Flight of the Navigator

Manchmal ist es richtig erkenntnisreich, alte Scorings erst viele Jahre nach Erscheinen zu rezensieren. So auch bei Alan Silvestris Arbeit zur Science-Fiction-Kinder-Komödie FLIGHT OF THE NAVIGATOR.

Zur Handlung: Das Gedächtnis des kleinen David dient als Pufferspeicher für interstellare Landkarten. Die außerirdische Lebensform, die das Kind als Speicher nutzt, will irgendwann auf diese Karten zurückgreifen und entführt es. Was jetzt bedrohlich scheint, ist aber eine spassige Komödie mit viel Witz und hohem Tempo. Den Film zeichnen nun zwei Besonderheiten aus: Erstens markiert er den Durchbruch der digitalen Computertechnik in der Filmproduktion (sic!) und zweitens hat er der Star Trek Serie DEEP SPACE NINE das musikalische Hauptthema vererbt. Doch eines nach dem anderem.

An der Tricktechnik der amerikanisch-norwegischen Disney-Koproduktion waren wenigstens ein Dutzend Computerfirmen beteiligt, um die aufwändigen Grafikanimationen zu entwickeln. Das berühmte “Morphing” wurde hier erstmals auf 35 mm Film optisch eindrucksvoll umgesetzt.

Zwar wird immer gerne geschrieben und behauptet, Camerons THE ABYSS wäre der erste Film mit Morphing-Effekten gewesen. Dies ist aber nicht richtig. Schon drei Jahre früher, nämlich 1986, wurden diese beim FLIGHT OF THE NAVIGATOR verwandt. Das umfasst übrigens nur die Formänderungen des Raumschiffs. Die Verwandlung der Raumschiffs-Tür zu nach aussen führenden Treppenstufen sind, entgegen der landläufigen Meinung, Stopp-Motion Aufnahmen mit metallischen Skulpturen. Apropos Cameron: Bei der Musik zur SF-Komödie weist schon manches auf Silvestris ABYSS-Scoring hin. Einige deftige Percussion-Bass-Effekte werden später für diese Unterwasser-Mär recycelt und verfeinert. Hierzu vergleiche man einfach “The Crane” mit “The Shadow Universe” und “Flight” aus dem vorliegenden Promo-Album. Ergo: Vieles was man in Camerons Film sieht und hört, hat es drei Jahre zuvor schon gegeben!

Um das Hauptthema ist es noch faszinierender bestellt: Ich hatte den FLIGHT OF THE NAVIGATOR in den achtziger Jahren gesehen und verfügte über keinerlei Erinnerungen an die Filmmusik. Als ich nun in neuerer Zeit die Promo erstmalig höre (speziell Track 7 “Ship Drop”), haute es mich vom Hocker: Das Hauptthema hat Dennis McCarthy 1991 gekapert und für die Star Trek Serie DEEP SPACE NINE verwendet. Was für ein Spass! McCarthys Interpretation des Themas bewegt sich erschreckend nah an Silvestris Arbeit und wertet seine Komposition auf. Ausserdem ist die Musik spritzig ausgefallen und auch in den poppigen Cues wird eine Menge Motivik geboten.

Track Nummer zwölf „Star Dancing“ ist im Film nicht zu finden und soll anscheinend ein Bonus sein, beziehungsweise eine Art aufpolierte Creditsmusik darstellen.

Klar, gelegentlich wird die Musik belächelt und gesagt sie sei trashig und albern. Aber wie beschrieben, waren Film und Musik ihrer Zeit um einige Jahre voraus.

Fazit: Die Musik pflegt den typischen achtziger Jahre Silvestri-Taste; ist aber nicht so markant wie beispielsweise BACK TO THE FUTURE und PREDATOR. Das Promo-Album hat mittlerweile Kult-Status. Wer mal hinter die Kulissen Hollywoods schauen möchte, der sollte sich Film und Musik zu Gemüte führen. Eine spannende Angelegenheit für Science-Fiction Fans!

Oliver, 1.11.2020

FLIGHT OF THE NAVIGATOR

Alan Silvestri

Super Tracks Music Group (Promo)

28:52 Min.
12 Tracks