Fury

Der Oscar für die beste Filmmusik 2013 ging letzten März an die Musik zu Alfonso Cuarón’s Gravity (2013), komponiert vom noch wenig bekannten Komponisten Steven Price. Damit setzte sich Price gegen Altmeister wie Alexandre Desplat, Thomas Newman und gar John Williams durch. Von Null auf Hundert! Der neue Shooting-Star der Filmmusik?

Mit Fury (2014) folgt nun Steven Price’s zweite Filmmusik für eine grosse Hollywood-Kiste. Dieses Mal begleitete seine Musik die Besatzung des Zweit-Weltkrieg-Panzers „Fury“, angeführt von Brad Pitt, in die horrenden Schlachten im Jahr 1945. Wer sich nun Price’s Musik zu Fury anhört und mit seiner Komposition für das Weltall-Drama Gravity vertraut ist, dürfte überrascht sein, dass weite Teile von Fury wie ein „More Music from Gravity“-Album klingen. Ob man nun also die Musik zu Fury toll findet, dürfte damit quintessentiell von zwei Dingen abhängen: 1) Man mochte bereits seine Musik zu Gravity; 2) Man vergibt ihm die Tatsache, dass er eine Filmmusik für ein Zweit-Weltkrieg-Drama komponiert, die sehr ähnlich zu seiner Filmmusik für ein Weltall-Science-Fiction-Drama klingt.

Der hier Schreibende befindet sich nun etwas im Clinch. Price‘s Musik zu Gravitywar originell, passte perfekt zum Film und war auch als reines Hörerlebnis über weiteste Strecken kurzweilig, wobei besonders das kathartische Musikfinale sehr gelungen war und im Kino für Gänsehaut sorgte. Der Oscar war verdient. Die Musik zu Gravity fand grossen Gefallen. Nun folgt Fury und auch diese Filmmusik ist als reines Hörerlebnis noch interessant. Sie unterscheidet sich von Gravity wohl am auffälligsten in der starken Präsenz eines Chors, der sehr rhythmische, aggressive Sprechgesänge liefert. Solche Gesänge würde ich jedoch eher in einer Pirates of the Caribbean-Fortsetzung vermuten und die Tatsache, dass nun solcher Gesang und dazu der futuristische Sound von Gravity für dieses Kriegs-Actiondrama verwendet werden, scheint rein vom Hörerlebnis her gänzlich unpassend. Das kann doch nicht sein!? Ob die Musik in den Film passt, oder nicht, kann an dieser Stelle nicht bewertet werden, da der Film noch nicht visioniert werden konnte.

Ist Steven Price’s Musik nun gut oder nicht? Fury ist weitestgehend eine kurzweilige Filmmusik, die stellenweise an atmosphärischen Durchhängern krankt. Wie Gravity so ist auch Fury keine Filmmusik, die eingehende Themen liefert – das Hauptthema erklingt zum ersten Mal in Refugees und wird danach immer mal wieder aufgegriffen; es ist jedoch nicht wirklich eingängig. Vielmehr präsentiert Price auch hier mit Elektronik, Chor- und Sologesang, elegischen Streichern und teils aggressivem Blech eine eigensinnige, hypnotische Klangcollage. So gesehen ist es eine sehr originelle, dunkle, unterkühlte Annährung an die Weltkriegsthematik, ohne viel Pathos, geworden. Doch bleibt es unverzeilich, dass diese neue Arbeit so sehr an die Musik von Gravity anknüpft.

Basil, 15.10.2014

 

FURY

Steven Price

Varèse Sarabande

67:08 Min./19 Tracks

 

 

 

 

 

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