Christus

Marco Frisina

Kronos Records KRONCD 067

76:50 Min. 23 Tracks

Limitiert auf 300 Stk.

Hierbei handelt es sich um eine frühe, italienische Jesus-Biografie aus dem Jahre 1916, die 1999 im Zuge einer Restauration auch eine neue Musik verpasst bekam. Dass man diese Aufgabe Marco Frisina anvertraute, dürfte kein Zufall sein, denn in dessen Werkverzeichnis finden sich etliche, vor allem fürs Fernsehen produzierte Bibel-Verfilmungen. Ausserdem schreibt er auch Stücke aller Art für den Vatikan und wurde darüber hinaus 1982 zum Priester geweiht. Wenn das mal keine sinnvolle Zweitbeschäftigung für einen Komponisten ist.

Frisina konzipierte seine Musik zu Christus für grosses Orchester und Chor. Jedoch missbraucht er diesen massiven Klangkörper nicht für billige Effekthascherei und auch Spektakel, das man sich von Bibel-Epen aus Hollywoods goldener Ära gewohnt ist, sucht man hier vergebens. Der Komponist ist vielmehr bestrebt, dem Göttlichen, Spirituellen und Mystischen in der Figur des Jesus Christus nachzuspüren. Er tut dies in der abendländischen Tradition religiöser Musik, und somit spielt auch das Ethnische eine untergeordnete Rolle.

Holzbläser mit wundervoll dargebotenen Soli, Harfe und immer wieder getragene Streicher (bei diesen könnte man stellenweise Vaughan Williams‘ Fantasia on a Theme by Thomas Tallis als Referenz nennen) verbreiten mit tief empfundenen Themen den göttlichen Funken, tauchen die Musik in ein sanftes und wohltuendes Licht. Der Chor kommt ebenso gezielt wie wirkungsvoll zum Einsatz. Distanzierte und leicht dissonante Blechbläser-Fanfaren (sowie gelegentliche Dissonanzen auch in anderen Instrumentengruppen) dürften den Römern zugedacht sein.

Es empfiehlt sich, diesen Score nicht einfach so nebenbei zu hören, sondern ihm die ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Nicht, weil er besonders komplex wäre, sondern weil man sich ihm ‒ um seiner vollen Wirkung gewahr zu werden ‒ ungestört und mit Herz und Seele hingeben sollte. Das wäre bestimmt auch im Sinne von Frisina, der ‒ da bestehen angesichts dieser CD keine Zweifel ‒ in der Tat sehr gläubig sein muss.

Der einzige Kritikpunkt dieser Produktion von Kronos Records ‒ ein Label, das sich etwas abseits des Mainstream bewegt ‒ ist das gar mickrige Booklet, das nur aus einem Faltblatt mit einem knappen Text von John Mansell besteht. Ansonsten aber ist dies eine erstklassige und sehr zu empfehlende Veröffentlichung.

Andi, 8.6.2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*