Dunkirk

Hans Zimmer

Sony Music

59:41 Min. / Tracks

Auch die jüngste Regiearbeit von Regisseur Christopher Nolan, DUNKIRK (2017), ist bereits seit Monaten Thema auf allen Kanälen – der Hype ist riesig. Nicht minder im Fokus des Interesses ist in Filmmusikkreisen die dazugehörige Musik von Hans Zimmer, der im Rahmen von DUNKIRK bereits zum sechsten Mal mit Nolan zusammenarbeitet. Und auch der jüngste Wurf von Nolan zieht mit seiner brillanten Bildsprache und der zerreisenden Spannung in den Bann. Dazu trägt die Musik von Hans Zimmer substanziell bei, doch losgelöst von den Bildern verkommt sie zu monotonem Sounddesign.

Dass das Ergebnis letztlich dermassen «technisch», kühl und «feindselig» ausgefallen ist, hat dann doch überrascht. Bereits als der erste DUNKRIK-Trailer «mit Originalmusik von Hans Zimmer» im Dezember 2016 angekündigt wurde, zeichnete sich ein Trend zu konzeptionellem Sounddesign ab. Das Gehörte passte vorzüglich zu den apokalyptischen Bildern, doch ins Ohr wollte diese Klangschöpfung nicht. Damals konnte man es noch als etwaiges «Mockup» im frühen Synthi-Stadium «abtun», and die Überzeugung geknüpft, dass die finale Musik dann schon «ausgearbeitet» daherkommen werde. Inzwischen präsentiert sich Zimmers Arbeit auf der gut einstündigen CD und bis auf das Stück «Variation 15 (Dunkirk)» verzichtet Zimmer und sein Team überwiegend auf melodiöse Passagen – hier regieren sirenen- und Uhrzeiger-Ticker-Geräusche, kombiniert mit an- und abschwellenden, langgezogenen, finsteren Streichereffekten und einzelnen, weit weg klingenden Trompeten Soli. Oftmals präsentiert in minimalistisch-repetitiven Anordnungen. Als Hörerlebnis ist das nicht nur fordernd, sondern letztlich auch frustrierend. Zugegebenermassen soll die Filmmusik in erster Linie dem Film dienen – und das ist hier der Fall –, doch als Musikalbum für die heimischen vier Wände kann DUNKIRK nur für hartgesottene Fans und Zimmer-Sammler interessant sein.

Noch zum Stück «Variation 15 (Dunkirk)»: Neben Passagen in den Stücken «Home» und den «End Credits» bringt «Variation 15» eine überraschende und damit äusserst willkommene, melodiöse Entspannung in die Klangkulisse ein. Dies daher, da während diesen Stücken das berühmte Adagio «Nimrod» aus Sir Edward Elgars 1898 komponierten «Enigma Variationen» in einem freien Neuarrangement eingearbeitet wurde. Hierfür zeichnete Komponist Benjamin Wallfisch verantwortlich.

Fazit: Auch für den jüngsten Nolan-Film wartet Hans Zimmer mit einer unkonventionellen Musik auf. Doch während INTERSTELLAR mit berührender Intimität und Epik im Orgelspiel und die DARK KNIGHT-Musiken (2005-2012) mit ihren pulsierenden Actionstücken begeisterten, wandelt Zimmer mit DUNKIRK ausschliesslich auf den experimentellen, dunklen, kalten Pfaden. Man denke an den unangenehmen Tinnitus-Effekt im Joker-Thema aus THE DARK KNIGHT (2008) kombiniert mit den klickenden, tickenden Rhythmus-Effekten und den dunklen Bläser-Clustern u.a. aus INCEPTION (2010). Die Handschriften von Zimmer und Nolan sind gut erkennbar, doch hat Zimmer den rein konzeptionellen Ansatz hier noch weiter getrieben – Melodien und Themen sind nicht auszumachen. Damit ist DUNKIRK im Film absolut zweckdienlich, auf CD jedoch uninteressant.

Basil, 27.07.2017
Auf CD:

 

Im Film:

 

 

 

 

 

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