Heroes of Telemark / Stagecoach

Böse Zungen behaupten, Malcolm Arnold habe ‒ zumindest in seinen Kriegsfilmscores ‒ stets das gleiche Thema wiederverwendet. Das stimmt natürlich nicht, auch wenn sich der englische Komponist vielleicht «never change a winning horse» gesagt haben mag, denn immerhin brachte ihm seine Musik zu The Bridge on the River Kwai ‒ eine The Heroes of Telemark nicht unähnliche Komposition ‒ den Oscar ein.

Kenner werden deshalb schon nach den ersten Takten von The Heroes of Telemark den Komponisten zu identifizieren wissen. Im Film von 1965 geben Kirk Douglas und Richard Harris norwegische Widerstandskämpfer, die die Nazis an der Gewinnung von Schwerem Wasser, das für die Entwicklung von Kernwaffen benötigt wird, zu hindern versuchen. Der Main Title ‒ gespickt mit Triolen und Fanfaren ‒ präsentiert teils grimmig, teils majestätisch das Hauptthema, das zusammen mit einem folgenden, deutschen Marschlied den Hörer sogleich in den verschneiten Kriegsschauplatz der Provinz Telemark katapultiert. Dieses Hauptthema bildet das Rückgrat des Scores, wird von Arnold in den verschiedensten Stimmungen und Schattierungen in die von ruheloser Dramatik beherrschte Musik eingearbeitet; eine Dramatik, von der selbst das Love Themedurchsetzt ist. Konsequent durchgezogen, kann man da nur sagen.

Wobei es dann doch ein paar Ausreisser gibt: German Army Band, ein kurzes Intermezzo mit deutscher Blasmusik, das auf norwegisch gesungene Silent Nightsowie der siegesbewusst gepfiffene und gesungen Auftakt der End Titles, die diesen zwar routinierten, aber durchaus hörenswerten Arnold-Score triumphal beschliessen.

Bei Stagecoach (1966) handelt es sich um ein Remake des Ford/Wayne-Klassikers mit Staraufgebot. Für die Musik zeichnet Jerry Goldsmith verantwortlich, und dies ist ein für ihn eher unüblicher Westernscore, verzichtet er doch weitestgehend auf Action (die es zwar im Film gibt, aber ohne Musik unterlegt wird), sondern konzentriert sich mehr auf die Romantik.

Mundharmonika, Maultrommel, Gitarre, Akkordeon, Trompete und Banjo gehören zu den Hauptakteuren, und sie beschwören, das wird bereits zu Beginn des goldschmissigen Main Title ersichtlich, zuweilen Südstaaten-Stimmung herauf. Viele solistische Einlagen verbreiten Stimmungen wie Zärtlichkeit, Intimität, Fröhlichkeit und Sehnsucht, es gibt aber auch düsterere Klänge, man beachte etwa die Mundharmonika in The First Born And Escape Route oder The Aftermath. Und manchmal gibt es Momente wie in A New Passenger And The Reward, da kommt es schon fast zum Schulterschluss mit den Westernmusiken von Elmer Bernstein.

Vorliegende Aufnahme ist eine nachträglich eingespielte Albumversion, sie soll sich jedoch ‒ so habe ich mir sagen lassen ‒ nicht sonderlich von der Filmversion, die einst von FSM auf einer längst vergriffenen CD veröffentlicht wurde, unterscheiden. Ob das auch für die zwei Tracks mit Vokalist und Chor gilt? Während in Stagecoach Theme ein eher traditioneller Chor zu hören ist, wird es in Stagecoach To Cheyenne moderner, will heissen à la Popmusik der Sixties. Wie dem auch sei, dem Genuss, den diese halbe Stunde Goldsmith bietet, tut dies keinen Abbruch.

Die beiden hier vereinten Filmmusiken wurden ursprünglich von Mainstream veröffentlicht; ein Label, das sich, was den Klang betrifft, nie mit Ruhm bekleckerte (man denke nur an die CD-Prämieren von Bernsteins Ava-LPs), und insbesondere The Heroes of Telemark hatte es diesbezüglich ganz arg erwischt. Wunder darf man auch jetzt bei dieser Intrada-Scheibe nicht erwarten, aber der Klang erfuhr doch eine erhebliche Verbesserung, und auch Stagecoachpräsentiert sich dank Nutzung von 1¨ masters detailreicher denn je. Man erhält mit dieser CD einerseits also zwar sehr unterschiedliche, aber empfehlenswerte Werke zweier namhaften Komponisten und kann anderseits alle früheren Editionen dieser Scores getrost in die Wüste schicken.

Andi, 22.10.2015

 

THE HEROES OF TELEMARK / STAGECOACH

Malcolm Arnold / Jerry Goldsmith

Intrada Special Collection Volume 333

65:32 Min. / 22 Tracks

 

 

 

 

 

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