mit dem DVD/bluray Release eine Doppel-CD heraus, aufgeteilt auf Songs und Score.




Sei es die scheinbar unendlichen
Rocky-Saga (Creed ist der neuste „Auswuchs“ der Reihe, dieses Mal mit Slyvester Stallone nicht in Boxershorts sondern in der Ringecke), Scorseses grandiosem Raging Bull, dem Biopic Ali, Million Dollar Baby oder The Champ – Boxerfilme gibt es viele und alle paar Jahre taucht wieder einer auf. Viele verfolgen die selbe Storyline: Underdog will Weltmeister werden, Weltmeister fällt tief, Comeback. Oder so ähnlich. Auch der Art und Weise im Boxring zu drehen, sind wohl nicht zuletzt der beengten Verhältnisse wegen Grenzen gesetzt. Die kann auch Southpaw nicht sprengen. Auch wenn die Geschichte für einmal ein wenig anders beginnt, am Ende bleibt alles beim Alten: Billy Hope ist Weltmeister, der durch einen Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen wird und nochmals eine Chance erhält. Das leidige an den meisten Boxerfilmen ist die Szenerie des letzten Kampfes: Unser Held kommt arg unter die Räder, erhält einen moralischen Kick und verdrischt schliesslich seinen Gegner.
Wäre
Southpaw nicht einer von James Horners letzten Arbeiten und ein Film von Antoine Fuqua (Training Day), ich weiss nicht ob ich mir diesen angesehen hätte. Nicht, dass man allzu viel verpasst hätte, ausser einer zweifesohne beachtlichen Leistung von Jake Gyllenhaal. James Horners zumeist elektronischer Score hat im Film keinen leichten Stand. Da prasselt so mancher Song recht laut auf den Zuschauer ein oder, wie im langen Finale, die Tonspur ist sonst schon üppig besetzt. Immerhin kann Horner da und dort das Drama um Billy Hopes schwierigen Lebensabschnitt auffangen. Zum CD-Review.




Everest greift die dramatischen Ereignisse am Mount Everest vom Mai 1996 auf, an welchen Bergsteiger aus diversen Nationen ums Leben kamen. Der Film nimmt einige Male eine befremdlich einseitige Stellung (nebst der fragwürdigen Tatsache wie man sich als Mensch, Vater, Bruder, Sohn überhaupt einer solchen Gefahr aussetzen kann), aber auch die TV-Adaption Into Thin Air (nicht vom selben Autor) war davon nicht ganz freizusprechen. Dennoch ist letzterer trotz deutlich geringerem Budget eigentlich packender als Everest, der seinerseits nicht ohne Styroporeisgebilde und nicht ohne manch stereotypem Charakter auskommt. Wieder ist Jake Gyllenhaal zu sehen, nebst ihm agieren unter anderen Josh Brolin, Emily Watson, Robin Wright und Keira Knightly. Die Ausgangslage verspricht viel, alleine einhalten kann Baltasar Kormakurs Film diese nicht.
Dario Marinelli, vor sechs Jahren Oscargewinner für
Atonement, als Komponist eines Films mit wuchtigen Aufnahmen des Himalaya Gebirges, welch spannende Voraussetung. Leider kann auch er die Erwartungen nicht erfüllen. Vieles ist 08/15 schau-wie-dramatisch-Getöse mit viel Trommelbumm-bumm (authentisch nepalesisch-pakistanischen Ursprungs – oder so...), fast fühlt sich der Schreiber gemüssigt Zimmer meets Mount Everest zu schreiben.
1/2



Alex Garland hat sich mit seinen Filmstorys zu
28 Days Later oder Sunshine 
einen Namen gemacht,

ausserdem stammt der Roman The Beach (mit Leonardo DiCaprio verfilmt) seiner Feder. Ex_Machina ist sein Erstling als Regisseur. Ein junger Programmierer gewinnt einen firmeninternen Wettbewerb und darf zum Big Boss, in die völlige Abgeschiedenheit, persönlich reisen um dessen geheimem Projekt beizuwohnen. Dort soll er herausfinden ob die von Nathan erschaffene Ava mit ihrer künstlichen Intelligenz durchfällt oder nicht.
Ex_Machina ist ein sauber gespieltes Kammerspiel, eine bestechend geschriebene Zukunftsvision, die gleichzeitig Angst macht und verblüfft. The Force Awakens Fans dürfte interessieren, dass Oscar Isaac, der in Episode VII den Piloten Poe Dameron spielt, hier den Fiesling gibt - und das macht er wirklich mehr als nur ansprechend. Ben Salisburys und Geoff Barrows Musik wissen sich in Garlands Vision mit fast analog anmutenden Klängen einzufinden. Der Score ist bei Invada Records in einer längeren und als Backlot download in einer kurzen Version zu erstehen.





In Sicario wird eine engagierte FBI-Agentin in eine Spezialeinheit der Drogenbekämpfung an der amerikanisch-mexikanische Grenze berufen. Dort fühlt sie sich allerdings eher als fünftes Rad am Wagen und ist blass erstaunt, als ihr erster Einsatz nicht auf heimischem Boden sondern in einem anderen Land statt findet. Alles andere als die übliche Vorgehensweise beim FBI.
Ein düsterer Thriller des Kanadiers Denis Villeneuve (Prisoners, Incendies) über den eskalierenden Drogenkrieg zwischen den USA und ihrem südlichen Grenzstaat mit einer starken Emily Blunt als verunsicherte, aber nie verletztlich wirkende FBI-Agentin, Benicio Del Toro als unnahbar mysteriöser Agent, der jederzeit Freund oder Feind abzuknallen im Stande scheint, Josh Brolin als raubeiniger Einsatzleiter, der mit Flip-Flops am Besprechungstisch sitzt und bei dem man nie so genau weiss, was er im Schilde führt. Villneuves Film wirkt immer bedrückend und zwielichtig, das liegt zum einen an der Zeichnung der Charaktere, der Umsetzung irgendwo zwischen Action- und Kunstfilm sowie nebst Roger Deakins eindrücklicher Kameraarbeit auch an Johan Johanssons beeindruckend schwellender Musik, die so komplett anders ist als seine Komposition zu
The Theory of Everything. Zu spät angekommen um sie in meinen Top Ten 2015 einzufügen (irgendwann muss man den Schlussstrich ziehen) ist Johansson ein Score von unheimlicher Intensität gelungen, packend und klaustrophobisch wirkend, den Zuschauer fast an der Gurgel packend.Eine Musik, die umso besser auf CD wirkt, hat man Sicario gesehen. Grossartiger Film, grossartige Filmmusik.
1/2

 

 

 
phb
, 23.2.2016

 


 
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