Cocoon

James Horner

Intrada Special Collection
Volume 260

62:25 Min. / 22 Tracks

Die Flut an Archival-, Expanded- und Complete-Releases sowie –Re-releases der letzten Monate brachte den Filmmusikfans auch eine leicht erweiterte und klangtechnisch top aufgefrischte Neuauflage von Cocoon (1985) von Komponist James Horner dar. Mit dieser Veröffentlichung von Intrada Records erhält ein besonderes Filmmusik- und James Horner-Juwel eine Auffrischung, deren Resultat auf CD nur wärmstens empfohlen werden kann. In diesen 60 Filmmusikminuten stecken schöne Themen und eine breite Stilpalette von Big-Band-Sounds, über Romantik bis hin zu Science-Fiction- und Action-Musik. Das alles verpackt Horner zudem in eine gelungene Narration. Was will man mehr?!

Zuerst zur stilistischen Vielfalt. Mit Cocoon schuf der aufstrebende Regisseur Ron Howard ein Genre-Potpourri sondergleichen: Fantasy, Comedy, Science Fiction, Romantik und Action, verpackt in die typische, für die heutigen Unterhaltungsgewohnheiten etwas überdreht-kitschige, über-engagiert gespielte 1980er-Filmkultur. Genauso vielfältig ist Horners Filmmusik und das auf dem Album präsentierte Programm. „Through the Window“ liefert Mystik und einen ersten Hauch von sich anbahnender Aufregung und von Abenteuer. Hier setzt Horner die Orchesterklänge und -farben sehr gekonnt ein, wobei hier auch Stilismen erklingen, die in späteren Horner-Werken wieder durchscheinen werden. In „Going to the Pool“, „Seduction/Let’s Go“ und „The Boys Are Out“ sprenkelt Horner locker-perlenden Big Band-Sound ein. Übermütige Verspieltheit kommt mit „Pool is Closed“ auf. Ein sehr spezieller Farbwechsel bietet „The Lovemaking“: dieses Stück beginnt geheimnisvoll, zurückhaltend, wird auslandend romantisch und schwenkt für den letzten Drittel auf einen dissonanten Horrortrip um. In „The Chase“ liefert das Orchester furiose Action-Musik und mit „The Ascension“ und „Theme from Cocoon“ holt Horner zu einem eindrücklichen wie mitreissenden Finale aus, das während 12 Minuten die zuvor angespielte und präsentierte Musik gelungen fertig entwickelt und eine schöne Gesamtschau präsentiert. Mit den letzten drei Album-Stücken, „I Feel Great“, „Rock Source“ und „Gravity“ erhält der Hörer noch drei Exkurse in Disco/Club-Musik geboten, die den Bogen für so manchen Horner- und Filmmusik-Enthusiasten überspannen dürften, aber nun hier aufgrund der nichtsdestoweniger gebotenen Vielfalt ebenfalls erwähnt werden sollen. Gefallen dürften diese Disco-Stücke jedoch wohl nur den wenigsten (im Film werden sie sinnvollerweise als Hintergrundmusik für Szenen in einer Disco eingesetzt).

Zu den Themen und zur Narration: Hier leistet Horner mit Cocoon ebenfalls tolle Arbeit. Während der gesamten Laufzeit hat man nie das Gefühl, dass Musik präsentiert wird, die rein repetitiv ist und nichts mehr Neues präsentiert. Das Hauptthema wird in „Through the Window“ angespielt und im weiteren Verlauf immer mal wieder eingeflochten, fertig entwickelt und in voller Pracht und Länge erklingt es jedoch erst während dem 12-minütigen Finale. Bis zu jenem Punkt ist es im Aufbau begriffen. Das ist ein toller Effekt. Zum leicht einprägsamen Hauptthema gesellen sich zwei Motive, die das Mysteriöse der erzählten Geschichte und die Action charakterisieren und mehrmals erklingen (nicht wie die äusserst dissonanten Einfälle am Ende von „The Lovemaking“, die aufgrund ihres einmaligen Charakters kaum als eigentliches Motive oder Thema gewertet werden können).

Fazit: Wer die Filmmusik zu Cocoon nicht besitzt, der sollte sich diese mit dieser gelungenen Intrada-Scheibe nun zulegen. Hier gibt es nichts zu missen und wenn man Track 19, „The Boys Are Out“, irgendwo in die erste Albumhälfte hinein programmiert und die drei letzten Disco-Stücke weglässt – womit „The Ascension“ und „Theme from Cocoon“ zum wirklichen Finale des Hörvergnügens werden –, kann an dieser Musik und ihrer Albumpräsentation rein gar nichts mehr ausgesetzt werden.

Basil, 15.12.2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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