Harry Potter & the Deathly Hallows-Part 2

„Lilly’s Theme“ eröffnet das letzte Soundtrackalbum aus der Harry Potter Reihe. Für mich war das zuerst etwas überraschend, beim längeren darüber Nachdenken aber sehr passend und gut ausgewählt. Wieso? Weil es die Person beschreibt, ohne deren Opfer die gesamte Geschichte um den jungen Zauberer nie stattgefunden hätte. Obschon nur kurz skizziert mit Streichern, gewinnt das Fragment rasch an zentralem Inhalt für die gesamte CD. Das Thema taucht immer wieder auf, leicht abgewandelt oder im Hintergrund versteckt, bietet jedoch die Basis für das Erwachsenenwerden des Charakters unseres Helden.

Ein weiteres Thema taucht ebenfalls immer wieder auf, wenn oft auch nur angetönt und selten völlig ausgebreitet: Hedwig’s Theme von John Williams, quasi dem einzigen Hauptthema, welches den vorliegenden Film mit der musikalischen Vergangenheit seiner Vorgänger verbindet. Keines der anderen (flüchtigen) Themen aus Teil 2-6 hat es geschafft, so bleibend in Erinnerung zu bleiben. Zu Recht, kann man sagen – umso erfreulicher ist es, dass es hier, am Schluss der Reise, seinen Platz erhält. Die Kombination von Hedwig’s Theme mit Potters Thema aus dem Teil 7.1 unter Ergänzung mit Lilly’s Theme bildet so auch das Herz des Scores.

Die Filmmusik hier wirkt generell sehr verhalten und zurückhaltend, hat eher den Charakter eines Lamentes, in dem die Protagonisten sich nicht mehr sicher sind, wohin sie sich noch wenden können vor dem unabwendbaren Ende. Je näher denn auch der Höhepunkt der Geschichte kommt, desto tiefgründiger folgt die Musik. Die skizzen- bzw. schemenhafte Ausarbeitung der Tracks wirkt oft sehr barock und steht mit der klassischen Darstellung in klarem Kontrast zu dem, was sonst so aktuell in den Kinos läuft und wie das dann jeweils musikalisch umgesetzt wird. Ganz klar: ein Hans Zimmer hätte hier vielleicht brodelnde Synthies eingesetzt. Desplat zieht es vor, den Score zeitlos zu halten. Glücklicherweise verzichtet er auch auf einen grossen Einsatz eines Chores, der scheinbar heutzutage mit Klasse verwechselt wird. Nicht alles, was schreit, sollte auch gehört werden.

Folgende Tracks sind mir besonders aufgefallen:

„Lilly’s Theme“ – fein und klein, wie ein erster Sonnenschein an einem kalten Märzmorgen, erwärmt es das Herz und hält den Hörer gefangen.

„Statues“ – ein treibender, pulsierender Track, der das Hauptthema aus Teil 7.1 mitbringt und Montage-mässig erscheint. Ein Chor akzentuiert im Hintergrund, die Streicher mit Perkussion ergänzt, bestimmen das Bild

„Into The Chamber Of Secrets“ – nach einem kurzen, mysteriösen Auftakt taucht Hedwig’s Theme auf, um gleich vom voll beschäftigten Orchester abgelöst zu werden. Eine Actionsequenz.

„Broomsticks and Fire“ – ein weiterer Actioncue, der lustigerweise bei ca. 55 Sekunden direkt an Danny Elfmans Batman Thema erinnert (oder Sardes Thema für Cyrano de Bergerac, je nachdem, wie man gerade eingestellt ist).

„Courtyard Apocalypse“ – baut das Potter Thema aus 7.1 weiter aus, es wird reicher, tiefer, aber auch schwerer und elegischer. Volles Orchester mit Chor.

„Snape’s Demise“ und anschliessend gleich „Severus and Lilly“ – der Tod eines der Hauptcharaktere enthält Hedwig’s Theme, das Potter Thema und das Lilly Theme, welches eingangs erwähnt wurde. Mit wenig Aufwand versteht es Desplat geschickt, die Tragik Snapes darzustellen. Seine Gefühle für Lilly waren es, welche das Schicksal aller so grundlegend verändert haben. Und sein letzter Atemzug, einer Träne gleich, ist Lilly’s Theme. Der anschliessende Cue beschreibt die Geschichte der zwei Kinder, die beste Freunde waren. Man hat den Eindruck, wir blicken ihnen über die Schultern, sehen die Veränderung der Umstände, bis hin zu dem Punkt, wo alles zerbrach. Den Verrat, die Sühne – und die Verachtung.

„Harry’s Sacrifice“ – für mich wird der Charakter von Harry Potter an dieser Stelle erwachsen. Die Musik verwandelt ihn von einem Jugendlichen in etwas mehr, eine Person, welche Verantwortung übernimmt. Der Cue klingt passenderweise mit Hedwigs Thema aus.

„The Resurrection Stone“ – bringt eine spürbare Veränderung in die Atmosphäre. Ein Licht, eine Hoffnung, weil alte Freunde wieder miteinander vereint werden, wenn auch nur hinter dem Vorhang der Vergänglichkeit. Je länger der Track dauert, umso mehr beginnt man zu verstehen, dass nicht alles verloren ist.

Fazit: Eine angenehme CD, welche den Erwartungen entspricht und sie teilweise sogar etwas übertrifft. Gespannt kann man indes sein, ob hier, wie auch schon für Teil 7.1, eine limitierte Doppel-CD erstellt wird. Dies wird natürlich ganz davon abhängen, wie das Publikum auf den Film reagiert und ob es markttechnisch angebracht ist.

Steve, 7.7.2011

 

HARRY POTTER AND THE DEATHLY HALLOWS Part 2

Alexandre Desplat

Water Tower Music

69 Min. / 25 Tracks

 

 

 

 

 

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