Dennis the Menace (La-La Land)

Die Streiche des kleinen, blondschopfigen, 1951 vom Zeichner Hank Ketchum ersonnenen Dennis Mitchell erfreuen sich nicht nur als Comic-Strips grosser Beliebtheit, sondern waren bereits 1959 erstmals auch Sujet einer Real-Fernsehserie. In den 1980er-Jahren kehrte der Bengel in einer animierten Serie auf die TV-Schirme zurück, und 1993 folgte mit Dennis the Menace ein Kinofilm, der zwei der damals populärsten Genres in sich vereinigte: Comicverfilmungen und Lausbubengeschichten im Gefolge der erfolgreichen ersten zwei Home-Alone-Filme.

Wie bei diesen betätigte sich auch hier John Hughes sowohl als Produzent als auch als Drehbuchschreiber, und das wird nirgends deutlicher als beim zunächst furchteinflössenden Landstreicher Switchblade Sam (Christopher Lloyd), der am Ende des Films zum Leidensgenossen der Home-Alone-Bösewichte Harry und Marv wird. Nebst ihm glänzt im gut besetzten Film vor allem Walter Matthau als bedauernswerter George Wilson, der als pensionierter Nachbar am meisten unter Dennis‘ Übeltaten zu leiden hat.

Ist Dennis also im Eilzugstempo durch die gute Kinderstube gerast? Diese Vermutung liegt nahe, denn sein primäres Thema ‒ respektlos und nicht zu bremsen ‒ wird gerne mit dem Hauptthema aus The Great Train Robberyverglichen. Es gibt für ihn aber noch ein zweites, besonneneres Thema, und bei beiden Motiven sammelt oft eine Mundharmonika Sympathiepunkte für den nervigen Rotzlöffel. Der Solist ist Tommy Morgan, ein alter Weggefährte von Jerry Goldsmith, der schon zu Twilight-Zone-Zeiten mit dem Komponisten zusammenarbeitete.

Ein schönes Gegengewicht zur anheimelnden Mundharmonika bilden ein grummelndes, oftmals im Umfeld von massvollem Mickey-Mousing agierendes Tuba-Motiv für Mr. Wilson (sehr effektvoll und amüsant in Szene gesetzt etwa in Babysitting) sowie das schleichende Thema für Switchblade Sam, welches sich zu Beginn von Dollnapping aus unheilvollem, fanfareartigem Blech herauskristallisiert.

Bed Time und Shaggy Dog Story bieten mit einem anrührenden Lullaby für Klavier und Holzbläser ein paar willkommene Erholungspausen, aber es ist eine trügerische Ruhe, denn der musikalische Schabernack droht jeden Augenblick wieder Überhand zu nehmen. Ein quintessenzieller Track ist The Heist, wo nicht nur die Motive von Dennis, Mr. Wilson und Sam schön variiert werden, sondern zudem das nächtliche Blühen einer seltenen, exotischen Blume in impressionistische Klänge gefasst wird.

Bis jetzt bin ich praktisch nur auf Tracks eingegangen, die man auch auf dem von Big Screen Records veröffentlichte Originalalbum findet, und jene CD deckt den Score ‒ obwohl sie ausser des Main Title überhaupt keine Musik aus der ersten halben Stunde des Films enthält ‒ ganz gut ab. Die von La-La Land um rund 20 Minuten verlängerte «Expanded Archival Edition» schliesst jetzt diese grosse Lücke. Nebst dem bereits erwähnten Dollnapping sei bei den neuen Tracks auf Take an Aspirin hingewiesen, wo erste, köstliche Konfrontationen zwischen Dennis und Mr. Wilson stattfinden und schwirrende Holzbläser an On the Way aus Tora! Tora! Tora! erinnern.

Die gelegentlich gehörte Kritik, dass Sam’s Thema auf dem Originalalbum nicht genug gewürdigt wird, stimmt nur halbwegs. Zwar fehlen dort natürlich die frühen Varianten, aber es kommt in den Tracks rund um Dennis‘ Entführung (von The Slingshot bis Hang Up), die Goldsmith viel Gelegenheit für seine typische, aber hier durch die Humorbrille verfasste Action- und Spannungsmusik bieten, doch noch zu seinen Ehren.

Allen Erwartungen zum Trotz, wertet die zusätzliche Musik den zum Teil doch ein wenig gleichförmigen Score nicht sonderlich auf. Es sprechen letztlich die üblichen Faktoren für den Kauf: Man hat Dennis The Menace noch nicht oder ist der Musik gänzlich verfallen, man hofft auf eine Klangverbesserung (kann ich nicht beurteilen, da nicht mit der alten CD verglichen), man legt viel Wert auf ein informatives Booklet (ist durch Jeff Bond garantiert), oder man ist Goldsmith-Komplettist. Wie auch immer: eine Empfehlung ist dieser mit grossem Orchester eingespielte Score, der zu Goldsmiths besten im Comedy-Bereich gehört, alleweil wert.

Andi, 21.6.2014

 

DENNIS THE MENACE

Jerry Goldsmith

La-La Land Records LLLCD 1288

77:58 Min. / 31 Tracks

Limitiert auf 3000 Stk.

 

 

 

 

 

 

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