The Equalizer

Robert McCall – ehemaliger CIA-Agent – pflegt einen gemütlichen Job im Baumarkt. Nach getaner Arbeit sitzt er gerne in seinem Lieblingsrestaurant, trinkt Kaffee und liest seine Lieblingsbücher. Dabei lernt er zufällig die junge Prostituierte Alina kennen. Deren russischer Zuhälter misshandelt sie schwer. McCall schaltet sich ein und versucht Alina freizukaufen. Der Zuhälter lehnt das Angebot ab, worauf McCall ihn und sein Gefolge umbringt. Jetzt hat McCall aber die russische Mafia an der Hacke und darf sich mit Einfallsreichtum und Körpereinsatz durch den Film kämpfen.

Regisseur Antoine Fuqua hat über die Jahre stetig dazu gelernt. Seinem schrulligen Erstlingswerk THE REPLACEMENT KILLERS folgten etliche mittelmässige Filme, aber alle paar Jahre zeigt er wo seine Qualitäten liegen. So sind die Highlights seiner Karriere TRAINING DAY (ebenfalls mit Denzel Washington) und der furiose SHOOTER. Die Stärken des EQUALIZER nun liegen auf der Hand: Markante Besetzung, wahnsinnig aufregende Dialoge und visuell toll inszeniert. Es macht einfach Freude zu hören wie die beiden charismatischen Soziopathen Nicolay Itchenko und Robert McCall eloquent über Mord und Totschlag fabulieren. Auch wenn McCall seinen Widersacher im Sprinkler-Regen zu Tode nagelt gerät man ins Schwärmen wie akribisch Fuqua seine Bilder mit Licht und Schatten füllt.

Was nun hat der Film musikalisch zu bieten? Fuqua ist ein sehr visueller Regisseur, doch alle seine Streifen haben eine gemeinsame Schwäche: Die filmmusikalische Ausstattung könnte besser sein. Dies war schon bei Mark Mancinas SHOOTER-Scoring auffällig. So ist Gregson-Williams’ Score rein atmosphärisch, kaum melodisch oder technisch auf der Höhe der Zeit. Die Musik beschäftigt sich fast ausschließlich mit McCall. Sein Einzelgängertum, die nachdenklichen Stunden im Café, sein bestimmendes Auftreten und natürlich die Attacken, die immer zum Tod des Gegners führen.

Einige gute Ansätze sind im Score zu finden: „Change your World“ mit seinen melancholischen Klavierakkorden lässt aufhorchen – mehr aber auch nicht. Viel zu distanziert bleibt man als Zuhörer zurück. Ähnlich geht es einem mit dem eher actionlastigen Cue „It’s all a Lie“: Den kann man schon mal in Schleife durchlaufen lassen. Aber nach dem dritten oder vierten Mal wird man von den monotonen Streicherläufen gelangweilt. Highlight: Bei 3:30 kommt die erwähnte Stelle mit der Nagelpistole; dies ist auch gleichzeitig eine Art „Robert McCall“-Thema. Gitarren-Pattern, stampfender Rhythmus, öfters gehört, wenn der Racheengel zurückschlägt. Cool, lässig, unaufhaltsam.
Es ist die wichtigste Ingredienz der Musik, welche Gregson-Williams auch variiert; zum Beispiel in „Corrupt Cops“; hier treten die sonst dominanten Synthi-Gitarren in den Hintergrund und die Streicher verwandeln die Stimmung in nachdenkliche Einsamkeit. Diese Charakterisierung des Hauptdarstellers wertet die Musik auf und macht sie erträglich. Man muss sich mit der Vertonung beschäftigen, um ihr etwas abgewinnen zu können.

Fazit: Fuqua hat den EQUALIZER gekonnt wiederbelebt. Der Film hat seine Fans gefunden, was auch zu einer Fortsetzung geführt hat. Die Musik funktioniert im Film, ist aber abseits davon sperrig und benötigt Zeit zum Einhören. 

Oliver, 24.9.2019

 

THE EQUALIZER

Harry Gregson-Williams

Varèse Sarabande

51:25 Min.
11 Tracks