I, the Jury

Bill Conti passiert eine kleine Renaissance auf dem Filmmusikmarkt. Eine Zeit lang bekam man beinahe das Gefühl, jeden Monat würde ein Conti Score von den bekannten Labels kommen. Nun, es ist ein bisschen ruhiger geworden und die ein oder andere Enttäuschung war zuletzt auch darunter, so litt The Fourth Warunter der zu offensichtlichen elektronischen Beigabe, der die Orchesterparts fast erdrückte, während Five Days from Home das kleine Budget wahrlich anzuhören war.

Mit dem 1982er Thriller I, the Jury, in der Armand Assante als Privatdetektiv Mike Hammer das Gesetz in die eigenen Hände nimmt, hat La-La Land nun eine weitere Duftmarke in Sachen Bill Conti gesetzt – und dieses Mal ist dabei was wirklich hörenswertes herausgekommen, wenn man Jazz, Rauchigkeit, Improvisationen und sogar Chopin nicht abgeneigt ist.

Bill Conti beginnt mit dem temposchwangeren „Main Title“, in dem wir gleich zu Beginn eines der Hauptthemen (mit Chopin Einfluss, wie wir später erfahren werden) und im Verlaufe des Tracks auch das Titelthema, gespielt in extrem hohen Blechregistern, hören. Ein wirklich pfundig leckerer Track mit viel Kraft und Energie und dem gehörigen Mix aus Jazz und Funk (für letzteren ist die E-Gitarre verantwortlich). Ins gleiche Horn bläst „Rummy Run“, eines der Highlights des Scores.
Aber auch der famose Track „Widow’s Wake/Window Watcher/Tails Tale“, der einen ersten Hauch an Improvisation erahnen lässt: Solosaxophon! Diesbezüglich ist in dem bereits erwähnten „Rummy Run“ aber auch in „Closet Cache“ und „Concrete Chase Conclusion“ einiges vorhanden.

In Tracks wie „Daisy Cuttings“ geht Conti einen interessanten Weg mit perkussiver Spannungsmache und orchestralen Einflüssen, ein Stück weiter entfernt vom Jazzsound à la „Mike’s Early Exit“. Witzig ist die Peter Gunn Einlage in „Romero’s Wrong Way“, inklusive genialem Hi-Hat Spiel von Steven Schaeffer. Ein Beweis in Sachen Abwechslung ist „The Wooden Arm“ mit seinem verrauchten Charme und dem Übergang in das upbeat Ende.

80er Feeling kommt mit dem Einsatz von Synthie-Bass und E-Bass auf, insbesondere die Verwendung von Synthieklängen („Two Guard Takedown“) lässt durchaus die Ära – eines ansonsten zeitlosen Scores – erahnen, in der die Musik entstanden ist.

Mitte des Scores verändert sich die musikalische Landschaft plötzlich. Zuerst ist in „Beni Hana Bounce“ chinesische Musik zu hören, danach folgt in Track 12 eine Chopin Nocturne, (die Nr. 11), Klavier gespielt von Mike Lang, das um Minute 3 in Contis Thema übergeht, kurz wieder zurück findet und schliesslich mit Contis Thema und dem Einsatz des Orchesters inklusive Saxsolo schliesst. Die Verbindung mit Chopin und Contis Thema ist speziell und in der Tat hübsch gemacht. Es wäre interessant in Verbindung mit dem Film zu erfahren, wie dies in den Bildern rüberkommt.

Mit I, the Jury hat wirklich ein toller Score in den Archiven geschlummert, der nur wenigen bisher bekannt war, auch weil der Film eher ein Dornröschendasein fristete. In Sachen Score ist das definitv zu unrecht geschehen. Also, Freunde von Jazz à la Schifrin und auch ein wenig Isaac Hayes Funk dürften hier absolut ihren Gefallen finden. Ich jedenfalls tue es und als Jazzliebhaber kommt mir I, the Jury gerade recht. Eine der ganz grossen und willkommenen Überraschungen des üppigen Filmmusikjahres 2013 (inklusive eines tollen, spannend geschriebenen Booklets mit guten Hintergrundinfos!).

Phil, 10.11.2013

 

I, THE JURY

Bill Conti

La-La Land Records LLLCD 1275

60:33 Min. / 32 Tracks

Limitiert auf 2000 Stk.

 

 

 

 

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