Harry Potter & the Half-Blood Prince

Hooper durfte nach Harry Potter and the Order of the Phoenix ein zweites Mal ran und die zauberhaften Abenteuer des populärsten Magiers aller Zeiten, sorry Gandalf, untermalen. Schade. Schade, weil Hooper es auch hier nicht schafft einen potenten, magischen und handfesten Score zu schaffen. Notabene Zu einem Film, für den so mancher Filmkomponist wohl nicht nur sein letztes Hemd hergeben würde.

Wenn man zwei Filme eines Kalibers wie dem eines Harry Potters filmmusikalisch begleiten darf, so müsste man eigentlich seinen Durchbruch in die Filmmusikwelt geschafft haben – vor 30 Jahren war das jedenfalls noch so, heute ist es anders. Auch bei Hooper hat es bisher nicht sollen sein. Weder nach Teil 5 noch jetzt nach Teil 6 scheinen die Auftragsbücher, zumindest was grössere Filme anbelangt, bei ihm gefüllt zu sein. Und glaubt man den aktuellen Meldungen, so wird er die Filmmusik zum letzten Teil nicht schreiben.

Als ich Teil 5, The Order of the Phoenix, gesehen habe, ist mir filmmusikalisch so gut wie gar nichts geblieben. Obwohl der Film durchaus seine gelungenen, zauberhaften und dunklen Momente hat, von Hoopers Score Bleibendes oder Eindrückliches zu berichten war selbst während des Filmerlebnisses kaum möglich.

Im neusten Potter hören wir das unvermeindliche Potter Thema zum ersten Mal in Ginny, dem vierten Track der CD. Ansonsten versucht sich Hooper eher im Düsteren oder einer Mischung aus mysteriös-gwundrig und düster. Naja, das ist eigentlich nur konsequent – und nun kommt der abgedroschenste Potter Satz des Jahres – Harry ist ja schliesslich fast erwachsen geworden.

Britisch wird es in Farewell Aragog, einem 8-Noten Thema, das Hooper ein paar Mal wiederholt, eher der Track auch schon vorüber ist. Allzu kurz sind auch deftigere Stücke wie Of Love & War oder Snape & the Unbreakable Vow, die sich vielleicht zu „etwas“ hätten entwickeln können. Leider verliert sich Hooper zu schnell wieder in Belanglosigkeiten, so auch mit The Killing of Dumbledore und extrem gesuchten Abschiedsmanifesten wie Dumbledore’s Farewell, einem Stück das irgendwie sinnbildlich für den ganzen Score ist.

Das Chorstücke In Noctem (huch, war Doyle nicht schon dran?) und das sich langsam aufbauende Journey to the Cave vermögen in ihrer gedrungen pessimistischen Art eine Stimmung aufzubauen, der man durchaus was abgewinnen könnte, würde Hooper das Material weiterentwickeln. Aber neu oder eben anders, wie allenthalben in Verbindung mit Hooper mal zu Lesen ist, ist das alles nicht. Und was will uns der Komponist mit dem Big Band Swing eines Whizard Wheezes sagen? Nun, das Stück hat es nur auf die CD nicht aber in den Film geschafft, dafür aber The Weasley Stomp, sowas wie ein halbgares „Riverdance“ meets „Bolero“ für angehende Zauberer.

Wer mit Desplats Celesta- und Harfenklüngeleien der letzten Zeit und einer Beschränkung auf kurzangebundene Dreifingermotive (Harry & Hermione, When Ginny Kissed Harry) wenig anfangen kann, wird an Harry Potter and the Half-Blood Prince wohl eher wenig Gefallen finden. Umso besser dürfte der Score bei den Freunden dieser Klänge aber ankommen.

Wünsche, wer den letzten Teil der Potter-Saga vertonen sollte? Tja, vielleicht wäre James Horner eine gesunde Wahl? Doyle hatte seine Chance und leider hat er sie nicht richtig gepackt. Nochmals John Williams? Ich werfe mal einen Namen in der Runde, den ich nur zu gerne mit Harry Potter in Verbindung gebracht sehen würde: Frederic Talgorn! Das wäre doch mal was…!

Wer sich übrigens die Mühe macht, per CD ins Netz zu gelangen, kann sich den Score als 5.1 Abmischung runterladen. Ausserdem scheint man dann noch Zugriff zu „exclusive content“ zu haben.

Phil, 16.8.2009

 

HARRY POTTER AND THE HALF-BLOOD PRINCE

Nicholas Hooper

New Line Records

62:40 Min. / 28 Tracks

 

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*