DVD/bluray komprimiert 36

Beginnen wir den Reigen mit einem Film über Tennis – dank Roger Federer zu mindestens auf den Schweizer TV-Geräten seit Jahren ein steter Quotenrenner. Doch wie setzt man Tennis als Film um, wenn es, Verzeihung, bereits als Liveübertragung Kaffeepausen, Kühlschrankgänge und weitere grössere Pausen erlaubt ohne das Gefühl zu hinterlassen, irgendwas verpasst zu haben? Wie bei vielen Sportfilmen steht und fällt die Sache mit der Glaubwürdigkeit – plus es gibt schlicht Sportarten, die sich besser eignen um auf die Leinwand gebannt zu werden (American Football, Baseball, Golf…) und solche, die wirklich nicht einfach zu handhaben wie etwa Fussball oder kennt jemand einen guten Spielfilm in Sachen Skirennen? Vielleicht sind deshalb die wirklich guten Sportfilme dünn gesät. Die Filmgeschichte jedenfalls zeigt: Wenn kein starkes Drehbuch und ebensolche Charaktere vorhanden sind, versinkt der Film schneller als die Titanic. Gelungene Beispiele sind HOOSIERS oder RUDY, beide haben eben diese starke Dramaturgie, Wirklich witzig ist der Eishockeyfilm SLAP SHOT mit Paul Newman. Schlechter weg, so man sich etwas vertiefter mit dem Sport auskennt, kommt der vielgelobte ANY GIVEN SUNDAY, an dem auch der Zahn der Zeit genagt hat. In Sachen Tennis gab es zuletzt den Versuch mit WIMBLEDON und in den 70er Jahren PLAYERS. Beide verlieren gewaltig, so man BORG/MCENROE gesehen hat. Janus Metzs Film ist dramaturgisch als auch vom sportlichen Standpunkt eine löbliche Ausnahme, Tennis in Szene zu setzen und gleichzeitig eine starke Story zu liefern. Es geht als doch. Kennt man als etwas gesetzterer Sportgucker noch wahre Charaktere wie McEnroe, Connors, Lendl & Co. und kann Tennis eigentlich längst nichts mehr abgewinnen, umso erstaunter ist man ob dieses Films. Alleine die Bewegungen, die insbesondere McEnroe dermassen eigen und unverwechselbar machten, hätten zur Farce werden können. Doch hier stimmt (fast) alles. Fast… wäre der nach 2 Wochen Spielzeit völlig ruinierte heilige Rasen Wimbledons nicht dermassen saftgrün eingefärbt worden.
Ein Film nicht nur für Fans als Tennis noch Sport, geprägt von Individuen und unnachahmlichem Talent, war.

 

Zwei Mal Tom Cruise in einem Jahr, böse Zungen würden behaupten, das sei etwas viel. Einer war zwar ein Hit, der dürftige THE MUMMY, und der Andere blieb – und das kann hier in der Tat wortwörtlich genommen werden – unter dem Radar: AMERICAN MADE oder wie er andernorts lief: BARRY SEAL. Hier spielt Cruise einen gelangweilten TWA-Piloten, dem von Regierungsseite ein lukratives Jobangebot gemacht wird, das er, der sich in den Saftschubsendüsern zu Tode langweilt, kaum ausschlagen kann. Aus dem Traumjob wird irgendwann ein Alptraum und die Verwirrungen als Drogenflieger und vom Government bezahlter Nichtregierungsangestellter, lassen kein Auffangnetz zu. Der Film ist von EDGE OF TOMORROW Regisseur Doug Liman mit viel Augenzwinkern inszeniert (die Iran-Contra Affäre wird mehr und weniger angespielt, wahrlich ein Stück Geschichte, das den Cowboy-Präsidenten Reagan in keinem guten Licht lässt). Augen auf übrigens auf einen – gespielten – Auftritt George W. Bushs. Dazu ist AMERICAN MADE mit dem gut spielenden und ebenso aufgelegten Megastar bestens besetzt. Sitzen bleiben und gucken wie es mit Barry und seiner Fliegerei weitergeht, was will ein Film mehr? Gute Unterhaltung über einen Mann, dessen Tätigkeiten in der Tat geschehen sind! Christophe Beck schrieb die launige Musik, die mit viel zeitgemässen Songs zu kämpfen hat.

 

THE PARTY, nein, damit ist nicht der Blake Edwards Film von 1968 gemeint, in dem der unvergleichliche Peter Sellers eine Party sprengt, sondern der 71 Minuten schwarz/weiss Film mit illustrer Besetzung mit Bruno Ganz, Kristin Scott Thomas, Timothy Spall, Cillian Murphy und Emily Mortimer, in dem eine soeben ernannte Ministerin Grossbritanniens zur kleinen, privaten Feier lädt, bei der von Beginn weg alles schief geht. Die schrulligen und tragischen Charaktere sind dabei das Tüpfelchen auf dem i. Ein gelungenes, in 2 Wochen blitzschnell gedrehtes, skurriles Vehikel von ORLANDO Regisseurin Sally Potter, das so überraschend endet, wie es begonnen hat.

 

Das bekannte Namen nicht immer für nachhaltiges Filmschaffen reicht, zeigt UNLOCKED von Regieveteran Michael Apted (GORKY PARK, THE WORLD IS NOT ENOUGH). Nebst Noomi Rapace spielen Michael Douglas, Toni Colette und John Malkovich sowie in einer überraschend fiesen Rolle, der einstige Teenieschwarm Orlando Bloom (der hier zeigt, dass er mehr kann als die fünfte Geige in der unendlich – langweiligen – PIRATES OF THE CARIBBEAN Serie zu spielen oder als Bogenzückender Waldelf zu bestehen). Gut, unter dem Deckel „Unterhaltung“ vermag dieser Thriller um eine von der CIA gefeuerte Agentin, die nun in London Sozialdienst schiebt und nach einem Attentat wieder reaktiviert wird, für 99 Minuten durchaus gut genug sein. Doch allzu schnell ist UNLOCKED im Dutzendwaresumpf von Thrillern, die derzeit auf dem Markt spriessen wie Löwenzahn im April auch wieder vergessen. Schauen wir mal ob sich daraus tatsächlich ein Agentinnen-Sequel spinnen kann. Musik von Stephen Barton (TV-12 Monkeys).

 

BONJOUR ANNE, oder auch PARIS CAN WAIT, ist ein Film für Liebhaber eines Landes, das nicht nur eine tolle und abwechslungsreiche Landschaft, faszinierende Städte und heimelige Örtchen, sondern vor allem lukullischen Genuss bietet. Die etwas gelangweilte Frau eines Filmproduzenten (Alec Baldwin in einer kleinen Rolle) wird von dessen französischen Geschäftspartner anstatt wie verabredet per Flugzeug nach Paris zu begleiten, eingeladen, doch in seinem Cabrio mitzufahren. Schöner, unschuldiger und durchaus witziger Film von Eleanor Coppola, Francis Ford Coppolas Frau (seit 1963), die mit ihm den inzwischen bestens bekannten Drehmarathon zu APOCALYPSE NOW miterlebte und mit ihrer Kamera einige der unvergesslichen Bilder um jenes Megaprojekt auf Film bannte (zu sehen in der tollen Doku HEART OF DARKNESS). Für weniger Frankreich affine ist BONJOUR ANNE möglicherweise zu oberflächlich geraten, was nicht ganz unverständlich wäre. Coppolas Streifen ist eben eine grosse Ode an la France, eindeutig. Daneben hat nicht viel Platz ausser ein wenig Beziehungsdefinitionen.
Frauen halten zu Frauen, und so durfte Laura Karpman, die einst TAKEN, jene vielbeachtete TV-Mini Series vertonte, hier für die musikalische Begleitung sorgen, durchaus, wie soll es anders sein, mit französischen Touch.

 

UN SAC DE BILLES hätte es verdient gehabt mehr Aufmerksamkeit in unseren Kinos zu generieren. Christian Duguays Film, der auf wahren Begebenheiten basiert, erzählt von einem jüdischen Brüderpaar, das von seinen Eltern im Paris von 1941 auf die Flucht vor den Nazis quer durch Frankreich geschickt wird. Der Stoff ist durchaus happig, einige Szenen hart und doch weiss UN SAC DE BILLES gleichzeitig auf Grund seiner Erzählweise, aus den Kinderaugen, zu bezaubern. Fast hat man das Gefühl nach 112 Minuten noch nicht alles gesehen zu haben, was Duguay hier mit seinen beiden tollen, jungen Hauptdarstellern erzählen möchte. Manches wird mir zu kurz angeschnitten, wo ich gerne ein wenig tiefer eingetaucht wäre (zB. die Nizza Sequenz vor der Verhaftung).
Es ist dem Filmemacher hoch anzurechnen, dass er nicht nur moralisiert oder auf die Tränendrüse drückt und komplexere Seiten eines schwierigen Kapitels Frankreichs aufzeigt. Ein schöner Film, der bedauerlicherweise bei den „fremdsprachigen Oscars“ übergangen wurde.
Mit feiner Musik von Armand Amar, die bei Milan erschienen ist.

 

Nach dem weltweiten Bestseller von Patricia Highsmith… Na da muss meiner einer spätestens nach THE TALENTED MR. RIPLEY doch zugreifen und reinschauen. Doch A KIND OF MURDER ist ein schwacher Streifen, der verkrampft versucht mehr zu sein, aber an allen Fronten komplett scheitert. Weder kann die Story (im Buchoriginal übrigens „The Blunderer“) packen noch tun es die Darsteller, die von Patrick Wilson bis Jessica Biel schlichtweg überfordert und komplett fehlbesetzt sind. Bleibt noch die Frage ob denn wenigstens die Musik der mir unbekannten Danny Bensi und Sander Jurriaans mit anderen „Highsmith-Kompositionen“, die mit illustren Namen wie Tiomkin, Yared, Morricone oder Burwell aufwarten kann, qualitativ mithalten kann? Kurzum nein.

 

Bereits in die dritte Season ist das spin/off FEAR THE WALKING DEAD gestartet. Nach einem etwas holprigen Start scheinen sich die beiden Familien, die die Vorgeschichte zum TV-Zombie Hit THE WALKING DEAD erleben, gefestigt zu haben, so man das in einer ausweglosen, von fiesen Beissern umgebenen und feindlich gesinnten Mitüberlebenden überhaupt sagen kann. Die neue Staffel ist ein wirklich starkes Stück, das weitaus mehr auf eine spannende Entwicklung der Charaktere und deren psychologischen Stress setzt, denn aufs muntere Walker schlachten – ehrlich, das haben wir in genüge gesehen. Auch die Geschichten und die Aufsplittung in mehrere parallele Erzählstränge ist gut und spannend gehandhabt, wenn die Grenze mit nun bereits 16 Episoden doch erreicht sein dürfte. Mehr könnte dann wieder zu viel des Guten sein. Auf die eigenen Stärken besinnen und so weiter wie bisher, bitte!

Phil, 30.1.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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