Edge of Darkness

Edge of Darkness ist seit geraumer Zeit der erste so richtig düster-schwere Howard Shore. Das dürfte Fans von famosen Arbeiten wie Copland und History of Violence besonders freuen. Seine Ausflüge ins choral-pastorale (Doubt) und ins ethnisch-kammermusikalische (Betrayal) liegen mehr als ein Jahr zurück und haben zwar fast überall gute Kritiken erhalten, sind aber, so scheint es, bei vielen fast schon wieder in Vergessenheit geraten.

Fast so ist es dem britischen Label Silva Screen ergangen, dessen Ausstoss zuletzt eher mau war und das in diesem Jahr mit einigen Neu- und Wiedererscheinungen, von denen Edge of Darkness ein Highlight setzt, auftritt. Kleine Besonderheit am Rande: John Corigliano komponierte für eine erste Version des Films, die weniger hart war als das jetzige Endprodukt, wie es das Studio (Warner) schliesslich wollte. Coriglianos Musik, die mehr Bezug zu den Charakteren geschaffen haben soll, passte nicht mehr zu Edge of Darkness. Sehr bedauerlich, wäre das doch Coriglianos erster Ausflug in die Filmmusik seit seinem grossartigen Oscarscore zu The Red Violin im Jahr 2000 gewesen. Shore als „Ersatz“ ist natürlich erste Güte, auch wenn ich nur allzu gerne Coriglianos Musik gehört hätte.

In der maskulinen, kraftvoll-bleiernen und suspensegeladenen Musik von Howard Shore sind zwei simple wie geschickte Themen „versteckt“.

Das eine ist das sich in das Spannungsgeflecht bestens einfügende Titelmotiv, das wir zB. in Titles und Burning in tiefen Registern hören und das ein Statement für die bevorstehende, düstere Spannung, die in den heftigen Kakaphonien von Captured und Killing gipfelt, setzt.

Mit dem anderen, „deutlicheren“ Thema für den Mel Gibson Charakter und dessen Tochter geht der Kanadier etwas sanfter zugange. So hören wir es mal von Klavier (Emma), von Harfe und Streichern in Mourning, Reunited und You’re My Girl intoniert.

Der erste Teil der CD befasst sich weitestgehend mit Suspensemusik, in der Shore eine manchmal neblig-brodelnde Stimmung (Beach, Diogenes), die mich an Dead Ringers erinnert, für Streicher, Holzbläser und Hörner geschrieben. Und manchmal reisst der Komponist einen mit hohen, eingestreuten Clustern aus der geschaffenen, fast depressiven Ruhelosigkeit.

Die deutlichste Steigerung erfolgt schliesslich mit den Tracks Capturedund dem famosen Killing. Spitzen davon sind zuvor in Knife und Hit & Run zu hören, doch in diesen beiden Stücken geht Shore damit in die Vollen. Diese beiden Stücke sind durchaus ein Höhepunkt des Scores und erinnern mit ihrer Kraft und Intensität an Passagen aus Copland, einer der besten Arbeiten Shores.

Oft holen Thriller das Beste an Howard Shore heraus: Seven, der verworfene Ransom, The Game nebst den oben erwähnten Scores. Edge of Darkness gehört in diese Liga. Die CD ist mit etwas mehr als 40 Minuten sehr gut getimt und kommt mit dem fast konzertanten Edge of Darkness und You’re My Girl zu einem gelungenen Abschluss. Wie viele Werke von Shore erfordet Edge of Darkness vom Hörer ein gerüttelt Mass an Aufmerksamkeit. Zollt man diese dem Score und hat ein offenes Ohr für den kantigen, kniffligen Howard Shore, dürfte die CD bei geeigneter Stimmung für einige tolle Hördurchgänge sorgen – am besten genossen bei deftig aufgedrehter Lautstärke.

Phil, 6.4.2010

 

EDGE OF DARKNESS

Howard Shore

Silva Screen SILCD 1314

41:40 Min. / 16 Tracks

 

 

 

 

 

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