Creation

Die Evolutionstheorie, welche Charles Darwin im 19. Jahrhundert postulierte, ist nicht nur eines der wichtigeren Dokumente der neueren Zeit, sondern – gerade im ultra-konservativen Amerika – auch eines der auch heute noch am Umstrittensten. Angst vor ultra-konservativen Christen in Amerika führte nun sogar dazu, dass dieser britische Film mit Paul Bettany in der Hauptrolle nicht einmal einen Verleih in den USA fand. Sträflich dumme Argumente, welche Darwin zu einem Rassisten abstempeln und ihn sogar als direkten Einfluss auf Adolf Hitlers Überzeugungen in die Verantwortung nehmen, liessen den Film zu einer heissen Kartoffel werden.

Den Film und die Theorie mal aber zur Seite legend, konzentrieren wir uns doch besser auf Christopher Youngs Filmmusik. Young, dessen Filmmusik sich nun auch schon über mehrere Jahrzehnte erstreckt, hat seinen Stil schon länger gefunden. Und wenn er in “jungen” Jahren doch oft und gerne Action- oder Horrorfilme vertonte, ist er heute immer wieder auch für intimere Geschichten zu haben (Shipping News, Something The Lord Made, Unfinished Life, etc).

Young wählte für Creation eine Methode, welche sich – ohne den Film bereits gesehen zu haben – damit umschreiben lässt, dass er Musik um die stillen Momente herum komponiert hat. Der Tod seiner Tochter Annie im Jahre 1851, stürzt Darwin und seine Frau in einen verständlichen Konflikt. Die Musik selber stellt ebenfalls Fragen. Sie ist wie eine offene Konversation, die oft in den stummen Momenten am stärksten ist und den Zuhörer die Verzweiflung förmlich spüren lässt – im Gegensatz dazu stehen leichtere Momente wie zum Beispiel To Emma.

You’ve Killed God, Sir kommt wohl der Stimmung am nächsten, welche in der damaligen Zeit geherrscht haben muss. Der Satz drückt aus, was die Musik mit immer schwereren Klängen verdeutlicht, um mit Knowing Everything I Now Know zurück zum Hauptthema zu finden. Geläutert, ja, aber auch gezeichnet vom Verlust, hat es elegischen Charakter. Humility And Love rundet die CD ab, voll und kräftig, ein starker Abgang, der seine Wirkung ohne Fanfaren erreicht, sondern immer noch schlicht und ehrlich wirkt.

Creation ist, wie erwähnt, ganz im Stil vom „erwachsenen“ Young. Seine dezent gehaltene Instrumentierung ist traditionell mit Piano und Streichern ausgefallen, bei To Emma zusätzlich mit Oboe versehen. Sie ist deshalb eher „vintage Young“ als „vintage 19. Jhr“ zu bezeichnen. Vergleichbar ist der Score mit Something the Lord made und seinem unbenutzten Score zu Unfinished Life, ersterem jedoch im Thema überlegen, jedoch nicht ganz so kräftig wie letzerer.

Youngs Qualitäten liegen oft dort, wo man sie nicht erwartet. Creationist da keine Ausnahme. Wen Zurückhaltung und bewusste Untertreibung anspricht, der wird hier vermutlich richtig liegen. Eine saubere, abgerundete Sache, ohne grosses Feuerwerk.

Steve, 11.2.2010

 

Christopher Young

Lakeshore Records LKS 34121

50:17 Min. / 14 Tracks

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