Die Päpstin

Der Erfolgsroman “Die Päpstin” von Donna Woolfolk Cross ist als Buch seit 1996 zu einem Millionen-Bestseller geworden und da verwundert es auch kaum, dass die Geschichte der legendären Johanna von Ingelheim, die im 9. Jahrhundert als Frau Päpstin geworden sein soll, nun mit großem Aufwand sehr Vorlagen getreu unter der Regie von Sönke Wortmann verfilmt worden ist und wohl – trotz Überlänge – auch in den Kinosälen ein großes Publikum finden wird.

Ein großes Publikum, wäre aber auch der Soundtrack CD des Labels KönigskinderMusic zu wünschen, welches sich zuletzt etwas auf Soundtracks spezialisiert hat, denn nicht nur das aufwändig produzierte Booklet, welches ein Interview mit dem Komponisten, eine Empfehlung für den Score seitens der Autorin des Romans und einige persönliche Anmerkungen des Regisseurs Sönke Wortmann, mit dem Barsotti schon bei den Filmen Das Wunder von Bern und Deutschland. Ein Sommermärchen zusammengearbeitet hat, sowie einen etwa 2-minütigen CD-ROM enhanced Part: „Die Päpstin – Einblick in die Entstehung der Filmmusik von Marcel Barsotti“ enthält. Die durchaus hörenswerte Musik des renommierten Schweizer Komponisten Marcel Barsotti (Der Bibelcode, Der Seewolf, Rennschwein Rudi Rüssel 2, Dolphins) hätte es wirklich verdient außerhalb des Kinosaals auf CD oder sogar bei dem einen oder anderen (Live-)Filmmusikkonzert gespielt zu werden!

Barsotti hatte schon beim Lesen des Romans einige Melodien im Kopf und auch während der Dreharbeiten entstanden weitere Themen. Die luxuriöse Zeitspanne von zehn Monaten für die Kompostion hatte wirklich einen positiven Einfluss auf den Score. Eingespielt und aufgenommen wurden die klassischen Melodien, sowie die gregorianischen Choräle von den 160 Instrumentalisten und dem Chor der deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in der Philharmonie Ludwigshafen unter der Leitung von Frank Strobel im Juni 2009.

Im Gegensatz zu den amerikanischen Blockbustern hat der mehrfach preisgekrönte Barsotti nicht eine lärmende Orchesterorgie komponiert, sondern eher warme, tiefe und teilweise episch breite klassische Themen (Track 24: Coronation) geschrieben, die sowohl von Solostimme mit Orchester (Track 13: Silent Wedding), aber auch größeren (gregorianischen) Chorälen (Track 3: Anno Domini 887; Track 16: Johannes Anglicus), genauso wie Walzerklänge (Track 4: Dorstadt oder auch Track 6: Letters in the Forest), bzw. Mittelalterliche Tanzmusiken (Track 7: Carnival) geprägt sind.

Gleich zu Beginn in Track 1: Pope Joan (Main Theme), als auch im letzten Track (28): Pope Joan Suite wird das Thema schön in epischer Breite mit vollem Orchester dargestellt. Sehr reizvoll sind auch die Wechselspiele zwischen Solo-Gitarre/-Flöte und Orchester (Track 14: Like a Mustard Seed in the Garden) während einige andere Wechselspiele zwischen Klavier und Streicher (Track 2: Joanna’s Theme) nicht immer sehr einfallsreich sind.

Mit fast 69 Minuten ist die CD vielleicht eine kleine Spur zu lange geworden, aber Summa Summarum ist es ein vorzügliches Hörerlebnis! Meines Erachtens einer der besten Scores zu einem Deutschen Film seit langem, der nur ganz wenigen Schwächen aufweist.

Ein eher negativer Punkt ist für mich eigentlich nur die Präsentation des Rezensionsmaterials und ich hoffe sehr, dass dieses Beispiel zukünftig nicht Schule macht! Obwohl Frau Pia Hoffmann, die Managerin des Köniskinder Labels, sehr zuvorkommend war und mir auch ziemlich schnell eine CD(-R) des Scores: leider als mp3-Files, mit digitalen Pressematerial (pdf-File) zugeschickt hat, war es für mich, der den mp3-Files eher skeptisch gegenübersteht, etwas mühsam die klanglich nicht so hochwertigen mp3-Files (192kbps sind nun mal nicht vergleichbar mit einer CD-Qualität!) diese auch halbwegs hörenswert über meine HiFi-Anlage an die großen Lautsprecher-Boxen zu bringen, denn über die Mini-Lautsprecher des PC-Schirms hätte der Score – trotz aller Stärken – vermutlich etwas weniger Punkte bekommen. Nachdem ich – außer im Auto – keinen mp3-fähigen CD-Player besitze, musste ich via DVD-Player auf den TV-Apparat und von dort digital in den Verstärker gehen. Auch wenn ich damit nicht ganz auf der Höhe der Zeit bin, so ist für mich die CD einfach eine der besten Methoden Musik zu hören.

In diesem Sinne werde ich meine Empfehlung für diesen Score in die Tat umsetzen und mir ehestmöglich die CD des Scores kaufen, denn mit mp3-Files werde ich auf die Dauer sicher nicht glücklich. Ach ja und den CD-Rom Part über die Filmmusik gibt’s auch nur auf der CD – und leider nicht bei der Presse-CD-R. Mal sehen was es da zu sehen und zu hören gibt…

Erwin, 26.10.2009

 

DIE PÄPSTIN

Marcel Barsotti

Königskinder 0014983CD

68:47 Min. / 28 Tracks

 

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*