Rambo: First Blood – Part II (Silva Screen)

Für Freunde der 80er-Action-Packung:
Der experimentelle Altmeister Jerry Goldsmith beglückt hier mit verschwitzter Silva-Screen-Feuer-frei-Packung: RAMBO FIRST BLOOD PART II NEW EXPANDED EDITION ORIGINAL FILM SOUNDTRACK schöpft aus vollem Synthe-Orchester-Bombardement. Goldsmith & Rambo – eine Waffenbrüderschaft, robust, ähnlich dem Wiederverkaufspreis von Playmobil. Goldsmith verstarb 2004, sein Style fehlt einfach.

FIRST BLOOD (1982, Regie: Ted Kotcheff):

Jerry Goldsmith kredenzte der „80er-Rambo-Trilogie“ einen erfreulichen Soundtrack-Start. David Morells Roman FIRST BLOOD (meinte man bei uns den Film wurde daraus landläufig „Rambo I“) erzählte vom desillusionierten Vietnam-Veteranen John J. Rambo, der auf Kleinstadt-Sheriff Teasle trifft. Ganz sanft ging es dabei nicht zu – mehr als Landstreicher denn als friedliebender Rückkehrer wurde Rambo von den Polizisten schikaniert, gefoltert, gejagt. Alles war übersichtlicher, es gab einen Toten (und der legte es wahrlich darauf an), einige verletzte Deputys auch. Das Szenario – im Ganzen noch vorstellbar.

Beim Nachfolger, dem Rächer-Vehikel RAMBO II (1985) galt das nicht mehr:
Stallone, Carolco, Cosmatos, Buzz Feitshans (letzterer u.a. für Spielbergs 1941 am Werk) – beim zarten Klingeln dieser Namen durfte Geschepper erwartet werden (Co-Autor: Ein gewisser James Cameron). Politisch stand RAMBO II auf „hau doll drauf“ – und wirkt aus heutiger Distanz total flach. Die Action, mehr als solide, stellenweise perfekt (u.a.: Heli-Verfolgungsjagd). Rambo in love… Zwölf Jahre später kam mit TITANIC doch noch eine Romanze, unter Beteiligung des Herrn Cameron, ins Blockbuster-Kino – Rambos Liebesglück sollte zuvor irgendwie gar nicht sein.

Bei aller Freude über den Soundtrack:
Einige Fragen warf der Film schon auf, z.B.: Ob es wirklich eine gute Idee wäre, gänzlich ohne Suizidabsicht, die mitgeführte Panzerfaust aus dem relativ intakten Heli-Cockpit heraus abzufeuern? Amerikaner: Die Guten, Russen: Die Bösen, Vietnamesen: Das Kanonenfutter – simpel blühte es einst im RAMBO-II-Comic-Reich. Wohltuend hätten hier und da verbale Auflockerungen gepasst, RAMBO II ist zu ernst. „Blaues Licht“ aus RAMBO III (1988) markierte die langersehnte Zündung, wenn auch kein Gag-Feuerwerk.

LP’s mit Kratzern und Knacksern drauf:
So schmeckte einst Analog-Hörerlebnis-Welt. Die 15-Tracks-bleihaltige RAMBO II-Colosseum-Schallplatte von 1985 („Original multi-track analog recordings mixed by Sony 1610 digital system“) verstand es, Plattenspielernadeln vibrieren zu lassen. Im Gegensatz dazu: Langweilige deutsche Track-Titel wie „Titelmusik“, „Vorbereitung“, „Der Sprung“, „Flucht aus der Folter“, „Vom Pfeil getroffen“ – allesamt wahre Goldsmith-Soundtrackperlen des Rummsbummskawumms-Krachers, doch nur abgelesen verpuffen sie.

Materialnachschlag:
1999 erstrahlte die vorliegende Silva-Screen-CD. Bislang schmerzlich vermisste Tracks: „The Map“, „The Pirates“, „The Camp / Forced Entry“, „River Crash / The Gunboat“, „Bring Him Up / The Eyes“ und „Village Raid / Helicopter Flight“ – endlich kamen sie, abseits vom Filmtumult, zu Gehör. Alte Bekannte: „The Snake“ (ja, also „Die Schlange“) und „Stories“ (Rambo und Co Bao kommen sich bei „Erzählungen“ näher) flankieren jetzt Track 6, „The Pirates“: Ein dumpfes, geniales Synthe-Stück für finstere Banditen, Kohle, Deal und typischen Rambo-Touch, atmosphärisch wunderschön. Mitreissend, verspielt: Track 15, „Revenge“: Was Goldsmith da, speziell ab Minute 3:18, runter feiert ist ein klassischer Ohrwurm, maßgeschneidert für Stallone und ganz schlecht für das Huhn. Polterndes Schlagwerk: Goldsmith „untermalt“ damit Rambos Bodycounts: Track 9, „The Cage“, Track 15, „Revenge“, brachial-filmisch effektiv. Koppelt man Goldsmiths Soundtrack komplett ab von Film-„Realität“, Verstand und Gewissen: Die Scheibe kann was.

Über Jahre (z.B.: in Junggesellen-Zeiten) getestet:
Weite Teile vom herrlich-dreckigen Soundtrack taugten ideal zur Motivation, anlässlich Staubsaugen, Feudeln, Abwasch etc. Gewiss, die Lautstärke musste passen (Track 13, „Escape From Tortue“, Track 17, „Pilot Over“, Track 18, „Village Raid / Helicopter Flight“, Track 19, „Home Flight“).

Vorläufiges Outro:
Gemessen am lauten Filmmusik-Löwenanteil klingt Track 20, „Day by Day“, nach Meditation: Der Showdown ist vorbei, letztes Treffen Rambo / Col. Trautman – moralisches Zwiegespräch (mehr: Rambo-Monolog) über zweifelhaften Umgang der Gesellschaft mit US-Veteranen. Über Co-Autor James Cameron hörte man, dass diese Passagen nicht seiner Feder zu entlocken waren. Ist man ebenso kompromisslos wie der Film selbst, liegt es nahe: Der Soundtrack – das Beste, was diesem Ballerfilm zustoßen konnte.

2016 rollte nochmal Nachschub:
(In Phil Blumenthal’s Review ausführlicher vorgestellt)

RAMBO: FIRST BLOOD PART II (35MM MIXES AND EXTRAS)

Der Inhalt bestand zum einen aus obiger `99er-Silva-Screen-Tracklist – weiter im Gepäck zwölf so noch nicht gehörte Stücke, den Reigen eröffnete Goldsmiths wonniges „Carolco Logo“. Sinn und Zweck bei „Stories“ (Overlay, Trumpet Stripe Only), „Ambush“ (Early Take), „Revenge“ (Early Mix), „The Map“ (Alternate) und „Helicopter Fight“ (Alternate) halten sich in Grenzen, unterscheiden sie sich nur in Klang oder Nuancen vom gleichnamigen Material, welches im Film eingesetzt wurde. Hartgesottene könnten „Percussion No. 1 u. No. 2“. als Klingeltöne entdecken. Interessant auf jeden Fall: „End Credits (Original)“ – hätte dem Film nicht geschadet, mit völlig losgelösten Melodien. Und 2x Promo-Tracks – Rememberfeeling rüber zur Instrumentalversion von FIRST BLOODs „It’s A Long Road“.

Manfred Schreiber, 18.11.2017

 

RAMBO FIRST BLOOD PART II

Jerry Goldsmith

Silva Screen Records 738572109622

21 Tracks inkl. 1x Song

 

 

 

 

 

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