Independence Day (Lalaland)

«Schon ganz früh sagten wir, was wir uns wünschen, denn wir wollten eine sehr altmodische, grosse Filmmusik mit sehr klaren, leicht erkennbaren Themen», erklärt Dean Devlin, Autor und Produzent von Roland Emmerichs Independece Day, und diese Forderung erfüllte David Arnold vortrefflich und, wie es scheint, mit links, wenn man bedenkt, dass es sich um seinen erst vierten Score handelte. Damit sorgte der relative Newcomer, der schon bei Stargate ‒ der ersten Zusammenarbeit mit Emmerich ‒  aufhorchen liess, mit dem Sommerblockbuster von 1996 bereits für ausserordentlich viel Furore.

In der Tat ist ID4 im thematischen und dramatischen Aufbau saugut gemacht, und David Arnold weiss Riesenorchester und Chor wirkungsvoll zu strukturieren. Obwohl Einflüsse von Wagner, Williams und Horner (der Temptrack des Films bestand zu einem grossen Teil aus Apollo 13) nicht verleugnet werden, haben wir es hier mit einem Komponisten zu tun, der schon sehr selbstbewusst und konsequent seine eigene Stimme durchzusetzen vermag.

Die Story des Films dürfte hinlänglich bekannt sein. Nachdem Ausserirdische eine verheerende Invasion starten, um die Erde in die Knie zu zwingen, stehen ein paar aufrechte Amerikaner unter Führung ihres Präsidenten zusammen, und mit vereinten Kräften gelingt es ihnen, den Aliens gehörig in den Arsch zu treten. Dass dabei ein deutscher Regisseur und ein englischer Komponist den Amis bei dieser Art von Überpatriotismus praktisch den Rang ablaufen, ist wohl keineswegs unbeabsichtigt.

Es gibt also mit militärischen Rhythmen, Trompetensignalen, Piccolos und Marsch-Themen reichlich Musik, die geradezu die flatternden Stars and Stripes vor dem geistigen Auge heraufbeschwört. Das ist aber längst nicht alles, denn im Wechsel mit einem markanten, logischerweise bedrohlichen Alienmotiv gibt es auch romantische und nachdenkliche Momente sowie Spannung, Dramatik und Action, jede Menge Action. Und letztlich ist da noch der Chor, der unter anderem das Orchester bei spacigen Ausflügen unterstützt.

Lohnt sich die Anschaffung dieser neuen Doppel-CD, wenn man bereits das Originalalbum besitzt? Wer der Meinung ist, Letzteres sei des Guten sowieso schon viel zu viel, braucht nun nicht unbedingt weiterzulesen. Den anderen kann ich die Frage guten Gewissens mit Ja beantworten, denn der Score kommt auch in kompletter Form überraschend gut über die Runden und lässt kaum einmal Langeweile aufkommen.

Auf der ersten CD halten sich alte und neue Tracks in etwa die Waage. Bei den Neuzugängen ist vor allem auf das bisher sträflich vernachlässigte, wehmütige und leider zu selten und zu kurz eingesetzte Thema für die First Lady hinzuweisen, und auch Weddingist ein willkommener Ruhepol, der die Musik einen Moment zu Atem kommen lässt.

CD 2 hingegen besteht überwiegend aus bisher unveröffentlichtem Material. Die den entscheidenden Schlag gegen die Aliens begleitende Musik bleibt in Sachen Bombast nichts schuldig und streift in ihrem Übermut schon mal korngoldsche Swashbuckler-Gefielde. Mit dem triumphierenden Victory kommt es dann zum Finale Grande vor dem Finale Grande, den neunminütigen End Credits, die im Verbund von Orchester und Chor so hemmungslos und glorios enden wie wahrscheinlich kaum sonst etwas in der jüngeren Filmmusikgeschichte. Danach folgt eine stolze Anzahl Bonustracks, die für sich genommen nochmals einen kleinen, alternativen Score bilden.

ID4 mag kein besonders tiefgründiges oder richtungsweisendes Werk sein, ist aber beispielhaft dafür, was möglich ist, wenn ein talentierter Komponist die Möglichkeit kriegt, sich im grossen Rahmen und ohne Rücksicht aufs Budget zu entfalten. Das Resultat ist jedenfalls eine der unterhaltsamsten Filmmusiken der 1990er-Jahre, die für mich dank ihrer nachhaltigen Themen auch heute noch nichts von ihrer Attraktivität eingebüsst hat.

Andi, 17.7.2010

 

INDEPENDENCE DAY

David Arnold

La-La Land Records LLLCD 1113

CD 1: 65:31 / 22 Tracks
CD 2: 63:34 / 20 Tracks

 

 

 

 

 

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