The Hunger Games: Mockingjay Part 1

Seit James Newton Howard 2012 das Komponisten-Duo Danny Elfman und T-Bone Burnett in letzter Sekunde abgelöst und innert drei Wochen eine Filmmusik für The Hunger Games komponiert hatte, sitzt er fest im Franchise-Sattel. 2013 setzte er mit The Hunger Games: Catching Fire seine Reise in Panem fort und nun folgt konsequenterweise seine Filmmusik zum ersten Teil des Mockingjay-Franchise-Finales. Während seine Musik für den ersten Teil mit Rue’s Farwell und dem Stück Horn of Plenty – das jedoch nicht von Newton Howard stammte – zwei sehr schöne und eingängige Musikmomente bot, war der Rest des Albums mit eher wenig motivierter, dunkler und routinierter Suspense-Musik mit keltischem Touch belegt. Aufgrund der Last-Minute-Umstände erlaubte man sich jedoch keine allzu grosse Enttäuschung hierüber. Enttäuschend hingegen war dann die Musik zu Catching Fire, für die Newton Howard scheinbar knapp ein halbes Jahr Zeit gehabt haben soll, jedoch dennoch primär anonyme Action- und Spannungs-Musik lieferte – und diese auf einem überlangen 75-Minuten-Album. Nun folgt Mockingjay – Part I und dieser bietet nun (endlich) ein schönes Musikprogramm mit Action- und Suspense-Musik sowie zwischenzeitlich ausgegorenen Themen und klangschönen, dramatischen Stücken. Damit ist James Newton Howard die bis dato unterhaltsamste Hunger Games-Musik gelungen und die Vorfreude auf Mockinjay – Part II (2015) darf aufflackern.

Das Album eröffnet mit dem mysteriösen Stück The Mockingjay, in dem Newton Howard ein schönes, sehnsüchtiges Thema, das von Entschlossenheit und Hoffnung erzählt, präsentiert. Vom Stil her könnte dieses Stück aus dem I Am Legend-Soundtrack stammen – Streicher, Blech und Chor sorgen für einen stimmungsvollen Auftakt. Im zweiten Stücke kommt mehr Bewegung in die Musik, wobei diese im gewohnten Blockbuster-Score-Stil mit Streicher-Ostinati und leichtem Synthi-Pulsieren generiert wird – nicht wahnsinnig originell, aber es funktioniert. Das Stück District 12 präsentiert ein schöner, Requiem-ähnlicher Gesang, der im Score mehrmals vorkommt und stets die massakrierte Heimat von Katniss porträtiert und entsprechend schwermütig und kühl daher kommt. Hier zeigen sich die „Erben“ keltischer Musikideen aus dem ersten Score am deutlichsten. Ein nächstes Highlight ist Katniss‘ Nightmare, welches ein berührendes, zartes Liebesthema präsentiert – alles andere, als was man hinter einem solchen Stücktitel vermuten würde.

Die wohl mitreissendste Musikidee präsentiert sich im Stück The Hanging Tree, welches gemäss CD-Booklet nicht von Newton Howard komponiert wurde, dessen Orchestration jedoch so sehr nach Newton Howard klingt, dass es kaum von jemand anderem stammen kann. The Hanging Tree eröffnet mit einem melancholischen Volkslied, das von Katniss (Jennifer Lawrence) zu Beginn solo gesungen wird, sich jedoch während den knapp vier Minuten Spielzeit zu einem fantastischen Revolutions-/Aufstands-Aufruf entpuppt, da die Melodie zunehmend vom Orchester und Chor aufgegriffen wird und an epischer Kraft gewinnt. Dieses Stück krallt sich im Ohr regelrecht fest und man dürfte es während Tagen (und Wochen) nicht mehr „loswerden“ – ein Highlight des Filmmusikjahres 2014. Mit Air Ride Drill liefert James Newton Howard dann auch noch ein Action-Leckerbissen, den man ebenfalls immer wieder gerne anhört.

Ein Hauptproblem des Albums kommt mit dem letzten Drittel daher: dieser ist enttäuschend farblos und kühl. Wie auch der Film selbst, so scheint auch Newton Howard hier überwiegend Spannungs-Übungen zu machen, damit der Plot für den Part II vorbereitet werden kann. Die Stücke Jamming the Capitol und Inside the Tribute Center werden von befremdlich präsenter Electro- und Füller-Musik dominiert, die wenig attraktiv ist und auch die finalen Stücke They’re Back und Victory bleiben entgegen den vielversprechenden Titeln verhalten. Hier wäre ein etwas packenderer Schluss – bspw. in Form einer summarischen Orchester-Suite während den End Credits toll gewesen. Unter dem Strich ist James Newton Howard für Mockingjay – Part I jedoch ein unterhaltsamer Score gelungen, den man sich gerne mehrmals anhört. Mit dem Programmieren der Stücke 1, 2, 3, 6, 7, 11 und 13 kann man sich zudem die Highlights in gestraffter Form anhören.

Basil, 2.12.2014

 

THE HUNGER GAMES: MOCKINGJAY – PART 1

James Newton Howard

Republic Records (Universal Music)

69:27 / 23 Tracks

 

 

 

 

 

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