The Goonies

Wie sagte Stefan Schlegel kürzlich augenzwinkernd? „Das Goonies-Geschrei bei den Fanboys hat ein Ende!“ Im Bezug zu Gooniesbekenne ich mich uneingeschränkt zu dieser Spezis! Der Film stammt aus der ergiebigen Spielberg/Amblin Produktionszeit, die damals auf äusserst erfolgreichen Hochtouren lief (Back to the Future, Gremlins, Poltergeist stammen aus der selben Ära), die ich hautnah miterlebte und schlichtweg verschlang. Die Ideen, die Farbigkeit von Stories und Charakteren, das kindlich-fantastische Ambiente und mir vertraute Namen hinter und manchmal vor der Kamera. Ich mochte die Vorstadtatmosphäre mit ihren langen Hauseinfahrten, die Autos, die Baseballkappen, die Pancakes zum Morgenessen etc.
Goonies war sowas wie Raiders of the Lost Ark für Kids, entstanden aus einer simplen Idee, die uns alle an in unserer Kindheit, lang, lang ist’s her, beschäftigte: „Was macht man an einem verregneten Samstag?“.

Dave Grusin war zu Goonies-Zeiten ein bei mir zumindest discographish noch nicht sehr üppig vertretener Komponist und zum Film geisterte eigentlich musikalisch alles, allen voran Cyndi Lauper, ausser Grusins Score herum. Die Song beladene LP (von denen auf dieser CD keine sind), auf der sich nur ein Track Filmmusik fand, habe ich kategorisch abgelehnt, das zwei Jahre später erscheinende, gelungene Cinemagic Album, eingespielt mit dem LSO war umso willkommener – auch wenn aus Goonies nur das bekannte „Fratelli Chase“ drauf war – und wurde auch viel gespielt. Weniger gelungen die ausschnittweise Neueinspielung mit den Pragern und eine später erscheinde, nicht unbedingt toll klingende Bootleg-CD.

Zumindest des letzten Punkts, Klang, wegen, habe ich mir ein offizielles Album wirklich gewünscht, ausserdem gehört der Score irgendwie in die Grusin-Sammlung, ist er doch eine fast einmalige Ausnahme im Oeuvre des Komponisten. Wirklich viel hat Grusin für dieses Genre davor und danach nicht komponiert. Grusin selber, von dem man in letzter Zeit leider nur noch sehr wenig hört, und liest, schreibt im Booklet von einem durchaus nicht unerfreulichen Erlebnis, liest man in den Liner Notes etwas weiter, so kriegt man aber auch den Eindruck, dass die Sache knifflig und wohl auch recht anstrengend gewesen sein muss. Spielberg hat sich anscheinend wieder sehr vehement um den „Scoring Prozess gekümmert“, ähnlich war es zuvor ja schon bei Back to the Future.

Das Album gibt nur teilweise die im Film zu hörende Musik wieder, vieles wurde im Endprodukt zerschnippelt, hin- und hergeschoben, verändert. Vielleicht entstand beim ein oder anderen auch dadurch der Eindruck, hier ein nicht unbedingt koheräntes Album zu erhalten. Die Varèse CD, übrigens mit 5000 Stück hoch angesetzt, zeigt hinsichtlich des Gesamteindrucks ein etwas anderes Bild, sind doch zum Hauptteil die Tracks so zu hören wie sie von Grusin erdacht wurden (ein Umstand der Grusin selber gefallen hat).
Ein weiterer Punkt könnte beim geneigten Hörer, der die Musik etwas kennt, auch das Fehlen eines starken Hauptthemas à la Indiana Jonessein, das Grusin in dieser Manier verarbeiten würde. Sein Titelthema, das Fratelli Chase eben, wäre zwar dafür absolut geeignet, aber Grusin verwendet es nicht als solches in seiner Komposition, ausserdem gehört es nicht zu den Filmen sondern zu den Schergen, den Fratellis eben.

Das eigentliche Goonies-Thema ist in The Goondocks zum ersten Mal zu hören. Es wird den ganzen Score recht versteckt und zurückhaltender angespielt und kommt eigentlich erst im Stück End Titles (Goonies Theme) zu einer ausführlichen Vorstellung. Gelungene Variationen des Fratelli Chase sind im fulminanten Abenteuerstück The Fighting Fratellis, Sloths Choice and Ultimate Booby Trap oder in Water Slide and Galleon zu hören. Ein Thema, das Grusin desöfteren ertönen lässt, ist jenes für den Piratenkapitän One Eyed Willie, dessen legendärem Schatz die Goonies und die Fratellis nachjagen. Später untermalt Grusin Willies Schiff in prächtiger Weise, The Inferno. Für den asthmageplagten Mikey (Sean Astin) und für den erfinderisch-tolpatschigen Junior-007-Verschnitt Data (gespielt von dem aus Indiana Jones and the Temple of Doom bekannten Ke Huy Kwan) hält Grusin weitere Motive bereit. Witzige, kurze filmmusikalische Schnappschüsse von Steiners The Adventures of Don Juan und Superman – The Movie (wie Goonies ebenfalls von Richard Donner inszeniert) sind ebenfalls zu vernehmen.

Nein, Goonies wird nicht mein absoluter Favorit in Sachen Dave Grusin sein, das war mir zuvor schon klar, aber es ist eben schon so eine Sache mit diesen 70er und 80er Musiken, bei denen ich durchaus nostalgische Gefühle hege und was die Bewertung zusätzlich etwas nach oben schraubt, man möge mir verzeihen. Und wenn es dann noch eine so runde Sache wie Goonies ist, dann dreht die CD eben doch so einige Male ihre Runden im Player.

Das von Mike Mattesino geschriebene, für Varèse überdurchschnittlich gute Booklet gibt Eindrücke zum Film und sehr detaillierte Infos zu den im Film verwendeten, bzw. anders verwendeten Stücken Preis.

Phil, 26.3.2010

 

THE GOONIES

Dave Grusin

Varèse Sarabande VCL 0310 1104

79:17 Min. / 34 Tracks

 

 

 

 

 

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