Die, Sister, Die

In den 70er Jahren gingen grosse Filmmusikkarrieren aus dem Golden Age langsam ihrem Ende entgegen während andere Komponisten erst so richtig durchstarteten (John Williams, Michael Small, Lalo Schifrin, Bill Conti etc.). Bernard Herrmann starb 1975 nach den Aufnahmen zu Taxi Driver, Miklos Rozsa gelangen noch einige tolle Musiken wie Private Life of Sherlock Holmes oder Time after Time, Namen wie David Raksin tauchten nur noch sporadisch auf, während Dimitri Tiomkin verdientermassen den Ruhestand genoss, und von den älteren Herren waren Alex North aber vor allem Elmer Bernstein noch sehr aktiv, der ein richtiges Revival erleben sollte.

Die Sister, Die ist Hugo Friedhofers letzte Filmmusik und interessanterweise seine erste im Gruselgenre. Ein Komponist geplagt von Selbstzweifeln und Depressionen erhielt nochmals die Gelegenheit einen Film musikalisch zu vertonen, wenn es auch kein besonders wichtiger in seinem Oeuvre war.

Vom ausgedehnten, komplexen „Main Title“ mit seinen Spannungstrillern, tremolo Streichern und Holzbläsersoli über pfiffiges, wenn auch arg kurzes Americana in „Esther’s Arrival“, in dem auch eine Art Lullaby im 3/4 Takt zu hören ist, das von Friedhofer als eines der Hauptmotive verwendet und variiert wird („Locked Cupboard“ und speziell in „The Word is Murder“), und das eigens für den Film von Jeri Southern komponierte und eingespielte Jazzstück für Klavier – an sich wäre als Ausgangslage so einiges an Diversität vorhanden. Aber durchstarten mit diesen Vorgaben kann Die Sister, Die nicht.

Friedhofer seziert oft das Klangbild und fügt es imer wieder zusammen, vor allem die ausgiebig verwendeten Soli für Holzbläser unterscheiden die Musik von gewohnheitsmässigen Streichergruslern, wie sie nicht zuletzt mit Psycho„salonfähig“ wurden. Mit den Holzbläsern schafft Friedhofer eine unwohlige, manchmal leidende und unangenehme Stimmung.
Die Streicher erhalten ebenfalls Gelegenheit sich in Szene zu setzen, so setzt Friedhofer sie in „First Nell, then Father“ und „Knife for Jethro“ durchaus vordergründig ein. Je näher das Finale rückt, umso augenfälliger wird deren Einsatz, durchaus im Einklang mit der gegen Ende sich mehr und mehr steigernden Dramatik.

Das Blech wird meist als zusätzliche Begleitung verwendet, nicht oft wie in „The Confessional“ kriegen die Blechbläser mehr Platz und selbst dann bleiben sie doch zurückhaltend wie in den meisten Tracks. Eine kleine Perkussionssektion komplettiert das (nicht sonderlich gross klingende) Londoner National Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Carl Brandt. Motivisch bleibt der Score meist vernebelt, schwierig verständlich und musikalisch ist er nur stellenweise faszinierend. Wer kraftvolle Statements und bleibende Eindrücke aus des Komponisten Feder à la Above and Beyond oder dem genialen Spätwerk One-Eyed Jacks erwartet, wird mit Die Sister, Die (aka. The Companion) nicht überaus glücklich werden. Fans des Komponisten dürften die CD auf Grund ihrer Filmmusik historischen Bewandtheit aber durchaus willkommen heissen.

Unüblicherweise ist es Kameramann Michael Lonzo zu verdanken, dass die Tapes zu diesem Score überlebt haben. Er war es, der das 3-Kanal-Stereoband an sich nahm und verwahrte. So viel Weitsicht unter Filmcrews war und ist eher selten.

Phil, 14.8.2014

 

DIE SISTER, DIE (aka. The Companion)

Hugo Friedhofer

Intrada Special Collection Volume 282

50:40 / 15 Tracks

 

 

 

 

 

 

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